Im Fußball-Geschäft hört man immer öfter von den ganz großen Millionen-Transfers. Dabei wechseln Welt-Stars für teils riesige Geldsummen den Verein. Doch welche Schritte benötigt eigentlich der perfekte Transfer? Wir zeigen euch, wie ein Wechsel im Profi-Fußball aussieht.


1. Scouting und Kontaktaufnahme


Ein Transfer kann von jedem Verein angefragt oder antizipiert werden. Sucht ein Verein zum Beispiel einen neuen Spieler, so kann er durch Scouts für eine Weile beobachtet werden. Passt er in das nötige Profil, dann ist es möglich, Kontakt zu dem Spieler und seinem Berater aufzunehmen. Dabei wägt man zunächst ab, ob ein beiderseitiges Interesse bestehen würde, damit wäre der erste Schritt für einen möglichen Transfer gemacht.

Croatia Field Scouting - FIFA World Cup Russia 2018

Vereine können durch Scouts mögliche Neuzugänge im Training oder bei Spielen beobachten


Doch auch umgekehrt ist eine Kontaktaufnahme möglich, sucht nämlich ein Spieler einen neuen und anderen Verein. Wenn ein Akteur keine Perspektive mehr bei seinem jetzigen Klub sieht, können sich er und sein Berater über den Wechselwunsch austauschen. Bevor man sich dann nach einem potentiellen Abnehmer umschaut, gilt es vorher, sich mit dem Verein über die bestimmten Konditionen im Klaren zu sein.


2. Verhandlungen zwischen dem Spieler und dem interessierten Verein


​Wenn sich ein aufnehmender Verein für einen Spieler gefunden hat, kommt es meistens zuerst zu Gesprächen zwischen dem interessierten Verein und dem Berater des Spielers. Der abgebende Verein spielt in diesen Verhandlungen noch keine Rolle. Meistens wird zu diesem Zeitpunkt über den wirtschaftlichen Aspekt verhandelt, also über das Gehalt eines Spielers. Doch auch die sportliche Perspektive, in Form von Spielzeit, kann bei diesen Gesprächen diskutiert werden.


Dabei sind meistens Berater und Anwälte am Tisch, um über die Sachen ihres Vereins beziehungsweise Spielers zu diskutieren. Oftmals scheitert ein Wechsel schon in dieser Phase der Verhandlungen an den Gehaltsvorstellungen der jeweiligen Partei. Findet sich dabei keine Übereinstimmung, enden die meisten Gespräche schon an diesem Punkt.


Zu beachten ist auch, dass ein Spieler meistens nicht an diesen Gesprächen teilnehmen darf. Die Regularien der FIFA besagen, dass der Akteur nur an den Verhandlungen teilnehmen darf, wenn er nicht noch länger als sechs Monate bei seinem aktuellen Verein unter Vertrag steht. Aus diesem Grund liegt die meiste Verantwortung bei dem Berater des Spielers.


3. Verhandlungen zwischen aufnehmendem und abgebendem Verein


Wenn dieser Schritt erfolgreich war, schaltet sich nun auch der abgebende Verein ein. Wenn mit dem Spieler also alles abgeklärt ist, geht es vor allem um die Ablösesumme. Die beiden Vereine müssen dabei auf ein und den selben Nenner kommen, damit überhaupt ein Transfer in Frage kommen kann.


Allerdings kann man die Gespräche um die Ablösesumme auch umgehen, wenn einer von zwei ​Faktoren zutrifft. Entweder läuft der Vertrag des Spielers bei dem abgebenden Verein bis zum Wechsel aus, dann darf er ablösefrei den Verein wechseln. Andererseits ist aber auch eine Klausel im Arbeitspapier des Spielers möglicherweise entscheidend.


Besitzt ein Spieler nämlich eine Ausstiegsklausel, dann wurde schon bei der Unterzeichnung des Vertrags bei seinem alten Verein eine bestimmte Summe festgelegt, die ein aufnehmender Verein bei einem Transfer bezahlen müsste. Sollte der interessierte Klub dieser Klausel zustimmen, kann der abgebende Verein einen Wechsel nicht mehr aufhalten. 


4. Der Medizincheck


​Wenn alle Verhandlungen erfolgreich waren, dann kann der Spieler zum ersten Mal direkt mit dem neuen Verein arbeiten. Allerdings beschränkt sich dies nur auf eine medizinische Untersuchung. Der aufnehmende Verein muss nämlich sicher stellen, dass der Spieler absolut fit ist, oder eben in der Verfassung ist, wie es im Vertrag festgesetzt ist. 

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Jeder Spieler muss sich vor einem Transfer einem Medizincheck unterziehen


So kann natürlich auch ein momentan noch verletzter Spieler transferiert werden. Sollte sich bei dem Medizincheck aber eine Verletzung finden, die vorher noch nicht bekannt war, dann könnte ein Transfer an dieser Stelle platzen. Oftmals gibt die Untersuchung aber vor allem einen Einblick auf den momentanen Fitness-Zustand des Spielers.


5. Die Eintragung ins FIFA TMS


Das TMS ist ein Online-Portal der FIFA, in dem jeder Verein sämtliche Transfers eintragen muss. Seit 2010 gibt es diese Regel um vor allem internationale Transfers transparenter zu machen und um möglichem Fehlverhalten der Klubs entgegenzuwirken. Dabei muss der Klub den Wechsel nur online bestätigen.


Dieser Vorgang kann aber ein paar Tage in Anspruch nehmen. So kann es vorkommen, dass ein Verein erst kurz vor dem Ende des Transferfensters den Wechsel bestätigen wollte. Durch das Eintragen ins TMS geht allerdings wichtige Zeit verloren und so platzt manchmal der ein oder andere Transfer. Ein Spieler-Wechsel nach dem Ende des Transferfensters ist nämlich nicht mehr möglich.


6. Die Vertragsunterzeichnung

Als letzter Schritt ist nur noch die Unterzeichnung des Vertrags von Nöten. Dies gilt als offizieller Abschluss, nachdem die FIFA den Transfer abgesegnet hat. Zwar sind alle Konditionen des Arbeitspapiers vorher schon ausgehandelt und unter den einzelnen Parteien bekannt, doch erst nach der Unterschrift ist der Vertrag auch wirksam.

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Die Vertragsunterzeichnung ist der Höhepunkt eines Transfers


An diesem Zeitpunkt werden die meisten Wechsel öffentlich gemacht, denn einen Transfer vor der Unterzeichnung anzukündigen ist wegen vielen Hürden oft riskant. Wenn allerdings alles wie vorgeschrieben abläuft, ist ein perfekter Wechsel abgeschlossen. Denn nur wenn alle Schritte regelkonform ablaufen, ist ein Transfer offiziell und gültig.