​WM-Held Mario Götze hatte es in den letzten Jahren wahrlich nicht leicht. Nach einem eher unglücklich verlaufenem Gastspiel beim ​FC Bayern München, der Rückkehr zu ​Borussia Dortmund und seiner überstandenen Stoffwechselerkrankung hat der 26-Jährige offenbar wieder in die Spur gefunden. In einem Beitrag für das Portal The Players Tribune blickte der Offensivspieler emotional auf diese schwierige Zeit zurück und bedankte sich zudem bei den BVB-Fans.


"Ich war ein Judas, dann ein Held, dann eine Enttäuschung, dann fast raus aus dem Fußball. Und das alles in nur vier Jahren", schreibt Götze in seinem Beitrag mit der Überschrift "Danke", der am Montag veröffentlicht wurde. Der Weltmeister gibt dabei einen emotionalen Einblick in seine Gefühlswelt und berichtet sehr offen über die Höhe- und Tiefpunkte seiner Karriere, die bereits früh eine rasante Entwicklung nahm. 


Im Alter von 17 Jahren feierte Götze sein Profidebüt für den BVB (November 2009 gegen Mainz 05). "Ich werde das nie vergessen. Das erste Mal auf dem Rasen im Westfalenstadion. Das war der Beginn meiner Geschichte", so der 26-Jährige. In der folgenden Saison brachte es das Eigengewächs auf 33 Einsätze in der ​Bundesliga und wurde von vielen Seiten als Jahrhunderttalent gefeiert. Unter dem "herausragenden Trainer" Jürgen Klopp, bei dem Götze vor allem die Persönlichkeit schätzte, durfte der Youngster zwei Meistertitel sowie einen DFB-Pokal-Triumph bejubeln.

​​Kaum verwunderlich war es, dass sich der FC Bayern mit dem Youngster beschäftigte. "Die Bayern hatten mich ein Jahr zuvor angesprochen, und ich habe beschlossen, nicht zu gehen. Aber als Pep Guardiola als neuer Trainer bekanntgegeben und ich erneut angesprochen wurde, wusste ich nicht, was ich tun sollte", erklärt der gebürtige Memminger. "Es ist nichts, was mitten in der Nacht abgewickelt wurde. Es war die härteste Entscheidung meines Lebens, und es dauerte lange." Götze habe damals das Gefühl gehabt, dass er eine Veränderung brauche. "Ich traf die Entscheidung zu gehen und habe die Konsequenzen nicht verstanden."


Besonders unglücklich sei die Bekanntgabe seines Wechsels gewesen. "Zwei Tage bevor wir im Halbfinale der Champions League gegen ​Real Madrid spielten, kam die Nachricht, dass ich im Sommer gehen würde", erklärt der Weltmeister. "Ich weiß nicht, wer die Katze aus dem Sack gelassen hat. Ich war es bestimmt nicht. Das war das letzte, was ich gewollt hätte." 


Götze macht im Beitrag keinen Hehl daraus, dass die folgenden Wochen für ihn und besonders für seine Familie alles andere als einfach waren: "Fußball ist für viele Menschen mehr als ein Spiel. Aber zu der Zeit war es schockierend. Die Pfiffe und Banner von unseren eigenen Fans." Mittlerweile könne er die Reaktion der BVB-Anhänger verstehen.

Mario Goetze

Trug drei Jahre lang das Trikot des FC Bayern München: Mario Götze



Obwohl der 63-fache Nationalspieler in München nie wirklich glücklich wurde, "fällt es mir schwer zu sagen, dass es ein Fehler war, zum FC Bayern zu gehen, weil ich von Pep unglaublich viel über Fußball gelernt habe", so Götze, der nach seiner ersten Saison beim deutschen Rekordmeister zum großen WM-Held wurde. An die Weltmeisterschaft in Brasilien hat der 26-Jährige allerdings auch viele schlechte Erinnerungen. 


"Vor dem Finale war ich sehr deprimiert"


"Das Leben ist seltsam. Die Leute reden über diese Weltmeisterschaft und mein Tor im Finale, und ich denke, sie vergessen, wie beschissen dieses Turnier für mich bis zum Schluss war", wird der Rechtsfuß von der Deutschen Presse-Agentur zitiert. Das BVB-Eigengewächs war mit seinen Einsatzzeiten alles andere als zufrieden. "Ich wünschte, ich könnte sagen, dass ich reif war, aber ich war wahrscheinlich der traurigste, der ich jemals in meinem Leben war. Ich konnte nichts Positives daran finden. Vor dem Finale war ich sehr deprimiert. Ich war auf dem Tiefpunkt und drei Tage später bin ich plötzlich der Held", betont der Offensivspieler, der im Sommer 2016 zum BVB zurückkehrte. 

Mario Goetze

Mario Götze bejubelt seinen Finaltreffer gegen Argentinien



"In einer Zeit, als es mir nicht gut gegangen ist, war der Wechsel zurück nach Dortmund die beste Entscheidung gewesen, die ich getroffen habe", erklärt Götze, der es an seiner alten Wirkungsstätte zunächst nicht einfach hatte. Im Februar 2017 wurde beim Rückkehrer eine Stoffwechselerkrankung diagnostiziert. "Ich war müde und mein Körper fühlte sich an, als würde ich zusammenbrechen", schreibt der Weltmeister. Die lange Pause nutzte der Angreifer auch dazu, um die vielen Ereignisse in seiner Karriere zu verarbeiten. 


In der abgelaufenen Saison war Götze nach einigen Anlaufschwierigkeiten auf dem besten Weg, wieder zu alter Stärke zurückzufinden. Nach der Winterpause zählte der Rechtsfuß zum Stammpersonal und lieferte meist überzeugende Vorstellungen ab. In 26 Ligaspielen war der Ex-Münchner an 14 Treffern (sieben Tore/sieben Vorlagen) direkt beteiligt. Dem 26-Jährigen hilft sicherlich auch, dass ein Großteil der BVB-Fans wieder hinter ihm steht, wofür sich der WM-Held in seinem Beitrag bedankte.