Seine Qualitäten werden in England bewundert, doch Leroy Sané spielt bei Manchester City derzeit nur eine untergeordnete Rolle. Nach seinem Durchbruch bei der Nationalmannschaft muss sich der Flügelspieler hinter Bernardo Silva einordnen, der von Pep Guardiola den Vorzug erhält. Einem Bericht der englischen Metro zufolge lässt sich Sané aufgrund der mangelnden Einsatzminuten in puncto Vertragsverlängerung Zeit. Das Blatt spekuliert mit einem möglichen Interesse des ​FC Bayern München, aber wie wahrscheinlich ist ein tatsächlicher Transfer?


Auf dem ersten Blick klingen die Leistungsdaten von Leroy Sané alles andere als schlecht: Der Nationalspieler kam in bislang 43 Partien zum Einsatz, erzielte 18 Tore und lieferte 15 Assists. Der Haken: Im Vergleich zur abgelaufenen Saison, in der er in 49 Spielen 3.618 Einsatzminuten sammelte, steht er aktuell bei 2.540 Minuten.


In der Premier League begann Sané 20 Mal in der Startelf, nur elf Mal blieb er über 90 Minuten auf dem Feld. Seit Februar kam er in der Liga nur sechs Mal zum Zug, blieb immer wieder die komplette Spielzeit über auf der Bank und musste zusehen, wie Bernardo Silva plötzlich an der Seite von Raheem Sterling und Sergio Agüero im Angriff wirbelte. 


Während in England die Aufregung über eine Nicht-Nominierung für die Weltmeisterschaft in Russland groß war, stellt sich plötzlich die Frage, weshalb Sané mittlerweile unter Joachim Löw eine gewichtige Rolle spielt, bei Pep Guardiola allerdings außen vor bleibt. Sein Vertrag läuft bis 2021, die Verantwortlichen würden nach den Verlängerungen mit Spielern wie Agüero, Kevin de Bruyne, David Silva oder Ederson auch mit dem 23-Jährigen verlängern - doch ähnlich wie Ilkay Gündogan zögert nun auch Sané mit einer Entscheidung.


Der Metro zufolge werde innerhalb des Klubs befürchtet, dass die Vertragsverhandlungen aufgrund der mangelnden Spielzeit stockend verlaufen. Er verspüre trotz aller Bemühungen der Verantwortlichen noch keinen Druck, was die Alarmglocken offenbar läuten lässt. Die Münchner Bayern wären ein Verein, der sich eine Verpflichtung von Sané leisten könnte - aber ist dieses Szenario realistisch?


Verstärkung? Auf jeden Fall!


Vom sportlichen Aspekt her würde ein Transfer durchaus Sinn machen. ​Der Rekordmeister sucht dringend nach einem neuen Flügelspieler, wird daher unter anderem mit ​Nicolas Pépé von LOSC Lille und ​Hakim Ziyech von Ajax Amsterdam in Verbindung gebracht. Der Unterschied: Beide Spieler wären deutlich günstiger als Sané, der vor knapp drei Jahren für 50,5 Millionen Euro vom FC Schalke zu Manchester City wechselte. 


Gleichzeitig würde er perfekt in das Anforderungsprofil passen: City spielt regelmäßig in der Champions League, weshalb er bereits die nötige internationale Erfahrung besitzt. Zudem steht er vor seinem zweiten Titel in der Premier League, gewann ohnehin seit seiner Ankunft in England vier Titel. 


Er kann auf beiden Außenbahnen spielen, Guardiola vertraute in über 100 Pflichtspielen auf dem linken Flügel auf seine Qualität. Sané sorgt dabei immer wieder durch seine Eins-gegen-eins Situationen, sein starkes Dribbling sowie sein Tempo für große Gefahr, ist zudem torgefährlich und hat auch das Auge für seine Mitspieler. Kingsley Coman hingegen hat nicht nur mit vielen Verletzungen zu kämpfen, sondern muss noch immer an seinen Hereingaben arbeiten, um noch mehr Gefahr zu erzeugen.

Kingsley Coman

Immer wieder müssen die Bayern auf Kingsley Coman verzichten. Auch deshalb ist ein adäquater Ersatz für den Flügelfliter so wichtig.


Ein weiterer Pluspunkt: Sané ist eines der Gesichter der neuen Nationalmannschaft. Der FC Bayern versteht sich seither als größter Zulieferer der DFB-Elf, weshalb Uli Hoeneß im Interview bei ​Welt vor einer Woche behauptete, der DFB solle "einige Kerzen aufstellen, dass der FC Bayern für neue Erfolge genug Spieler parat hat" - schließlich habe die Nationalmannschaft "immer dann ihre erfolgreichsten Phasen, wenn der FC Bayern genügend Spieler liefert."


Beim 3:2 über die Niederlande standen fünf Münchner in der Startelf, weshalb Hoeneß festhielt: "Der Verein, der am meisten kritisiert wurde, dass er den Übergang nicht geschafft haben soll, erfreut beim Neuaufbau der Nationalmannschaft am meisten." Mit Leroy Sané würde noch ein sechster Spieler hinzukommen, zumal er dann auch auf Vereinsebene mit Serge Gnabry für Wirbel sorgen würde.


Riesiger finanzieller Aufwand


Sportlich betrachtet wäre ein Transfer eine große Verstärkung, und auch finanziell betrachtet wäre es trotz eines beachtlichen Aufwandes wohl im Bereich des Möglichen. Bis dato investierte der Verein 115 Millionen Euro in Benjamin Pavard und Lucas Hernandez, ​spekuliert wurde über ein Transferbudget in Höhe von 300 Millionen Euro. Aufgrund der Vertragsdauer bis 2021 und den bisherigen Leistungen wäre für Sané wohl eine Ablösesumme im dreistelligen Bereich fällig, wobei der FC Bayern vermutlich nicht mehr als 100 Millionen Euro zahlen würde. 

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  Harter Verhandlungspartner: Khaldoon Khalifa Al Mubarark, Vorstandsvorsitzender von Manchester City, würde sich wohl kaum auf ernsthafte Gespräche einlassen.


Allerdings sind die Cityzens - nicht nur wegen Klubbesitzer Scheich Mansour - keineswegs auf Spielerverkäufe angewiesen. Des Weiteren würde der Klub eine wichtige Alternative im Angriff verlieren, auch wenn beispielsweise David Silva anstelle von Bernardo Silva auflaufen könnte. Sollten die Bayern tatsächlich interessiert sein, würden sie daher womöglich auf taube Ohren stoßen oder sehr tief in die Tasche greifen müssen.


Die Verantwortlichen müssten daher abwägen: Soll ein Großteil des übrigen Budgets in einen einzigen Spieler investiert werden, oder soll stattdessen eine Alternative wie Pépé oder Ziyech sowie ein weiterer Angreifer - wie Timo Werner - verpflichtet werden, um die Lücken, die Franck Ribery und Arjen Robben hinterlassen, zu schließen? Unabhängig davon dürfte allerdings kaum damit zu rechnen sein, dass sich Manchester City gesprächsbereit zeigt, weshalb solche Spekulationen in der aktuellen Phase wohl in das Reich der Fabeln verwiesen würden.