Heute Abend findet in Deutschland das Rückspiel der Bundesliga-Relegation zwischen Union Berlin und dem VfB Stuttgart statt. Dabei geht es natürlich um viel Geld. Doch dieser finale Ausscheidungskampf in Deutschland ist nichts gegen das, was heute Nachmittag im Londoner ​Wembley-Stadion (16.00 Uhr) stattfindet. 


Hier in unseren Breiten liest man immer wieder von Beträgen um die zehn, zwanzig, vielleicht sogar dreißig Millionen Euro an Mehreinnahmen, die der Sieger der Relegation in der Folgesaison einstreichen würde. Viel Geld, ohne Frage. Doch im Mekka des englischen Fußballs geht es heute um ganz andere Beträge, gegen die die deutschen Summen beinahe schon lächerlich erscheinen. 


Wahnwitzige 320 (!) Millionen Euro könnte der Sieger aus dem Finale (​Derby County - Aston Villa) bis 2022 nur allein durch garantierte Fernsehgelder einnehmen. Voraussetzung dafür wäre allerdings, nicht gleich in der ersten Saison in der Premier League wieder abzusteigen. 


Doch selbst im Worst-Case-Szenario reden wir immer noch über den astronomisch hohen Betrag von 190 Millionen Euro. Das ist sozusagen die schon fixe Summe, die der Sieger des heutigen Finales in den kommenden Spielzeiten garantiert überwiesen kriegt (105 Millionen Euro für die Saison 2019/20, 85 weitere Millionen verteilt auf die beiden folgenden Spielzeiten). Selbst im Falle eines nur einjährigen Gastspiels in der höchsten Liga. 

Dieses Modell (parachute payment, von parachute = Fallschirm, um den Fall aus der Premier League etwas abzudämpfen) ist in England nicht unumstritten. 


Angesichts solcher Zahlen geraten einige andere interessante Details bezüglich dieses Showdowns ein wenig in den Hintergrund: so wie z.B. die Tatsache, dass sich heute Nachmittag zwei absolute Chelsea-Legenden gegenüberstehen werden. Auf der Seite der Villans aus Birmingham steht ​John Terry (38). Zwar nicht als Chef, sondern als Co-Trainer von Dean Smith, aber immerhin. 


Und bei Derby County hat seit vergangenem Jahr ​Frank Lampard (40) das Sagen. Terry und Lampard: wieviele Schlachten haben diese beiden Haudegen nicht miteinander bestritten? Dem bärbeißigen Abwehrrecken Terry, der mit seinem verschossenen Elfmeter 2008 im Champions-League-Finale von Moskau (gegen Manchester United und deren Superstar Cristiano Ronaldo) erheblichen Anteil an der Niederlage hatte, dürfte sein damaliger Ausrutscher am ominösen Punkt wohl heute noch das eine oder andere Mal durch den Kopf spuken. Immerhin konnte er diesen Lapsus vier Jahre später (im "Finale dahoam") ausbügeln. 


In beiden Finals stand auch Terrys heutiger Gegner, Frank Lampard, für die Blues auf dem Platz. Der erzielte 2008 sogar den zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleichstreffer. 


Aston Villa, das bereits im vergangenen Jahr dieses Relegations-Spiel bestritt (wo man dem FC Fulham unterlag) geht als leichter Favorit in die Partie. Für Derby County spricht eigentlich nur das Momentum: im Halbfinal-Rückspiel bezwangen sie das höher eingestufte Leeds United mit 4:2. 

Unter den 80.000 Fans, die heute in der Kathedrale des englischen Fußballs erwartet werden, wird auch viel Prominenz sitzen. Schauspieler Tom Hanks ist glühender Anhänger von Aston Villa. Großes Kino also auf allen Ebenen beim Mega-Millionen-Spiel in England.