Beim Bundesligaspiel zwischen dem FC Schalke 04 und ​Eintracht Frankfurt ​(1:2) stand Schiedsrichter Sascha Stegemann unfreiwillig im Mittelpunkt des Geschehens. Der 34-Jährige wurde nach einem strittigen Strafstoß für die Hessen in der 95. Minute nach Abpfiff von den Schalker Verantwortlichen ​konfrontiert, und erklärte später gegenüber dem kicker seine Sichtweise auch auf eine andere, schwierige Entscheidung.


Noch unmittelbar nach dem Schlusspfiff stand Huub Stevens die Wut ins Gesicht geschrieben. Seine Mannschaft, die gegen überlegene Frankfurter um einen Punkt kämpfte, bekam unmittelbar vor dem Spielende nach einem Handspiel von Rückkehrer Daniel Caligiuri im eigenen Strafraum einen Strafstoß gegen sich gesprochen, obwohl Sascha Stegemann zunächst weiterlaufen ließ. Doch nach der Kommunikation mit dem Video-Assistenten, der  Stegemann die Bilder in der Review-Area zuspielte, revidierte dieser seine Entscheidung.


"Über die letzte Situation möchte ich nicht allzu viel sprechen", wurde Stevens später auf der vereinseigenen Website zitiert. "Als Fan kann man vieles sagen, aber als Trainer besser nicht. Denn sonst kann man bestraft werden. Grundsätzlich bin ich aber für den VAR. Im Moment scheint es leider so, als ob die ganze Welt gegen uns ist", so der Niederländer, der das Unverständnis mit seinen Schützlingen teilte.


Stegemann: "Ein strafbares Handspiel"


"Für mich war es kein Elfmeter. Die Frankfurter haben einen Freistoß kurz gespielt, ein Spieler ließ den Ball vorbei zu Filip Kostic. Dann wollte ich rausrücken, spürte dabei noch einen Schubser von einem Gegenspieler und dann ging der Ball von meiner Schulter an meine Hand", erklärt Caligiuri die Situation aus seiner Sicht - doch Stegemann nahm die Szene sowohl im Eifer des Gefechts als auch in der Review-Area anders wahr.

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"Im Originalablauf war es für mich im Gewühl nicht klar erkennbar, wie weit die Hand letztlich vom Körper weg gewesen ist - ob es eine aktive Bewegung in die Flugbahn des Balles gegeben hat? Deswegen habe ich mich entschieden, das Spiel weiterlaufen zu lassen", erklärt der 34-Jährige. Infolge dessen habe er sich "nach Rücksprache mit dem Videoassistenten" die Szene noch einmal angeschaut und dabei zu folgender Erkenntnis gelangt: "Die Bilder, die ich gesehen habe, haben gezeigt, dass der Arm weit weg vom Körper gewesen ist. Dass der Arm bewusst in die Flugbahn des Balles geführt, beziehungsweise gehalten wurde. Nach den geltenden Auslegungsgrundsätzen ist das ein strafbares Handspiel."


Den Schubser an Caligiuri bewertet er derweil als "einen fußballtypischen Körpereinsatz, dementsprechend kein Foulspiel und deswegen kein Grund, um das strafbare Handspiel aufzuheben."


Bereits nach gut einer halben Stunde stand Stegemann aufgrund einer Strafstoßentscheidung im Fokus, allerdings entschied der Referee in diesem Moment zu Gunsten der Schalker. Ante Rebic ging nach einem Kontakt im Strafraum zu Boden, doch diese Entscheidung liege im Rahmen des Ermessensspielraums: "Im Originalablauf des Spiels habe ich oben ein Halten gesehen und einen Kontakt im Fußbereich - und habe deswegen das Spiel weiterlaufen lassen." 


Nach Einsicht der Bilder habe er "keine Divergenz zwischen meiner Meinung auf dem Spielfeld und dem Bildmaterial" erkennen können, weshalb er seine Entscheidung nicht korrigierte. Dennoch betonte er: "Eine andere Entscheidung wäre möglich gewesen. Das war aber keine Schwarz-oder-Weiß-Entscheidung, sondern eine Graubereichs-Entscheidung."