​Nach drei Niederlagen in Folge ist die Erfolgswelle in ​Bremen erst einmal wieder abgeebbt. Sich in den letzten drei Saisonspielen noch für Europa zu qualifizieren, wird wohl sehr schwer. Trotzdem kann man bei Werder hoffnungsvoll in die Zukunft blicken, denn diese Saison bildet eine gute Grundlage für die nächsten Jahre. Auch ohne Europa gibt es also keinen Grund zu verzweifeln.


In den letzten drei Wochen dieser Saison hat der SV Werder Bremen ein echtes Mammut-Programm vor der Brust. Mit ​Borussia Dortmund, der ​TSG Hoffenheim und ​RB ​Leipzig warten noch drei Europa-Aspiranten auf die Grün-Weißen. Sich selbst noch irgendwie unter die Top-Sieben der ​Liga zu spielen, scheint daher schon fast unmöglich. Trotzdem kann Werder auf eine gute Saison zurückschauen, auf die man in den nächsten Jahren gut aufbauen kann.


Die Mannschaft hat sich im Sommer grundlegend verändert. Für die erste komplette Saison unter Florian Kohfeldt wurde viel Geld in die Hand genommen, um Spieler wie Davy Klaassen oder Yuya Osako zu verpflichten. Dazu bekamen Talente immer mehr Spielzeit, sodass ein Johannes Eggestein oder Milos Veljkovic nun zum festen Teil der Mannschaft gehören. Das Saison-Ziel Europa war vielleicht etwas zu hoch gegriffen.


Die Mannschaft wurde immer reifer


Doch die Mannschaft zeigte lange, dass auch der internationale Wettbewerb erreichbar ist. Nach einem hervorragenden Start in die Saison, verlor man aber etwas an Spielwitz und Selbstvertrauen, was sich vor allem im zweiten Teil der Hinserie bemerkbar machte. Sicherlich trägt da auch das Hammer-Programm einen Teil zu bei, doch mit jeder Niederlage stand der Lernprozess im Vordergrund.


In der Rückrunde erholte man sich wieder prächtig und schien erneut auf klarem Europa-Kurs zu liegen. Zeitweise spielten die Werderaner furios auf und gehörten zu den formstärksten Teams Europas. Jedes Spiel ließ die Mannschaft fester zusammenwachsen und so bildete sich zum Ende der Saison hin ein fester Kern, mit Spielern die zu jedem Zeitpunkt für den anderen einstehen.

Max Kruse,Johannes Eggestein,Maximilian Eggestein,Milot Rashica

In dieser Saison konnte Bremen schon oft jubeln


Die sehr gute Stimmung verhalf Bremen auch zum Einzug ins DFB-Pokal-Halbfinale. Mit aufopferungsvollem Kampf wollte man sich auch dort nicht geschlagen geben, scheiterte aber letztlich bitter am ​FC Bayern München. Von diesem Dämpfer scheint man sich noch nicht vollends erholt zu haben, doch für die komplette Mannschaft gilt immer noch der Blick nach vorne. 


Auch wenn es in dieser Saison nicht mehr klappt mit Europa, so kann man doch mit noch mehr Hoffnungen in die nächste Spielzeit gehen. Denn die Mannschaft wurde reifer und spielte sich nach dem Wandel im Sommer immer besser ein. Dazu kommt, dass der Kader im Vergleich zu anderen Spielzeiten vielleicht nicht mit vielen, herben Verlusten zu kämpfen hat. Vor allem die Vertragsverlängerungen mit zwei Spielern lassen viele Werder-Fans träumen.


Eggestein-Brüder symbolisch für neue Werder-Generation


In Bremen reift nämlich so langsam eine goldene Ära heran. Der Großteil der Spieler im Kader des SVW sind zwischen 20 und 28 Jahre alt. Vor allem die Eggestein-Brüder aus dem eigenen Nachwuchs, gelten als Riesen-Talente. Mit beiden Spielern konnte man die Verträge verlängern, ein wichtiges Fundament für die Zukunft wurde also geschaffen. Dazu kommen Akteure wie Milot Rashica, Jiri Pavlenka oder Klaassen, die sich schon als absolute Stammkräfte etabliert haben.


Allein die Personalie Max Kruse macht Werder momentan noch zu schaffen. Der Kapitän und gleichzeitige Top-Scorer wäre nur noch bis zum Sommer an Werder gebunden. Mit einer Verlängerung liebäugelte Kruse schon länger, das europäische Geschäft wäre da allerdings ein wichtiges Kriterium gewesen. Sollte man Kruse also trotz des Verpassens der Europa League halten können, dann würde Werder mit einem unfassbar guten Kader in die nächste Saison gehen - der hier und da noch verstärkt werden könnte.

Maximilian Eggestein,Johannes Eggestein

Werders Eggestein-Brüder stehen symbolisch für eine vielleicht goldene Zukunft


Die Mischung passt also, der Kader ist ausgewogen und könnte für die folgende Saison nahezu unverändert erhalten bleiben. Hinzu kommt mit Florian Kohfeldt ein Trainer, der erst kürzlich als Trainer des Jahres ausgezeichnet wurde und in Bremen noch so viel vor hat. Seine Leidenschaft und Individualität passen perfekt in die Bremen Philosophie. Der Verein ist auch durch den Pokal endlich wieder finanziell stabil und kann immer mit der vollen Unterstützung der Fans rechnen.


Die nächste Saison könnte also ein Durchbruch in der jahrelangen Werder-Tristesse werden. Natürlich steht auf der anderen Seite auch das Risiko, wieder nur eine durchschnittliche Saison im Mittelfeld zu spielen. Wer die Bremer in dieser Saison allerdings gesehen hat, weiß, dass man so schnell nicht aufgibt. Kampf, Leidenschaft und Erfolgshunger - die Bremer sind schon jetzt bestens für die nächste Saison gewappnet.