Joachim Löw nominierte vor einigen Tagen den Kader für die anstehende EM-Qualifikation. Für die Duelle gegen Weißrussland und Estland berief er zudem Sven Ulreich in die Nationalmannschaft, die erste Nominierung des ​Münchners überhaupt kam für viele überraschend. Doch es gibt einige Gründe, wieso Löw dem 30-Jährigen die Rolle als Nummer Drei anvertraut. Gegen die Konkurrenz setzte er sich nämlich nicht nur wegen der Leistung durch.


Joachim Löw nominierte erstmals einen Torhüter, der bei seinem Stammverein eigentlich nur als Ersatzkeeper eingeplant ist. Für viele Fans und Experten kam die Berufung deswegen mehr als überraschend, bei genauerer Betrachtung der Situation fallen aber viele gute Gründe für Löws Vertrauen in Ulreich auf. Dass der 30-Jährige nun also doch noch zu seinem Länderspieldebüt kommen könnte, ist vor allem der Geduld des Torhüters zu verdanken.


Vor vier Jahren zog es den Torwart vom ​VfB Stuttgart zum FC Bayern München. Bei den Schwaben verbracht er seine gesamte Karriere und war stets als Nummer Eins gesetzt. Deswegen war sein Wechsel zum Rekordmeister für viele unverständlich, immerhin war seine Rolle hinter dem etablierten Manuel Neuer klar. Doch Ulreich nahm den Kampf an und war immer ein wichtiger Teil der Mannschaft.


In den vier Spielzeiten kam der Keeper nämlich auf 69 Pflichtspiel-Einsätze, die vor allem durch viele Verletzungen Neuers zustande kamen. Dabei zeigte er überwiegend beeindruckende Leistungen und ersetzte den Stammtorhüter oftmals exzellent. In der letzten Saison musste er in 29 ​Bundesliga-Duellen ran, durch starke Leistungen wurde er somit fast zum WM-Kandidaten.

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Sven Ulreich liefert ab, wenn er gefordert wird



Ulreich ist also nicht nur wegen seiner Konstanz und immer währender Bereitschaft nominiert worden, laut der Bild gibt es nämlich noch andere Gründe. Da wäre zum Beispiel die Anzahl an Torhütern, die man über die Jahre im Dress des DFB wiederfinden konnte. Der Plan von Löw ist es, den Kreis der Keeper nicht zu groß werden zu lassen, um die Leistung von weniger Akteuren eher bündeln zu können.


Somit würde eine Nominierung von Torhütern wie Timo Horn oder Ralf Fährmann weniger Sinn ergeben, denn diese würden dann auf weitere Einsätze in der Nationalmannschaft drängen wollen. Ulreich selbst weiß allerdings, dass er als Ersatz diese besondere Rolle einnimmt. "Das kam sehr überraschend für mich", so der 30-Jährige im kicker. Was auf ihn zukommt ist Ulreich aber trotzdem klar, "für mich ist das eine Ehre, ich freue mich auf die Zeit dort und gebe Gas".


Andere Kandidaten fallen aus oder sind nicht verfügbar


Allerdings gibt es ja noch andere Keeper, die Löw in den letzten Jahren ​immer wieder als Back-Up für die Nationalmannschaft nominierte. Von ihnen fallen aber viele aus, allen voran der in dieser Spielzeit so bärenstarke Marc-André ter Stegen wird vermisst. Er fällt aufgrund von Knie-Problemen aus. Auch Kevin Trapp laboriert an einer Verletzung, Bernd Leno ist aufgrund einer Daumen-Blessur ebenfalls angeschlagen.


Damit blieben noch die jüngeren Torhüter, die in dieser Saison ebenfalls groß aufspielten. Drei von ihnen sind in der Zeit der EM-Qualifikation allerdings ebenfalls nicht verfügbar. In Italien findet ab Mitte Juni nämlich auch die U21-Europameisterschaft statt, dafür sind Alexander Nübel, Florian Müller und Markus Schubert fest eingeplant. Zudem wolle man den Youngstern keine großen Hoffnungen machen, mit nur einer Nominierung sollte man nämlich nach der Rückkehr der etablierten Keeper nicht mehr unbedingt mit Berufungen rechnen.

Alexander Nübel

Torwart-Talent Alexander Nübel steht bei der U21-EM zwischen den Pfosten



Und es gibt noch ein weiteres Argument für Sven Ulreich. Die Bundesliga-Saison ist nämlich schon seit mehreren Wochen beendet, Keeper wie Alexander Schwolow befinden sich bereits im Urlaub. Nicht aber Ulreich, der mit den Bayern noch vor wenigen tagen im DFB-Pokalfinale stand und noch komplett im Wettbewerbs-Rhythmus ist. Dass der 30-jährige Münchner also ein Platz im Kader der Nationalelf gefunden hat, ist keine Überraschung, sondern der Lohn für seine harte Arbeit der letzten Jahre.


Löw aus dem Krankenhaus entlassen


Gute Nachrichten gibt es auch vom Nationaltrainer selbst. Der 59-jährige Löw darf nach Berichten der Bild seinen Krankenhaus-Aufenthalt beenden und wird Anfang dieser Woche entlassen. Nach seiner Selbsteinlieferung vor wenigen Tagen wurde bei dem Nationaltrainer eine Arterienquetschung im Brustkorb diagnostiziert, die er sich bereits vor längerer Zeit bei einem Trainings-Unfall zugezogen haben soll. 


Damit darf Löw die Freiburger Uni-Klinik also verlassen, zu der Mannschaft wird er dennoch nicht mitreisen. Allerdings trug er trotzdem zur Planung der nächsten Tage bei. In einem Gespräch mit Markus Sorg, Thomas Schneider und Andy Köpke klärte man die Gestaltung der Vorbereitung.