Wenn in diesen Wochen über die kommende Saison auf ​Schalke gesprochen wird, und welche Spieler von Wagner bzw. seinem System profitieren könnten, oder auch wer im Kader welche noch offenen Positionen übernehmen kann, dann wird Alessandro Schöpf zuletzt häufig übergangen. Doch wieso ist das so, und welche Rolle könnte er nächste Saison - auch im Hinblick auf andere Transfers - spielen?


Am 25. Januar, beim 2:2 Unentschieden gegen Berlin verletzte sich Alessandro Schöpf stark. Mit einem Außenbandriss im Knie, herbeigeführt durch einen "gestreckten Schlappen", wie man so schön sagt, durch Rekik, ​musste er über vier Monate komplett aussetzen - der Berliner bekam dafür übrigens die Gelbe Karte. Erst jetzt kann der Österreicher wieder langsam seine ersten Einheiten absolvieren, beginnend mit leichtem Lauftraining. 


Auch diese Verletzung, die ihm in die komplette Rückrunde kostete, schob ihn in den Hintergrund. Der Abstiegskampf, Tedescos Freistellung, die neuen Personen Schneider, Reschke, und die wichtigen Planungen für den Sommer. Das alles nahm deutlich mehr Publicity und Gedanken ein, als die Rückkehr von Schöpf. Nun stellt sich die Frage, ob und wie er sich unter Wagner empfehlen kann. Welche Position könnte er überhaupt spielen?

Alessandro Schopf

Schöpf läuft bereits seit mehr als drei Jahren im königsblauen Dress auf



Kenny als Neuzugang, Caligiuri offensiver - kein Platz für Schöpf?


Schöpf hat "zuletzt" meistens als rechter oder linker Außenverteidiger ausgeholfen oder auch im Mittelfeld auf der rechten Seite. Mit der Leihe von Jonjoe Kenny, einem klassischen Rechtsverteidiger, könnte sich das aber ändern. ​Wagner wird höchstwahrscheinlich mit einer Viererkette spielen, und dort kann Kenny die Rolle übernehmen, sodass Daniel Caligiuri im offensiveren Bereich spielen und dort seine Stärken noch besser einbringen kann. Auf Links hat man zurzeit drei Verteidiger, wobei Mendyl eventuell den Verein noch verlässt. Doch damit steht Schöpf noch lange nicht hinten an.


Zunächst muss man verdeutlichen, dass man als Spieler nicht jedes einzelne Spiel auch spielen kann, sei es durch Verletzungen, taktische Umstellungen, Regeneration, etc. Will heißen: Nur weil es einen (weiteren) Spieler für eine Position gibt, die Schöpf auch spielen kann bzw. würde, bedeutet das noch lange nicht, dass dieser (neue) Spieler dann weder automatisch vor ihm steht, noch - sollte er "vor ihm stehen" - dass er dann auch jedes Spiel machen wird und Schöpf dementsprechend nicht. So funktioniert es natürlich nicht.


Auch wenn die Position des Linksverteidigers eigentlich überhaupt nicht die ist, an die der Österreicher gewohnt ist, hat er sie auf Schalke bereits häufiger gespielt. Alleine auf der Position könnte er sich theoretisch schon gegen Oczipka und Carls durchsetzen​, und das hat zwei Gründe: Unter Wagner werden die Außenverteidiger dazu angehalten, sowohl offensiv als auch defensiv zu denken und zu spielen. Offensiv hat Oczipka nicht seine Stärken, Schöpf als gelernter offensiver Außenspieler könnte dort glänzen und währenddessen durch seine kämpferische Natur auch in der Defensive funktionieren. 

Bastian Oczipka

Oczipka erinnert nach dem Spiel gegen Gladbach an den Support für den verletzten Schöpf


Dazu kommt seine enorme Ausdauer. Neben "Schöpfi" wird er beim S04 auch als "Pferdelunge" betitelt. Wenn er spielt reißt er in den meisten Fällen die mit Abstand größte Distanz runter. Auch das wäre ein zusätzlicher Vorteil, wenn man die offensive und defensive Arbeit miteinander verbinden (können) muss. Ganz davon zu schweigen, dass er natürlich auch auf der rechten Seite vor Nezugang Kenny stehen könnte. 



Schöpfs größte Stärke: Er ist vielseitig einsetzbar


Wie bereits angesprochen hat Schöpf bei S04 bereits sehr viele unterschiedliche Positionen gespielt. Von seiner eigentlichen Position des rechten (offensiven) Mittelfeldspielers, über beide Verteidiger oder auch als Sechser, Achter oder Zehner. Der einzige, der ähnlich flexibel einsetzbar ist wie er, ist Weston McKennie. ​


So wird auch unter Wagner die Flexibilität eine große Waffe von Schöpf sein. Gepaart mit seiner Ausdauer und auch spielerischen Klasse hat er die Möglichkeit, sich auch in der kommenden Saison einen wichtigen Platz im Kader einzunehmen. Je nachdem wie Wagner das Mittelfeld aufbauen wird, kann Schöpf jede Position übernehmen. Links, Rechts, defensives oder offensives Mittelfeld. Gerade bei vom Verein aus erhofften Abgängen von Konoplyanka, Bentaleb und Harit und gleichzeitig kleinen finanziellen Mitteln, kann er wieder in den Vordergrund rücken. 


Durch seine kämpferische Einstellung und seinen Stärken kann er so, obwohl er bereits in seine vierte Saison auf Schalke gehen wird, eine Art "Neuzugang" werden. Wie viele andere Spieler beim S04 könnte der Plan, offensiven Fußball spielen zu lassen, auch für Schöpf ein großer Vorteil und eine Art "Neuanfang" sein. 


Er bringt zumindest alle Vorteile und Aspekte mit, damit diese Umstellung auch für ihn ein erneuter Durchbruch sein kann. Bleibt für ihn zu hoffen, dass er möglichst schnell und ohne erneute Komplikationen nach seiner Verletzung wieder zurückkehren kann, um wieder richtig in die Spur zu gelangen.