Ein Top-Spiel, noch dazu in der bestmöglichen Konstellation, will heißen: Erster gegen Zweiter (oder umgekehrt), ​mit 0:5 zu verlieren, schmerzt. Und zwar sehr. Und wohl auch lange. Die vermeintliche Ebenbürtigkeit zwischen ​Bayern München und ​Borussia Dortmund, die durch die tabellarische Situation und die Ergebnisse von Mitte November an gestützt wurde, erwies sich während der neunzig Minuten in der Allianz-Arena am vergangenen Samstagabend nur als Trugschluss.


0:5! Auf dieses Resultat hatten wohl die wenigsten getippt. Dass der FC Bayern den Showdown gegen seinen ärgsten Widersacher gewinnen würde, war zwar von vielen prognostiziert worden, doch bewegten sich die meisten der Voraussagen im engen, knappen Bereich von maximal zwei Toren Differenz.


Jetzt ist es also anders gekommen, und entsprechend muss sich die Borussia nun gewisse Sprüche und Psychotricks von Seiten der Konkurrenz gefallen lassen. Joshua Kimmich (24) machte jetzt gegenüber dem kicker den Anfang und vermutete in Bezug auf den schwarz-gelben Rivalen: "Ich glaube, die Dortmunder fangen jetzt an nachzudenken. Es ist auch wichtig für die Gegner, die noch auf den BVB zukommen, dass sie sehen, Dortmund ist verwundbar." 


Stimmt. Relativ nüchtern und frei von Häme beschreibt Kimmich eigentlich nichts anderes als die normalen Mechanismen, die eine solch verheerende Niederlage auslösen. Sowohl bei dem Verlierer (und natürlich auch beim Sieger) als auch bei den kommenden Kontrahenten. Die nun, so Kimmich, wissen, dass gegen den BVB mit einem entsprechenden Auftritt etwas zu holen sei.


Das Restprogramm für beide ist annähernd gleichwertig. Die Rivalen des FC Bayern belegen einen durchschnittlichen Tabellenplatz zehn, die der Borussia im Schnitt Rang 8,6. Beide müssen noch gegen zwei der absolut positiven Erscheinungen dieser Spielzeit (Fortuna Düsseldorf und Werder Bremen) antreten. Und beide sind nicht mehr durch internationale Kompromisse abgelenkt. Doch während die Borussia sich ausschließlich auf den Liga-Endspurt konzentrieren kann, wartet auf die Bayern seit gestern noch (mindestens) eine höchst anspruchsvolle Aufgabe im Pokal.


Sechs Spiele bleiben, um diese Meisterschaft, die spannendste seit Jahren, zu entscheiden. Es sind also noch genügend Punkte zu vergeben, um entweder einen Vorsprung auszubauen oder einen Rückstand aufzuholen. Alle die, die es mit der Borussia halten, werden ihrem Team wohl vor allem eines empfehlen: Jetzt bloß nicht zu viel nachzudenken.