Mittlerweile stellt sich nur noch die Frage, welchem Verein sich Ozan Kabak anschließen wird. Der Innenverteidiger verlässt den ​VfB Stuttgart nach dem Abstieg in die zweite Bundesliga, angeblich soll der AC Mailand gute Karten auf den Zuschlag besitzen. Auch der FC Bayern München ist offenbar im Rennen und könnte mit dem 19-Jährigen als Ersatz für Mats Hummels planen. Mit Kabak würden sich die Münchner eines der verheißungsvollsten Abwehrtalente Europas sichern, ein durch den Transfer von Hummels entstandenes Defizit aber nicht ausgleichen.


Als erster Bundesligist lernte der FC Schalke 04 in der Gruppenphase der Champions League​ Ozan Kabak, der im Januar nach nur 18 Pflichtspielen für Galatasaray Istanbul zum VfB Stuttgart transferiert wurde, kennen. Den Verantwortlichen dürfte schon damals nicht verborgen geblieben sein, über welche Qualitäten der 1,86 Meter große Innenverteidiger verfügt. Kabak ist ein schneller Innenverteidiger, kann viele Situationen ablaufen und muss nur selten zur Grätsche greifen. Seinen Körper setzt er geschickt ein, aufgrund seiner Robustheit kann er immer wieder den Ball abschirmen. Zudem verfügt er über das nötige Gespür für das Timing in Zweikämpfen und erzielte aufgrund seiner Kopfballstärke zwei seiner drei Tore für den VfB nach einem Eckball.


Das Gesamtpaket wäre aufgrund der Ausstiegsklausel in Höhe von 15 Millionen Euro kostengünstig. Für Mats Hummels kassieren die Münchner angeblich eine fixe Ablösesumme über 31,5 Millionen Euro. Dieses Geld könnte dazu genutzt werden, um den Transfer von Leroy Sané zu forcieren - oder aber die Millionen werden sowohl in Kabak als auch in Sané gesteckt, wenn zusätzlich Jerome Boateng die Freigabe für einen Wechsel erhält.

Hasan Salihamidzic

  Kümmert sich in puncto Transfers vor allem um junge Spieler: Hasan Salihamidzic.



Bei einer Verpflichtung würde Sportdirektor Hasan Salihamidzic die Verjüngung des Kaders weiter vorantreiben. Hummels und Kabak trennen elf Jahre, die übrigen Innenverteidiger Niklas Süle, Benjamin Pavard und Lucas Hernández sind allesamt 23 Jahre alt. Von ihnen kann Kabak viel lernen. Süle ist seit zwei Jahren Stammspieler bei den Bayern, Hernández kann derweil 110 Pflichtspiele für Atlético Madrid vorweisen und feierte gemeinsam mit Pavard den WM-Titel im vergangenen Jahr. Auch Boateng, dessen Zukunft noch immer offen ist, besitzt über eine immense Erfahrung.


Ein Transfer mit Abstrichen


Der Konkurrenzkampf um die beiden Plätze in der Innenverteidigung wäre eng, verstecken würde sich Kabak keineswegs. Allerdings besitzt auch er nicht die Qualitäten im Aufbauspiel, über die ein Mats Hummels verfügt. Immer wieder sucht Kabak den Weg nach vorne, geht mit dem Ball einige Schritte in Richtung Mittelkreis und sucht einen anspielbaren Mitspieler auf dem Flügel oder in der Spitze. Meist spielt er einen Flachpass, doch in der abgelaufenen Rückrunde landete dieser immer wieder im Aus oder beim Gegenspieler, der den Pass antizipieren oder ablaufen konnte. 


Von hohen, perfekt zugeschnittenen Bällen, wegen denen Hummels und Boateng an guten Tagen für das Offensivspiel einer Mannschaft unentbehrlich sind, ist hingegen nur wenig zu sehen. So gut sich der FC Bayern defensiv verstärken würde, so würde auch dieser Mangel bestehen bleiben. 


Dabei ist das Aufbauspiel das große Problem der Münchner, die unter Niko Kovac speziell gegen tiefstehende Gegner ideenlos agieren, fast nur auf die Qualitäten einzelner Spieler vertrauen und die Dynamik und das Tempo, wodurch die gegnerischen Abwehrreihen in den Vorjahren seziert wurden, vermissen lassen. Auch deshalb wird nach einem weiteren spielstarken Sechser gefahndet.

Ozan Kabak

 Ozan Kabak besitzt das Potenzial, um beim FC Bayern zu bestehen.



Des Weiteren erhielten die Münchner zwar einen hungrigen und talentierten Abwehrspieler, doch Kabak besitzt die Erfahrung von gerade einmal 35 Profispielen für Galatasaray Istanbul und den VfB Stuttgart. Dem 19-Jährigen mangelt es mitunter ein wenig an Erfahrung, die - wie sich in der abgelaufenen Saison zeigen sollte - für die Titeljagd entscheidend ist. 


Letzten Endes wäre die Verpflichtung von Ozan Kabak ein zweischneidiges Schwert. Doch einen Spieler mit solch einem Potenzial für gerade einmal 15 Millionen Euro verpflichten zu können, ist aus heutiger Sicht fast schon ein Schnäppchen - weshalb die Bayern zuschlagen sollten, wenn sie ernsthaftes Interesse besitzen.