3:2 gewann der ​FC Bayern München das DFB-Pokal-Halbfinale gegen den ​SV Werder Bremen. Doch so wirklich ausgelassen kann man sich als FCB-Anhänger nicht über den Sieg freuen, denn ein strittiger Elfmeterpfiff bescherte den Münchnern den entscheidenden Strafstoß, der das Tor zum Finale öffnete.


73 Minuten lang war die Welt als Bayern-Fan in Ordnung. Nach einem Müller-Kopfball in absoluter Müller-Manier aus spitzestem Winkel an den Pfosten staubte Lewandowski den Abpraller zum 1:0 in die Maschen ab. In der 63. Spielminute war es Leon Goretzka, dem ein Schuss aus der zweiten Reihe missglückte und den wiederum Müller in seiner Einzigartigkeit annahm und im Fallen ins Tor setzte. "2:0, Berlin wir kommen, Dankeschön", dachte sich der Großteil der Münchner Fangemeinde. Aber so kam es zunächst nicht. Die Bremer, die vor allem in der ersten Halbzeit phasenweise das bessere Team waren und die Bayern vor große Probleme stellten, steckten wider Erwarten nicht auf. So schossen Osako (74.) und Rashica (75.) innerhalb von zwei Minuten zwei Treffer und bescherten den Hanseaten damit das zwischenzeitliche 2:2.


Doch dann lief die entscheidende Szene des Spiels: Kingsley Coman zog von seiner linken Außenbahn in den Strafraum, Gebre Selassie klebte dabei an ihm dran. Der Franzose legte sich den Ball etwas zu weit vor, bekam einen leichten Rempler seines Gegenspielers ab und kam zu Fall. Schiedsrichter Daniel Siebert zeigte auf den Punkt und selbst der Videoassistent griff zur Verwunderung aller Zuschauer nicht ein. Lewandowski trat an und verwandelte den Elfmeter eiskalt zum 3:2-Endstand.


Die Stimmen zum Spiel


Max Kruse fand deutliche Worte zu der Strafstoßentscheidung. „Das ist lächerlich. Wozu haben wir den Videobeweis? Also, das ist halt ein ganz leichter Kontakt, oh Gott, ey! Ich brauch nichts mehr sagen. Die Argumentation vom Schiri hat mir schon gereicht. Wir haben einen Videobeweis, wenn man das nicht sieht, dann können wir den auch abschaffen", beschwerte sich der Bremer Kapitän nach der Partie lautstark. „Natürlich ist der Pfiff brutal. Aber ganz deutlich: Bayern hat sich das verdient. Das jetzt hier zu reduzieren auf einen Bayern-Bonus, das will ich nicht, das wird auch uns nicht gerecht. Das ist Quatsch", analysierte Trainer Florian Kohlfeld die Situation etwas nüchterner. Kevin Möhlwald sah das Spiel trotzdem positiv: „Ich bin stolz auf unsere Mannschaft. Es schaffen nicht viele, nach 0:2 gegen die Bayern zurückzukommen. Wenn der Schiedsrichter meint, dass es Elfmeter ist, dann ist das so, da brauchen wir ihn nicht zu kritisieren. Das war heute Gänsehaut pur, wir haben das auf den Platz getragen.“


Der Bayern-Block sah die Entscheidung anders als Kruse und Kohlfeld. "Ich sehe es nicht nur durch die Bayern-Brille als Elfmeter. Der Kingsley ist vorbei und Gebre Selassie hat aus meiner Sicht dann einen Tick zu viel gemacht. Ich kann verstehen, dass immer diskutiert wird, wenn die Entscheidung in so einem packenden Spiel durch einen Elfmeter fällt", meinte Thomas Müller und auch Nico Kovac fand den Pfiff grundsätzlich vertretbar: "Ob man das pfeifen muss oder nicht, sei mal dahingestellt. Der Schiri hat es so gesehen und aus dem Keller kam nichts. Von daher ist es ein Elfmeter."


Selbst als Bayern-Fan ist klar: Die Entscheidung ist zu hart


Der Bremer Zorn ist absolut nachvollziehbar und als Bayern-Fan hätte man hoffen müssen, dass Müller und Kovac den Pfiff noch nicht über die Fernsehbildschirme gesehen haben (hatten sie aber) - denn dort ist ganz eindeutig zu sehen: die Entscheidung ist zu hart. Der allgemeine FCB-Anhänger nimmt den Sieg natürlich gerne mit, doch stellt sich die Frage, hätte man nicht lieber ehrenhaft verloren, als mit solch einem Elfmeter? Die Häme ist in jedem Fall garantiert und wird nicht besser, dadurch dass Thomas Müller vor Kurzem noch betonte, er würde einen Elfmeter der keiner ist neben das Tor schießen, um nun wieder von einem klaren Elfmeter zu sprechen.


Auch das ein 2:0 leichtfertig her geschenkt wird, ist bezeichnend für die aktuelle Saison und gibt nicht gerade das nötige Selbstbewusstsein für den entscheidenden Saisonabschluss, wo es gegen den BVB um die Meisterschaft geht.


Also nochmal von Anfang: Bis zur 73. Minute war die Welt als FCB-Fan in Ordnung, doch dann lief alles falsch, was falsch laufen konnte, um mit dem schlechtesten Gefühl als Sieger aus dem Spiel zu gehen.