​Lange pfiffen es die Spatzen von den Dächern, seit heute Mittag ist es offiziell: ​Oliver Glasner wird seine Arbeit beim Linzer ASK nach vier erfolgreichen Jahren niederlegen und sich dem ​VfL Wolfsburg anschließen. Doch wer ist eigentlich der Nachfolger von Bruno Labbadia?


Karriere als Spieler

Oliver Glasner

Geboren wurde Glasner am 28. August 1974 im österreichischen Salzburg. In seinem Heimatland sollte er auch eine solide Laufbahn als Spieler hinlegen: Von 1992 bis 2012 spielte der frühere Innenverteidiger für den SV Redau, die SV Ried und dem Linzer ASK, absolvierte 410 Pflichtspiele in der österreichischen Bundesliga und war kaum aus Ried, wo er 18 Jahre verbrachte, wegzudenken.


Erfolge als Trainer


Für den Sprung in die Nationalmannschaft oder das internationale Geschäft reichte es als Spieler nie, doch seine Trainerlaufbahn klingt bereits jetzt vielversprechender: Seine ersten Schritte machte Glasner als Sportkoordinator und späterer Co-Trainer unter Roger Schmidt bei RB Salzburg, ehe er nach einem Spiel als Interimstrainer bei dessen Partnerverein FC Liefering bei der SV Ried anheuerte. Nach dem sechsten Tabellenplatz in der Saison 2014/15 räumte er jedoch seinen Posten, um beim Linzer ASK in der zweiten österreichischen Liga anzuheuern.


Dort erlebte er als Trainer und Sportdirektor in den vergangenen vier Jahren fast nur Höhen: Der Verein stieg nach zwei Jahren wieder in die Bundesliga auf, belegte nach seiner Rückkehr prompt den vierten Platz. Aktuell liegt die Mannschaft mit einem Rückstand von neun Punkten auf RB Salzburg auf dem zweiten Tabellenplatz, war von Oktober bis März in 15 Pflichtspielen ungeschlagen und sorgt für eine waschechte Überraschung.


Die Systemfrage


In puncto System bemüht sich Glasner um eine gewisse Grundordnung, nimmt dabei aber immer wieder Wechsel vor, wenn er diese für nötig betrachtet. In bislang 155 Spielen in Linz begann er zunächst mit einem 4-2-3-1 oder 4-4-2 System, wechselte später zu einem 4-4-1-1 und im Juli 2017 zu einem 3-4-3. Immer wieder wechselte er zwischen Vierer- und Dreierkette, seit August bleibt er jedoch fest bei der Formation mit drei Abwehrspielern.


Auch setzt der 44-Jährige auf Kontinuität: Mit einem gewissen Grundgerüst stieg er in die Bundesliga auf, ergänzte dies nur auf einigen Positionen. In seiner Trainingssteuerung legt er viel Wert auf die Fitness der Spieler, impft ihnen zudem immer wieder den Glauben an sich selbst ein und fordert immer wieder auf, bis zum Schluss alles zu geben - ähnlich wie Labbadia, der aus dem Kollektiv in Wolfsburg eine Mannschaft formte, die zusammenhält.


Pressing pur​


In Linz lässt Glasner einen Fußball spielen, der von der Herangehensweise mit Eintracht Frankfurt unter Adi Hütter zu vergleichen ist. Die Mannschaft presst aggressiv, setzt den Gegner permanent unter Druck und erzwingt somit früher oder später den Ballverlust. Die Online-Plattform abseits.at bezeichnet den Spielstil der Mannschaft als phasenweise "wild und stürmisch", jedoch verpasse Glasner dem Ganzen eine gewisse Grundordnung, um die Kontrolle in der Defensive nicht zu verlieren.

Somit dürfen sich die Fans des VfL auf einen anderen, spektakuläreren Fußball einstellen als den, der unter Labbadia praktiziert wird. Dieser setzt auf ein erfolgreiches Ballbesitzspiel, bei dem speziell über die Flügel dank der Außenbahnspieler und den aufgerückten Außenverteidigern vorgeschoben werden soll, ehe im Zentrum Spieler wie Daniel Ginczek oder Wout Weghorst vollstrecken. Künftig aber steht ein hohes Pressing, dessen Hauptaugenmerk die Abschirmung der gegnerischen Spieler im defensiven Mittelfeld ist, an der Tagesordnung.