In seinem ersten Jahr beim ​FC Schalke 04 gehörte Amine Harit zu den Shootingstars der Bundesliga, doch in den vergangenen zwölf Monaten erlebte der offensive Mittelfeldspieler einen rapiden Sturzflug. Aufgrund von Disziplinlosigkeiten fiel er immer wieder negativ auf, schon im Winter wurde über einen vermeintlichen Abgang auf Schalke berichtet. Angefangen hat alles mit einem Autounfall in seiner Heimat, den er im Interview mit ​L'Equipe als "den schlimmsten Moment" seines Lebens bezeichnete. 


31 Bundesligaspiele absolvierte Harit in der Saison 2017/18, betrat wenig später als Spieler der marokkanischen Nationalmannschaft die ganz große Bühne und stand beim ersten Gruppenspiel der Weltmeisterschaft gegen den Iran über 82 Minuten auf dem Platz. Doch am 29. Juni vergangenen Jahres, wenige Tage nach dem Ausscheiden in der Gruppenphase, veränderte sich das Leben des 22-Jährigen schlagartig.


In Marrakesch war er in einen tödlichen Autounfall verwickelt, ein Fußgänger kam dabei ums Leben. "Der Unfall ist ein Drama, das schwer zu vergessen ist", sagt Harit im Interview mit L'Equipe und beschreibt den Hergang wie folgt (via BILD): "Ich war mit meinem kleinen Bruder essen, es war gegen 22 Uhr. Ich war nicht außergewöhnlich schnell, aber wohl 10 bis 15 km/h über der Geschwindigkeitsbegrenzung. Da war diese Person, die die Straße überquerte. Dann der Schock. Ich hielt 100 bis 150 Meter vom Unfallort entfernt an, weil ich es kaum realisieren konnte. Ich habe auf die Polizei gewartet, stand unter Schock, der schlimmste Moment meines Lebens."


Harit wurde zu vier Monaten auf Bewährung verurteilt, erhielt acht Monate Fahrverbot in seinem Heimatland sowie eine Geldstrafe in Höhe von umgerechnet 780 Euro (8600 Dirham). Auch soll er der Familie des Opfers ein Blutgeld in Höhe von 10.000 Euro gezahlt haben. "Das war der Anfang einer sehr komplizierten Zeit. Ich habe viel an diese Person gedacht", so Harit, der sich nach Gesprächen mit der Familie des Opfers darum bemüht habe, "der Selbe wie letzte Saison zu sein."

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Ein Jahr zum Vergessen: Amine Harit hatte seit vergangenem Sommer viele Rückschläge zu verkraften.


Abschalten konnte er jedoch kaum: "Als ich auf dem Platz stand, sagte ich mir, dass ich keinen Erfolg haben werde. Es fühlte sich in meinem tiefsten Inneren einfach nicht richtig an." In der Folge fiel er durch zahlreiche Disziplinlosigkeiten auf, auch wurde über Glücksspielprobleme berichtet. Ex-Trainer Domenico Tedesco bescheinigte Harit mangelnde Professionalität, erklärte im Januar (via ​Welt): "Er muss zeigen, dass er sich entwickelt, dass er eine gewisse Reife hat und warum er Profi ist und dass er Profi ist. Es gehört einfach mehr dazu als Talent."


Mittlerweile sei diese Botschaft bei ihm angekommen, vor allem aufgrund der Geburt seines Kindes im Mai. "Als ich erfuhr, dass ich Vater werde, hat es bei mir Klick gemacht. Im Fußball kannst du Blödsinn machen, aber mit einem Kind hast du nicht das Recht, Fehler zu machen." Nun wolle er "einhundert Prozent" aus sich herausholen, Probleme abseits des Fußballfeldes vermeiden - um in Zukunft wieder so auftrumpfen zu können, wie noch in seinem ersten Bundesliga-Jahr.