"Dann ist man auch froh, wenn man sagen kann, dass es endlich vorbei ist", resümierte Huub Stevens vor dem letzten Saisonspiel für ​Schalke 04. Damit fasst er wohl die Gemütslage der meisten S04-Anhänger zusammen, die das ähnlich sehen dürften. Eine Saison zum Vergessen, die vieles kaputt gemacht hat. Nichtsdestotrotz gab es neben den vielen negativen Aspekten auch ein paar positive Highlights.


Gewinner der Saison - die jungen Wilden

Nassim Boujellab

In einer Saison, bei der es schwerfällt, neben dem Derbysieg in Dortmund noch weitere positive Aspekte zu finden, sind es doch die jungen (Nachwuchs-)Spieler gewesen, die von der verkorksten Saison am ehesten haben profitieren können. Wenn nahezu ein gesamtes Kollektiv nicht ansatzweise an sein Können und die vorherigen Leistungen anknüpfen kann, sind es die, die sonst eher im Schatten stehen, die sich beweisen können. Mit Kutucu, Boujellab, Carls und Timotheou haben mehrere Spieler der berühmten Schalker "Knappenschmiede" bzw. aus den Jugend-Teams ihre Profit-Debüts in der Bundesliga feiern können.


Auch wenn Kutucu und Boujellab deutlich häufiger spielten als Carls und Timotheou​, war es erfrischend, wieder einige Eigengewächse auf dem Platz zu sehen. Schlechter als der normale Profi-Kader haben sie ohnehin nicht performt. Das gibt ein wenig Hoffnung für die kommenden Jahre. Auch Alex Nübel kam in dieser Saison zu seinem Durchbruch. Erst Ralf Fährmann aufgrund von Blessuren ersetzt, im Frühjahr dann zur Nummer 1 gemacht worden. Nun soll halb Europa an ihm interessiert sein.


Enttäuschung der Saison - die ganze Mannschaft

Rabbi Matondo

Angefangen mit einer unglücklichen Niederlage am ersten Spieltag in Wolfsburg, zog sich die gesamte Saison bis auf ganz wenige Ausnahmen als eine einzige, große Enttäuschung bis zum 34. Spiel. Schalke wollte mit Tedesco dieses Jahr mehr Fußball "spielen", mit mehr Ballbesitz, eigenen Ideen, und Erfolg. Das Konzept wurde nach fünf Niederlagen zu Beginn über den Haufen geworfen. Der Rest ist Geschichte. 


Neben den katastrophalen Ergebnissen und der quasi auf Glück basierten Art des Spiels war es jedoch die Mannschaft, das Team selbst, was am meisten enttäuschte. Letzte Saison hatte Schalke auch aufgrund der Mentalität Erfolg, die Spieler vertrauten sich und waren im wahrsten Sinne des Wortes ein Team. Von dieser geschlossenen Einheit war rein gar nichts mehr zu sehen. Strafen hier, neue Skandale da. Von häufigen Verspätungen, über allgemeiner Unzuverlässigkeit, bis hin zur alles andere als helfenden Grüppchenbildung - das Team als solches war schlichtweg auseinander gefallen. 


Verlierer der Saison - Bentaleb und Harit

Hamza Mendyl,Omar Mascarell,Nabil Bentaleb

Auch wenn es in diesem Jahr viele Verlierer in den Reihen des S04 gab, stachen zwei doch besonders hervor - doch nicht unbedingt auf die Leistung auf dem Feld bezogen. Amine Harit und Nabil Bentaleb galten im vorherigen Jahr noch als Teil der Zukunft auf Schalke. Junge Spieler, gute Technik auf dem Feld. Auch wenn beide schon im letzten Jahr teilweise durch negatives Verhalten abseits des Feldes auffielen, war es jedoch noch im Rahmen. Doch diese Saison folgte der totale Absturz.


Harit sei (zu) häufig in Casinos und Spielotheken gewesen, kam heraus. Dazu verpasste Sprachkurse und Egoismus-Probleme. Bei Bentaleb ähnlich. Als "Diva" verschrien, zeigte er allerdings auch in dieser Saison immer mal wieder einigermaßen gute Leistungen, dennoch folgten auch bei ihm schnell die Schlagzeilen. Zwei Suspendierungen in die U23 aufgrund von disziplinarischen Fehltritten und dort dann kein Spiel absolviert, angeblich auf eigenen Wunsch. Von zwei Hoffnungsträgern für die S04-Zukunft haben sie sich in dieser Saison zu Spielern entwickelt, die der Verein sehr wahrscheinlich loswerden will. Das wird dann aber nur für Summen funktionieren, die dem fußballerischen Können der beiden nicht gerecht werden. Doppelter Verlust für Schalke.


Newcomer/Durchstarter der Saison - Alexander Nübel 

Alexander Nubel

Auch wenn es in dieser Saison durch die verschiedenen Jugend-Spieler mehrere "Newcomer" im Sinne des Begriffs gab, konnte sich ein noch junger Spieler besonders durchsetzen und fest etablieren. Mit Alexander Nübel hat Schalke eine neue, feste Nummer 1. Nachdem Fährmann in der Hinrunde verletzungsbedingt von Nübel ersetzt werden musste, erfolgte dann zum Rückrunden-Beginn auch der "richtige" Wechsel im Tor. Schnell zeigte er, wieso er als DAS junge deutsche Torwart-Talent gilt. Mit schnellen Reflexen, sicheren Abspielen und Pässen und dazu einem Nervenkostüm, wie es mancher Profi nach 20 Jahren Erfahrung nicht hat, wurde er auch schnell zum Fanliebling.


Die Sprüche der Fans "Bis auf Nübel, könnt ihr alle gehen!" nach so manchem Spiel zeigen auch, dass er oftmals der einzige auf dem Feld war, der Leistung erbrachte. Neben Schalke steht er auch noch für die deutsche U21-Nationalelf im Kasten. ​Auch wenn die vertragliche Situation um Nübel für den Verein alles andere als verheißungsvoll ist, kann man nicht abstreiten, dass der 22-Jährige sich zu einer echten Größe etablieren konnte, die sich wohl so schnell nicht mehr mit dem Platz als zweiter Torwart zufriedengeben wird. 


Überraschung der Saison - Suat Serdar & Daniel Caligiuri

FBL-GER-BUNDESLIGA-AUGSBURG-SCHALKE

Als Suat Serdar im letzten Sommer aus Mainz kam, kannten ihn einige nicht. Dabei spielte er nicht nur schon in der Bundesliga, sondern war auch schon über ein Jahr bei der U21-Nationalmannschaft dabei. Mit erst 22 Jahren hat er noch nicht viel Erfahrung, weder in der Bundesliga, noch in internationalen Wettbewerben. Nachdem die Hinrunde für ihn persönlich auch eher durchwachsen lief, konnte er sich ab Mitte der Rückrunde überraschend stark verbessern und sich einen Stammplatz unter Huub Stevens sichern. Als wichtige Stelle im Zentrum agierte er zuverlässig und konnte in zwei Spielen hintereinander wichtige Treffer beisteuern. Wenn er mindestens so weiter macht, kann er nächste Saison eine wichtige Rolle spielen.

Auch wenn Daniel Caligiuri als Person bzw. Spieler eigentlich keine Überraschung mehr ist, darf man ihn nicht außen vor lassen. Während der Saison ließ er sich, bis auf so manchen kritischen Fehler im Spielaufbau in der Hinrunde, nichts zuschulden kommen. Er agierte gewohnt professionell und zuverlässig, gilt auch auf Schalke als eine wichtige Säule innerhalb des Teams. Mit viel Bundesliga-Erfahrung konnte er auch auf dieser Saison Schalkes Rechtsaußen gut bespielen, wobei auch er in der Rückrunde seiner Form wieder näher kam. Zuletzt stand schon eine Vertragsverlängerung im Raum, für ihn sei Schalke "der erste Ansprechpartner".