Die Entwicklung von Tottenham Hotspur hängt mit einem ganz speziellen Namen zusammen: Mauricio Pochettino. Der Argentinier, der 2014 vom FC Southampton zu den Spurs wechselte, entpuppte sich als Glücksgriff für Klubbesitzer Daniel Levy. Doch gegenüber dem Independent erklärte der Trainer nun, dass er seinen bis 2023 gültigen Vertrag nicht einfach so erfüllen wird - stattdessen fordert er eine klare Vision für die Zukunft.


Die ​Champions League ist für Tottenham eine Art Neuland. Am damaligen Europapokal der Landesmeister nahmen die Spurs einzig in der Saison 1961/62 teil, fast 40 Jahre später gelang unter Harry Redknapp der erstmalige Einzug in die heutige Königsklasse. Unter Mauricio Pochettino aber war der Klub in dieser Saison bereits zum dritten Mal in Serie dabei. Die Bilanz seit der Rückkehr: Aus in der Gruppenphase (16/17), Aus im Achtelfinale (17/18) und nun der Einzug ins Endspiel von Madrid.

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  Nach einem dramatischen Halbfinale gegen Ajax Amsterdam feierte Mauricio Pochettino (l.) mit seinen Spielern den Einzug ins Champions-League-Finale



Redknapp führte die Spurs an die Top Vier ran, Pochettino hat sie nach einem fünften Tabellenplatz in seiner Debütsaison dort etabliert. Zwei Mal feierte die Mannschaft Platz drei, in der Saison 2016/17 wurde sie mit nur vier Niederlagen Vizemeister. Vor dem letzten Spieltag liegt Tottenham auf Rang vier, die Champions League ist wieder einmal zum Greifen nah.


Im Vergleich zur Konkurrenz hat der Verein weniger investiert als der FC Liverpool oder Manchester City, gleichzeitig aber auch durch etliche Spielerverkäufe dafür gesorgt, dass ein Transferminus - wenn überhaupt - nicht allzu groß ausfiel. Daniel Levy investiert sein Geld, so mag es den Anschein haben, effizienter als die Konkurrenz - denn unter Pochettino entsteht eine waschechte Einheit, die bereit seit Jahren miteinander spielt. Unter der Leitung des 47-Jährigen mauserte sich Tottenham, das nach langer Wartezeit wieder im eigenen Stadion spielen darf, zu einem echten Spitzenverein. Das Interesse am Trainer ist groß, viele Klubs - darunter auch der FC Bayern - werden mit Pochettino in Verbindung gebracht. Wie der Macher nun erklärte, ist er für alles offen, was die Zukunft bereithält.


Pochettino braucht eine klare Vision


Ob er bei Tottenham bleibt, ein Sabbatjahr einlegt oder sofort bei einem neuen Klub anheuert - festlegen will er sich nur in einem Punkt: "Wofür ich nicht offen bin, ist ein neues Kapitel ohne Plan oder klarer Idee zu starten, ohne transparent zu sein und unseren Fans zu sagen, was unsere nächsten Ziele sind. Bis jetzt war es so klar, dass die Priorität auf all dem lag, worüber wir vorher gesprochen haben."

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  Die Tottenham Hotspur sollen auf die nächste Stufe gehoben werden. Für Pochettino stellt sich dabei die Frage: Wie soll er dieses Ziel konkret erreichen?



Umso wichtiger ist ihm dies auch im Bezug auf einen Verbleib bei den Nord-Londonern. Er liebe die tägliche Arbeit bei den Spurs, für die bisherige Zeit sei er "sehr dankbar." Nun aber brauche er ein neues Ziel, um den Klub weiter nach oben zu bringen: "Ich muss wissen, was wir erreichen wollen oder wofür wir kämpfen wollen. Und dann, wer beurteilen wird, ob die Werkzeuge, die wir haben, genügen, um zu erreichen, was wir erreichen wollen."

​Wer wie über die Mannschaft urteilt, wer den neuen Plan erstellt, was die Ziele sind und wie man diese erreichen will - all dies seien Fragen, die in den kommenden Tagen und Wochen geklärt werden müssen, so Pochettino, der weiß: "
Wenn wir erwarten, in jeder Saison im Champions-League-Finale zu stehen, weil es unser Plan wäre, müssen wir einen neuen erstellen. Wenn wir glauben, dass wir auf die selbe Art und Weise wie in den vergangenen fünf Jahren in jeder Saison das Finale der Champions League erreichen werden, jede Saison in den Top Vier stehen und Projekte wie Liverpool, Manchester City oder Manchester United herausfordern können, sind wir, denke ich, sehr naiv."


Er wolle stets etwas "Spezielles" kreieren, Tottenham habe ihm diese Möglichkeit gegeben. "Die gesamte Geschichte, die wir in den letzten fünf Jahren geschrieben haben, ist herausragend", schwärmt Pochettino, der nun Klarheit über die Zukunft des Vereins haben will - ansonsten heuert er womöglich bei einem neuen Klub an: "Jetzt geht es darum, wie wir mit der Zukunft umgehen. Das ist der Schlüssel."