Die Transfergerüchte um Mittelfeldspieler Charles Aranguiz lassen momentan die Fans von Bayer 04 Leverkusen zittern. Geht er? Bleibt er? Verlängert er? Aranguiz selber hält sich mit aussagekräftigen Statements noch zurück, macht aus seinen Überlegungen jedoch keinen Hehl. Der Ausgang der Gerüchte scheint offen.


Als Leverkusen-Fan ist man es gewohnt, dass (junge) Spieler nach einigen Jahren unter dem Bayerkreuz die Stadt und den Verein verlassen, um sich weiterzuentwickeln. Schließlich identifiziert man sich hier als Ausbildungsklub und schaut voller Stolz auf die vielen Talente, die für Leverkusen spielten und spielen. Dennoch, es erfreut einen sehr, dass es dann noch Spieler wie Aranguiz gibt. Der Chilene kam als erfahrener Mann zu Bayer und etablierte sich nach seiner schweren Verletzung im ersten Jahr sofort zum unumstrittenen Stammspieler. Mehr noch: er ist eine Identifikationsfigur geworden, ein Mittelfeldmotor, eine 1,71 Meter große Säule zwischen Abwehr und Sturm. 


Deshalb schauen alle Augen des Bayer-Fanlagers gebannt auf die Entscheidungen von Spieler und Verein. Aranguiz selbst liebäugelt schon seit längerem mit einem Wechsel, am liebsten wieder in sein Heimatland Chile zu International Porto Alegre, von wo er im Sommer 2015 an den Rhein wechselte. Ausschlaggebend sollen vor allem familiäre Gründe sein, wie sowohl die Bild als auch der kicker übereinstimmend berichteten. 

Charles Aranguiz

Kommt in 80 Bundesligaspielen auf sechs Tore und elf Vorlagen: Mittelfeldmotor Charles "Charly" Aranguiz



Tatsächlich trat in den vergangenen Tagen Porto Alegre auf den Vorstand von Bayer 04 zu und bekräftigte das Interesse an Aranguiz. Wie der kicker meldete, würden die Chilenen den 30-Jährigen gerne in diesem Sommer verpflichten. Bayer forderte von Alegre acht Millionen Euro Ablöse. Zu viel für den südamerikanischen Verein, der auf die Forderung nicht einging. 


​Sportdirektor Simon Rolfes ließ dazu verlauten, dass ein Wechsel in diesem Sommer auch definitiv nicht zustande kommen werde. Vielmehr werde man versuchen, den Vertrag mit "Charly" noch zu verlängern. Stand jetzt könnte der Chilene im Sommer 2020 ablösefrei wechseln. 


Es gibt folglich drei Optionen für Aranguiz und Leverkusen. Wechselt Anraguiz diesen Sommer, könnte Bayer mit ihm noch solide Transfereinnahmen machen. Wechselt Aranguiz im Sommer 2020, geht Bayer leer aus. Begräbt Aranguiz seinen Wechselwunsch in den kommenden Monaten, steht sogar eine Verlängerung im Raum. Es ist alles möglich, gerade weil Aranguiz selber immer wieder deutlich machte, wie wohl er sich in Leverkusen fühle.


Der richtige Weg in Leverkusen ist letztendlich, dass man verdienten Spielern keine Steine in den Weg legen sollte, gerade dann, wenn das Heimweh plagt. Aranguiz hat sich in den vergangenen Jahre immer vorbildlich verhalten und dem Verein extrem geholfen. Ein erzwungener Verbleib am Rhein würde niemanden helfen.


Aranguiz muss bleiben - zumindest bis 2020


Allerdings sollte es aus sportlicher und finanzieller Sicht das Ziel sein, den Spieler zu halten. Ein ebenbürtiger Ersatz für Aranguiz muss erst mal gefunden werden. Innerhalb der Bundesliga ist er der Einzige, der die Position als Sechser oder Achter spielerisch so interpretiert wie er. Eine Ablöse von acht Millionen Euro diesen Sommer ist nicht unbedingt gerechtfertigt. In einer Zeit, in der Transfersummen explodieren, steht die geforderte Ablöse, trotz seines "hohen" Alters, in keinster Weise im Verhältnis zu seiner Qualität. 


Bayer 04 sollte Aranguiz davon überzeugen, auch die kommende Saison für die Werkself zu spielen. Die ausbleibenden Einnahmen durch einen Transfer könnte man wohl verschmerzen, Bayer ist auf dieses Geld nicht angewiesen. Falls Aranguiz seinen Vertrag nicht verlängern sollte, geht er halt im Sommer 2020. Bis dahin kann Bayer sich nach vernünftigen Ersatz umschauen. Eine Saison mit Aranguiz auf dem Platz bringt den Verein jedenfalls weiter als ein Transferplus von acht Millionen Euro.