Er ist eine der schillerndsten Figuren im Trainer-Karussell des Weltfußballs: Marcelo Bielsa (63), allgemein bekannt unter dem scheinbar wenig schmeichelhaften Spitznamen "El loco" - der Verrückte. Wie verrückt er mitunter sein, hat er an diesem Wochenende wieder unter Beweis gestellt. 


Es lief die 72. Minute im Championship-Spitzenspiel zwischen Leeds United und Aston Villa. Villa-Spieler Jonathan Kodija liegt verletzt am Boden, seine Kollegen unterbrechen das Spiel in der Annahme, dass die Leeds-Spieler den Ball ins Aus schießen werden. Man ist schließlich in England, dem Mutterland des Fair-Play. 


Doch gehen sie mit ihrer Annahme fehl. Im Gegenteil: die Heimmannschaft denkt gar nicht daran, das Spiel zu unterbrechen und erzielt aus dem numerischen Vorteil heraus tatsächlich ein Tor. 1:0 für Leeds United!


Die Folgen sind dieselben, wie überall auf der Welt: Rudelbildung, entrüstete Villa-Spieler fordern vehement eine Erklärung von ihren Kollegen, es kommt sogar zu einem Platzverweis wegen einer angeblichen Tätlichkeit - kurz: das Spiel ist auf dem emotionalen Siedepunkt. 

Doch auch einem Vertreter der Heimmannschaft ist dieses Tor sauer aufgestoßen: dem Trainer himself, Marcelo Bielsa. 


Und was macht der "Verrückte", den Trainergrößen wie Diego Simeone und ​Pep Guardiola als ihren "wichtigsten Einfluß" während ihrer Karriere bezeichnen? Er weist seine Spieler an, dem Gegner im Gegenzug und als Ausgleich zu der Unsportlichkeit einen Treffer zu schenken. Ja, schenken, denn anders kann man es nicht nennen: beim Wiederanstoß bilden dann auch die meisten der Leeds-Spieler eine Gasse und greifen die ballführenden Villains nicht an, bis die ihrerseits ein Tor erzielt haben. (Nur Pontus Jansson hatte noch versucht, den Gegner am Torerfolg zu hindern). 

Zwar hat es derartige Aktionen auch schon in anderen Ligen gegeben, genauso wie absichtlich verschossene Elfmeter, ist aber in Zeiten eines immer gnadenloseren Wettkampfs um Punkte und Titel durchaus eine lobenswerte Aktion. Wären doch nur alle so verrückt wie "El loco". ​