​Zum 76. Mal findet morgen (20.00 Uhr) das Endspiel um den DFB-Pokal statt. Dabei trifft Tradition auf Moderne. Oder das Establishment gegen den neuen Herausforderer. ​FC Bayern vs. ​RB Leipzig. Angesichts der finanziellen Möglichkeiten beider Klubs dürfte es nicht das letzte Finale zwischen diesen beiden Teams in den kommenden Jahren sein. 


Fans, die noch immer in Nostalgie schwelgen und inbrünstig das Lied von den Lederhosen singen, die sie den Bayern irgendwann mal ausziehen möchten, müssen morgen ganz stark sein: der uneingeschränkte Branchenprimus des deutschen Fußballs trifft (in seinem insgesamt 23. Finale) auf den Emporkömmling aus Sachsen, der auch fast auf den Tag zehn Jahre nach seiner Gründung mit Akzeptanzproblemen unter weiten Teilen der hiesigen Fußballgemeinschaft zu kämpfen hat - aber morgen seinen ersten Titel in der Vereinsgeschichte gewinnen kann.

Rein sportlich ist das Spiel von morgen ein Duell auf Augenhöhe. Den direkten Vergleich aus den beiden Aufeinandertreffen der abgelaufenen Liga-Saison haben die Bayern minimal gewonnen (in München siegten sie sieben Minuten vor Schluss durch ein Tor von Ribéry mit 1:0, während es im Rückspiel vor gut zwei Wochen 0:0 endete). 


Zusätzliche Brisanz erhält das Duell natürlich auch wegen der Personalie ​Timo Werner. Hinter vorgehaltener Hand ist der Transfer des Nationalspielers längst beschlossene Sache. Lediglich mit der Kommunikation des Wechsels wollte man bis nach dem Pokalfinale warten. Am Montag könnte es also, aus Leipziger Sicht, zusätzlich zu der sportlichen Niederlage auch noch zum Verlust eines ihrer Identifikationsfiguren kommen. Ausgerechnet an den morgigen Rivalen. 


Doch davon wollen die Leipziger nichts wissen. Vielmehr leben sie dieser Tage den eigenen Glauben daran vor, den großen FC Bayern zu schlagen. Das Finale vom letzten Jahr gibt da die perfekte Vorlage: die Frankfurter Eintracht war vor Jahresfrist der klarere Außenseiter, als es RB morgen sein wird - und gewann am Ende hochverdient mit 3:1.