​Als ​Milot Rashica (22) in der 75. Minute, gerade einmal 67 Sekunden nach dem ebenfalls durch ihn vorbereiteten Anschlusstreffer zum 1:2, der Ausgleich gegen die Bayern gelang, glich der Torjubelschrei der gut 40.000 Bremer Fans einem Vulkanausbruch. Da war es wieder, dieses frenetische Werder-Feeling bei ​Flutlichtspielen an der Weser. Dieses Gefühl, dass alles möglich ist. Auch gegen die Bayern. Am Ende sorgte ein zweifelhafter Elfmeter für das bittere Pokalaus. 


Raus mit Applaus. Das haben die Bremer im diesjährigen Pokalwettbewerb mit ihrem ungeliebten Rivalen aus Hamburg gemein. Doch wer genau hingeschaut hat, hat gesehen, dass die Kluft zwischen dem HSV und RB Leipzig momentan um einiges größer ist, als die zwischen dem ​FC Bayern und ​Werder Bremen


Ja, man kann es so sagen: die Bayern haben sich am Ende ein wenig durchgemogelt durch dieses Semifinale. Und das obwohl sie ergebnistechnisch alles im Griff hatten: kommode 2:0-Führung eine gute Viertelstunde vor Schluss - was sollte da denn noch passieren? 

Florian Kohfeldt

SVW-Coach Florian Kohfeldt war fassungslos über den Elfmeterpfiff


Doch dieser von Florian Kohfeldt (36) trainierte SV Werder erarbeitet sich Woche für Woche den alten Werder-Nimbus zurück. So sehr, dass zwischen den Zeilen der Hoeneß´schen Lobrede auf den Werder-Coach durchaus mehr reinzuinterpretieren ist, als eine simple kollegiale Anerkennung. Zu einem gepflegten Spielstil ist seit seiner Ankunft auch endlich wieder die Begeisterung in das Team zurückgekommen. 


Begeisterung, die die Grundlage für alles Weitere ist. Und Grundvoraussetzung, um sich bei einem 0:2-Rückstand gegen den nationalen Branchenprimus eben nicht der vermeintlichen Niederlage zu beugen, sondern alles zu versuchen, um das Spiel noch mal zu drehen. Greifen dann über einen längeren Zeitraum beherzte Auftritte und die gewünschten Resultate ineinander, ergibt sich eine Eigendynamik, mit deren Wucht auch vermeintlich übermächtige Rivalen bezwungen werden können (siehe DFB-Pokalviertelfinale beim BVB, siehe gestern Abend). 


Natürlich ist der Tag nach einem Ausscheiden bitter. Zumal der entscheidende Dolchstoß in Form eines mehr als diskutierbaren Foulelfmeters daher kam. Wäre der nicht gepfiffen worden, würden wir vielleicht heute über ein Pokalfinale zwischen RB Leipzig und Werder Bremen sprechen. Dennoch sollte man sich an der Weser nicht sonderlich grämen, und sich der noch nicht allzu lang zurückliegenden Zeiten erinnern, in denen es sportlich nicht so vielversprechend wie aktuell aussah. Seitdem ist der SVW beharrlich und unaufgeregt seinen Weg gegangen, der auch mit dem gestrigen Aus ganz sicher noch lange nicht zu Ende ist.