Mit dem müden 0:0 gegen den ​FC Augsburg konnte ​Schalke den Klassenerhalt am 32. Spieltag auch rechnerisch fix machen. Am Ende einer Saison, die alle Schalker wohl am liebsten aus ihrem Gedächtnis löschen würden, steht der Verein (mal wieder) vor einem Neuanfang. Damit sich der Revierclub wieder festigen und eine weitere Katastrophen-Saison vermeiden kann, ist viel Arbeit vonnöten. Doch an welchen Stellen müssen die Verantwortlichen nun am dringendsten ansetzen?


Nach der Vizemeisterschaft in der letzten Saison unter dem neuen, bis dahin unbekannten Trainer Domenico Tedesco schien Schalke einen wichtigen Schritt in Richtung Stabilität gemacht zu haben. Die Mannschaft agierte als gefestigtes Team, die Kombination Heidel-Tedesco schien zu passen, der Erfolg war da. Es gab sogar eine vorzeitige Vertragsverlängerung für den Coach. Man schien dem Wunsch nach langfristiger Arbeit endlich einen Schritt näher gekommen zu sein. Womöglich täuschte der frühe (zu frühe?) Erfolg der Saison.


Zum Ende der Spielzeit 2018/2019 steht Schalke 04 ein weiteres Mal vor einem Scherbenhaufen. Manager Heidel trat nach der 3:0-Niederlage in ​Mainz (welch Ironie...) Ende Februar zurück, sein Nachfolger Jochen Schneider musste wenige Wochen später auch Tedesco entlassen, um den völligen Abrutsch auf die Abstiegsplätze zu vermeiden. Auch wenn der Klassenerhalt jetzt sicher ist, der Verein ist es nicht. Die Posten des Trainers, des Sportdirektors und des Technischen Direktors bzw. des Kaderplaners sind allesamt (zumindest offiziell) nicht besetzt. Die Mannschaft ist keine geschlossene Einheit, und das Budget ist knapp. Stabilität ist wieder zu einem Fremdwort geworden.


Wie so häufig: Kontinuität ist das Ziel


Eigentlich ist es allen klar: Kontinuität ist das Stichwort, wenn es um langfristigen Erfolg und Stabilität geht. Und das bei weitem nicht nur auf dem Trainerposten. Schalke muss sich endlich klar werden, wer sie sind und was sie wollen. Als (noch?) stolzer e.V. wird man in Zukunft keine großen Sprünge in finanziellen Bereichen machen können, das ist klar. ​Doch der wichtigste Schritt liegt noch darüber: Der Verein braucht eine klare Philosophie, die von allen Verantwortlichen - das heißt vom Aufsichtsrat, über die sportlichen Leiter, bis hin zum Platzwart - im Sinne des Klubs und der Fans getragen und verfolgt wird. 

Jochen Schneider

Jochen Schneider soll den Revierklub wieder in ruhige Fahrwasser bringen



Diese Philosophie, welche das auf Schalke dann auch sein mag bzw. werden sollte, ist in allen Bereichen eines professionellen Fußballvereins notwendig, und muss auch Einfluss auf die Frage nach Trainer und Transfers haben. Wenn Schalke sich wieder langfristig unter den Top-Sechs der Bundesliga etablieren, regelmäßig auf europäischer Ebene vertreten sein und nicht in einen Schlingerkurs der erfolgsmäßigen Beliebigkeit wiederfinden will, muss nun die Frage geklärt werden: Wofür wollen wir stehen?


Diese Frage muss auch den Fußball mit einbeziehen, den die Königsblauen spielen wollen. Jochen Schneider wurde auf seiner Antritts-Pressekonferenz auch danach gefragt. Er ließ durchblicken, dass er ein Freund des schnellen, offensiven Spiels sei, so wie es auch sein vorheriger Arbeitgeber aus Leipzig interpretiert. Angefangen beim Aufsichtsrat, muss dann Schneider vertraut werden, wenn er diesen Weg und damit verbundenen Umbruch einleiten will. Dieser Grundgedanke muss sich folgerichtig auch in den Posten des Trainers (​David Wagner gilt als fast sicherer Kandidat), des Kaderplaners und des Sportdirektors wiederfinden. Schneider soll gestern seine Kandidaten dafür im zuständigen Gremium vorgestellt haben, und ​sei dabei zum Teil auf Widerstand gestoßen


Quo vadis, Schalke?


Schon zur neuen Saison wird der erste Schritt, also die neuen Personalien, ein elementarer Bestandteil der neuen Richtung sein. Schneider wird seinen eigenen Plan, Schalke zu stärken und zu gestalten, umsetzen wollen. Auch auf den Kader ​muss eine vereinseigene Philosophie Einfluss haben. Bestimmte Spielertypen werden notwendig sein, das Scouting muss qualitativ und quantitativ stimmen, und die Umsetzung dessen ohnehin.


Doch bevor man in Gelsenkirchen also anfängt, direkt den zurzeit bestmöglichen Trainer zu suchen, der den S04 schnell wieder nach Europa bringen soll, müssen grundlegende Aspekte geklärt werden. Wenn die gemeinsame Richtung, der gemeinsame Plan und die gemeinsame Philosophie die verfolgt und umgesetzt werden soll, von allen Beteiligten geklärt ist, dann beginnt die große, langfristige Arbeit erst. Erst dann wird ein Manager, ein Trainer, ein Team auf Schalke über längere Zeiträume zusammen arbeiten können. Erst dann wird Stabilität wieder zum Wortschatz gehören, und erst dann wird sich auf einem gemeinsamen Grundbau der kontinuierliche Erfolg einstellen können. 


Nun liegt es an Jochen Schneider, dies anzustoßen. Er hat also viele, sehr große Dinge zu klären auf Schalke. Dennoch: Der Verein muss sich grundlegend auf einen Weg einigen. Das wird vermutlich diese Woche mit den ersten Personalien beginnen, die für kommende Saison angekündigt werden.