Am Samstagabend bietet sich für ​Borussia Dortmund eine große Chance im engen Kampf um die Meisterschaft. Mit einem Sieg im ​Topspiel gegen Bayern München könnte der Tabellenführer den Vorsprung auf fünf Punkte ausbauen, doch selbst dann wäre laut Hans-Joachim Watzke noch nichts entschieden. Daher warnte der Geschäftsführer im Interview mit Goal davor, das Restprogramm abseits der Bayern auf die leichte Schulter zu nehmen und lobte den Konkurrenten für die Leistungen der vergangenen Wochen.


Es ist nur wenige Monate her, da hatte der BVB als Tabellenführer satte neun Punkte Vorsprung auf die Münchner, die ihrerseits im Herbst zu schwächeln begannen, ehe das Unentschieden gegen Fortuna Düsseldorf wie ein Weckruf wirkte. Seither gewann der Rekordmeister 13 der letzten 15 Bundesligaspiele, das 1:1 gegen den SC Freiburg am vergangenen Wochenende war der erste Dämpfer seit dem 20. Spieltag.


Ist die Bundesliga an der Spitze also deshalb wieder spannend, weil die Bayern eine verhältnismäßig schwache Hinrunde gespielt haben? Für Hans-Joachim Watzke liegt die Antwort klar auf der Hand: "Die Bayern sind nicht schwach. Das ist ja das Problem. Wenn die Bayern schwächeln würden, wären wir weiter vorne", so der 59-Jährige, der an die Meisterschaft im Jahr 2011 erinnerte und diese als Beispiel für ein schwaches Jahr der Münchner nahm: "Da sind wir mit 74 Punkten Meister geworden und die Bayern hatten am Ende 65. Das war eine Schwächephase. Wenn das jetzt auch so wäre, würde ich vielleicht schon über eine Reservierung auf dem Borsigplatz nachdenken."


"Glatte Eins" - Watzke schwärmt von Mannschaft und Trainer


Umso mehr liegt es am BVB, dass die Bundesliga in diesem Jahr einen echten Titelkampf erlebt. Sowohl der Mannschaft als auch Trainer Lucien Favre bescheinigt er eine "glatte Eins". Das Aus in der Champions League gegen einen Gegner wie Tottenham Hotspur sei alles andere als eine Blamage. Auch die Niederlage im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen Werder Bremen soll die Gesamtleistung in dieser Saison nicht schmälern, da man bereits jetzt in der Bundesliga mehr Punkte sammeln konnte als in der vorherigen Saison.


63 Zähler nach 27 Spielen sind Watzkes Meinung nach "top, und es bleibt auch top, egal was noch passiert". Dafür lobte er allen voran Favre, der den Umbruch im Sommer gemeinsam mit den übrigen sportlichen Verantwortlichen vollziehen musste: "Er macht das toll und ist genau der richtige Trainer für den BVB, davor kann man nur den Hut ziehen."

Lucien Favre

Nach vielen Jahren darf sich Lucien Favre endlich bei einem Topklub beweisen - und überzeugt dabei auf ganzer Linie



Gerade weil die eigene Mannschaft so erfolgreich spielt, will Watzke die insgesamt neunte Meisterschaft für die Dortmunder Borussia "natürlich" in Angriff nehmen und sich mit drei Punkten aus München eine gute Ausgangslage verschaffen. "Alles, was mit einem Sieg enden würde, wäre mein Wunschergebnis", sagt er, warnt jedoch auch davor, die anstehende Partie als Vorentscheidung anzusehen: "Wenn wir Samstag gewinnen, würde es natürlich gut aussehen. Aber erst die nächsten, vermeintlich leichten Spiele werden den Ausschlag geben."


Mentalität statt Dusel: Der neue Siegeswille in Dortmund


Mit Werder Bremen, Fortuna Düsseldorf und Borussia Mönchengladbach warten an den letzten drei Spieltagen unangenehme Gegner, und auch in den vergangenen Wochen tat sich der BVB gegen Mannschaften wie dem VfB Stuttgart, Hertha BSC oder VfL Wolfsburg schwer. Dennoch wurden alle drei Partien gewonnen, was in den Augen von Watzke an der Einstellung der Mannschaft liegt. 


Späte Siegtore wie in Berlin oder gegen Wolfsburg würden aus "innerer Überzeugung und Mentalität" resultieren, von "Dusel" wolle er daher nicht sprechen: "Der Wille, Spiele spät noch zu gewinnen, war etwas, was die Bayern immer ausgezeichnet hat. Das ist der Glaube daran, kein Dusel. Das zeichnet große Vereine wie Barcelona und Liverpool aus. Und wir haben das gerade auch."

Paco Alcacer

Kein Bundesligist traf in dieser Saison in der Nachspielzeit so häufig wie der BVB: Laut Watzke eine neue Stärke der Mannschaft



Diese Einstellung soll dabei helfen, im Mai auf dem Borsigplatz gemeinsam mit den Fans den ersten Meistertitel seit 2012 zu feiern. Das Ausmaß dessen könne sich Watzke nur schwer vorstellen, schließlich werde der BVB nicht jedes Jahr Meister: "Die ganze Stadt würde komplett durchdrehen, das wäre wie eine Explosion", sagt er, nur um anzufügen: "Das ist alles Konjunktiv. Wir haben noch sieben Spiele, das Rennen ist völlig offen, unser Gegner ist extrem stark. Träumen hilft hier nicht weiter."