Didi Hamann war nicht der erste, aber in letzter Zeit wohl schärfste Kritiker von Bayern-Stürmer Robert Lewandowski (30). Der sieht sich immer mal wieder der (durchaus berechtigten) Kritik ausgesetzt, in den ganz wichtigen, großen Spielen zu oft abzutauchen und den Nachweis seiner Klasse schuldig zu bleiben. Jetzt wehrt sich der Pole gegen diese Einschätzungen.


"Alles dreht sich um die letzte Saison. Weil ich da wegen meiner Verletzung weder im Viertelfinale noch im Halbfinale der Champions League getroffen habe - weil ich acht Monate lang mit Schmerzen durchgespielt habe", beklagt der Angreifer die aus seiner Sicht unfairen Kritiken gegenüber der Deutschen Welle.


Mal ganz davon abgesehen, dass es immer unglücklich wirkt, wenn ein Spieler seine schlechte Leistung mit einer vorher nicht kommunizierten Verletzung entschuldigt (zuletzt gab es eine ähnliche Aussage von Ex-Nationalspieler Mats Hummels), muss man den Spieler für diese Worte eigentlich erst recht abwatschen. Acht Monate verletzt gespielt? Wäre es nicht vielleicht smarter gewesen, die Verletzung ein für alle Mal, von mir aus auch über zwei oder drei Monate hinweg, auskuriert und dann in voller Fitness die wichtigen, entscheidenden Spiele bestritten zu haben? Wir erinnern uns: der FC Bayern wurde Deutscher Meister mit 21 Punkten Vorsprung (!) auf Schalke 04. Ein paar Wochen ohne Lewandowski hätte die Mannschaft mit Sicherheit verkraftet. Aber da war die Gier auf eine weitere Torjäger-Kanone wohl zu groß beim Polen.

Robert Lewandowski

Steht allzu oft in der Kritik: Robert Lewandowski



Des weiteren liegt Lewandowski völlig falsch, wenn er seinen Kritikern Eindimensionalität und die Beschränkung auf das letzte Jahr vorwirft. Eben nicht, Robert. Darum geht es ja: seit seinem Viererpack im Champions League-Halbfinale von 2013 gegen Real Madrid (übrigens noch im Trikot der Dortmunder Borussia) hat der von Vielen als "Weltklassestürmer" bezeichnete kein einziges großes Spiel mehr auf europäischer Bühne bestritten, in dem er eine entscheidende Rolle gespielt hätte. Natürlich hat er phasenweise die heimische Liga zusammengeknallt. Hat Hattricks oder gar Fünfer-Packs (in nur neun Minuten) erzielt. Aber: hat man angesichts der Klasse und Tiefe des Bayern-Kaders wirklich etwas anderes erwartet? Wohl eher nicht. Worum es geht, sind eben diese zwei, drei absoluten Highlight-Spiele einer Saison. Also die Spiele, in denen die wahren Weltklassespieler dieser Welt vorangehen. Und in denen Lewandowski regelmäßig versagt.


Überragender Stürmer - aber Weltklasse?


Geradezu erbärmlich kommt der Versuch des Spielers daher, seine vermeintliche Klasse dadurch zu belegen, dass er in den vorvergangenen Spielzeiten ja "in jedem Halbfinale und jedem Viertelfinale mindestens einmal getroffen" habe. (Was übrigens nicht ganz stimmt: In der Saison 2015/16 traf er zwar im Halbfinal-Rückspiel gegen Atletico Madrid, ging aber im vorangegangenen Viertelfinale gegen Benfica Lissabon in beiden Spielen leer aus). 


So redet ein eigensinniger Stürmer, dem sein eigenes (statistisches) Wohl über das der Mannschaft geht. Denn was bringen schon ein paar selbst erzielte Tore, wenn sie nicht dafür sorgen, die Mannschaft zum Triumph zu schießen? So wie die Tore von wirklichen Weltklassestürmern wie Griezmann, Mbappé oder Luis Suárez. Von Monster-Spielern wie Ronaldo oder dem besten von allen - Lionel Messi - gar nicht erst zu reden. Nein, mit der Selbsterkenntnis wird es bei Lewandowski nichts mehr werden. Und ein schlechter Stürmer ist er ja auch beileibe nicht. ​Sogar ein richtig guter, bisweilen sogar sehr guter. Ein Stürmer durchaus von internationalem Format. Nur halt nicht Weltklasse.