Chrisitan Gentner

VfB Stuttgart: 7 Erkenntnisse aus dem enttäuschenden Hinspiel gegen Union

Der VfB Stuttgart kam am Donnerstagabend beim Hinspiel der Relegation nicht über ein schlussendlich ernüchterndes 2:2-Unentschieden hinaus und hat sich dadurch vor dem Rückspiel am Montag beim 1. FC Union Berlin in die Bredouille gebracht. Dabei wurden beim Heimspiel einige Mängel der Schwaben offensichtlich. Vereinzelte Lichtblicke machen jedoch auch etwas Hoffnung.

1. VfB in Luftduellen häufig unterlegen

Beide Tore der Gäste aus Berlin resultierten aus gewonnen Luftduellen gegen die Hintermannschaft des VfB. Marc Oliver Kempf und Ozan Kabak ließen dabei jegliches Timing vermissen und hatten sich bereits zuvor häufig geschlagen geben müssen. Auch bei gegnerischen Standards mussten jedem VfB-Fan daher häufig Angst und Bange sein. Im Rückspiel bedarf es nicht nur in dieser Disziplin deutlich mehr Entschlossenheit.

2. Sebastian Andersson macht, was er will

Ein wichtiger Schlüssel für den erfolgreichen Auftritt der Eisernen war die äußerst dominante Leistung ihres Mittelstürmers Sebastian Andersson. Der Schwede war an fast jeder Offensivaktion der Gäste beteiligt und war überhaupt nicht in den Griff zu kriegen. Dabei bewegte sich der 27-jährige Angreifer ab und an auch am Rande der Legalität und teilte gut aus. In so wichtigen Spielen wie der Releagation darf es aber einfach nicht sein, dass sich sonst so robuste Spieler wie Kabak und Kempf so häufig abkochen lassen. Auch hier gilt es im Rückspiel deutliche Zeichen zu setzen.

3. Offensivspiel des VfB über weite Strecken vorhersehbar

Der VfB versuchte häufig über die Flügel Druck zu machen. Dabei konnte man Linksverteidiger Emiliano Insua zwar nicht mangelnden Einsatz vorwerfen, am Ende des Tages fand jedoch kaum eine Flanke des routinierten Argentiniers, die häufig bereits recht unmotiviert aus dem Halbfeld abgefeuert wurden, ihr Ziel. Da auch sein Back-up Borna Sosa zuletzt alles andere als die Verlässlichkeit in Person war, dürfte der Gaucho in Berlin aber wohl dennoch in der Startelf stehen. 

4. Donis zwischen Genie und Wahnsinn

Durch einen spektakulären Sprint über das halbe Spielfeld leitete Anastasios Donis den Führungstreffer zum 1:0 mustergültig ein. Auch in der Folge sorgte der Grieche durch seinen schnellen Antritt bei der gegnerischen Defensive für Kopfzerbrechen. Mitunter leistete sich der Angreifer aber auch völlig deplatzierte Kabinettstückchen, die angesichts des drohenden Abstiegs doch arg arrogant wirkten. Dabei bringt der Stürmer doch eigentlich alles mit, um sich im Rückspiel durch weitere Torbeteiligungen zum Retter einer verkorksten Saison aufzuschwingen.

5. Wo war Didavi?

Spielmacher Daniel Didavi konnte dem Spiel der Stuttgarter wieder einmal nicht die erhofften Impulse verleihen und ging in dem kampfbetonten Spiel ziemlich unter. Folgerichtig wurde der ehemalige Wolfsburger, für den es bereits die dritte Relegation in Serie ist, zur Halbzeit ausgewechselt. Interimstrainer Willig dürfte sich daher gut überlegen, ob er auch im Rückspiel auf den gebürtigen Nürtinger setzten soll.

6. Mario Gomez sendet Signale

Für Didavi wurde Mario Gomez eingewechselt. Der Altmeister war sofort im Spiel und ließ die Schwaben durch seien Treffer zum 2:1 wieder kurzzeitig auf einen Heimdreier hoffen. Auch danach zeigte sich der Ex-Nationalspieler sehr motiviert und wirkte deutlich spritziger als zuletzt. Fürs Rückspiel dürfte er daher definitiv ein Kandidat für die Startelf sein.


Auch abseits des Rasens ging der 33-Jährige nach dem Remis voran und gab ein sehr kämpferisches Interview. Dabei monierte er die Stimmung nach dem verpatzen Heimsieg und betonte, dass man im Rückspiel den Bock noch immer umstoßen könne. Im Endeffekt wurde Gomez so zu einem der wenigen VfB-Akteure, die ihrer von Willig so häufig geforderten Rolle als Signalspieler gerecht wurden.

7. Fans müssen an einem Strang ziehen

Nach dem verpassten Heimsieg ließen viele Anhänger des VfB in den sozialen Netzwerken und auch im Stadion ihrem Frust freien Lauf und pfiffen die Spieler ob virtuell oder verbal gnadenlos aus. Der Unmut der treuen Anhänger ist dabei mit Sicherheit nachvollziehbar, im Rückspiel täte man aber sehr gut daran, wieder als geschlossene Einheit aufzutreten.


Wer die Stimmung in der Alten Försterei kennt, weiß, dass zwischen Spieler und Fans der Eisernen kein Blatt Papier passt. Der Bundesligist muss sich also auf einen heißen Tanz vorbereiten, bei dem die Gastgeber aufgrund der jetzt sehr guten Ausgangslage aber zum ersten Mal auch etwas zu verlieren haben.