Die Republik Südossetien wurde unter Gewalt ins Leben gerufen. Ein Krieg in den frühen 90er-Jahren und eine Trennung von Georgien, sowie die Teilnahme an einer Art Bürgerkrieg mit Unterstützung Russlands 15 Jahre später, formten die Republik.


Der Name South Ossetia geht auf englisch nicht einfach über die Lippen, zu viele sanfte Silben, womöglich generell zu viele Silben. Zudem ist auch das Land selbst, welches an den südlichen Hängen des großen Kaukasus gelegen ist, nicht gerade einfach zu erreichen. Vielmehr handelt es sich um eine Region die von Landwirtschaft geprägt ist und aktuell nur von fünf UN-Mitgliedern (Russland, Nicaragua, Venezuela, Syrien und Nauru) anerkannt wird. Um es kurz zu machen, wird aus Südossetien wohl nie eine echte Metropole oder gar ein touristisches Ziel.


Nichtsdestotrotz steht Südossetien im europäischen Finale.

Alle Fotos von Theo McInnes.


Falls ihr es noch nicht wusstest, zeichnet sich CONIFA aber gerade dadurch aus. Hier geschehen ständig solche Dinge. Hier, wo bereits die Existenz aller Teams eine Überraschung an sich darstellt und die Chancen verschwindend gering erscheinen, sind diese Ausgänge an der Tagesordnung.


Die Auswahl von Südossetien war als krasser Außenseiter ins Turnier gestartet. Von den sieben teilnehmenden Mannschaften wurden sie lediglich auf dem sechsten Platz eingestuft und zudem mussten sie sich in ihrer Gruppe nicht nur mit einem, sondern gleich zwei Halbfinal-Teilnehmern des letztjährigen World Football Cups messen. Darüber hinaus gab es noch West-Armenien, die sich durch ihre extrem starke Physis auszeichnen.


Zu Beginn bestand die Hoffnung daher vorerst darin zumindest einen Sieg einzufahren und wenn selbst das nicht möglich wäre, eine Leistung an den Tag zu legen, auf die man Stolz sein kann. Und dann plötzlich begannen sie zu gewinnen. Dank zweier Treffer von Batradz Gurtsiev konnte man zum Auftakt die Armenier bezwingen. Im zweiten Spiel war es dann erneut Gurtsiev und dieses Mal auch seinem Teamkollegen Ibragim Bazayev zu verdanken, dass man vor 5000 Zuschauern in der Hauptstadt den Favoriten Padania bezwingen und sich bereits ein Spiel vor der endgültigen Abrechnung für das Halbfinale qualifizieren konnte.


In dieser Partie, die mit einem 2:2-Unentschieden endete, war es erneut Gurtsiev, der seine Mannschaft gleich zweimal nach einem Rückstand wieder zurück in die Partie brachte und durch seinen Doppelpack sein Standing als einer der überraschenden Stars des Turniers zementieren konnte.


Im Halbfinale in Askeran traf das Team dann mit Marco van Basten (nein, nicht der) und seinem Team aus Chameria auf eine Mannschaft, die ​bis dahin ebenfalls eine unglaublich Geschichte geschrieben hatte. Vor den Augen des Präsidenten von Artsakh und 500 weiteren Fans, die sich in das kleinste Stadion des Turnier zwängten, bildete die Bergkulisse im Hintergrund und der strahlend blaue Himmel einen perfekten Rahmen.


Das Spiel an sich, war aber nicht großartig. Die Partie war von einer Vielzahl von langen Bällen, robuster Verteidigungsarbeit und einigen dem Spielfluss nicht gerade zuträglichen Nickligkeiten geprägt. Chancen waren hingegen Mangelware (Chameria-Keeper Fatjon Collari glänzte mit einer brillanten Parade) und es gab … keine Tore.


Gleich beim ersten Spiel des Turniers bei dem ein Elfmeterschießen möglich war, kam es schlussendlich auch zu diesem Nervenkitzel. Und es sollten einige sein. Beide Torhüter konnten zunächst parieren, dann traf van Basten im Stile von Panenka. Collari wurde von Teilen der Fans mit Chips versorgt und beim Stand von 6:5 machte sich Südossetiens Verteidiger Muharbeg auf zum entscheidenden Elfer.


Aus dem Nichts heraus, ja aus einer Position bei der jeder damit rechnete, dass das Team schon vor dem Beginn des Turniers als Gruppenletzter feststeht, trifft Südossetien nun am Sonntagabend im Finale in Stepanakert auf den Lokalfavoriten West-Armenien. Bei allem was sie bislang durchgemacht haben, wäre es töricht, die Mannschaft dabei im Vorhinein abzuschreiben.


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