Lucien Favre ist als Zauderer bekannt. Der Trainer von ​Borussia Dortmund tritt gerne auf die Euphoriebremse und spricht lieber über kommende Aufgaben, als über große Ziele und Titel zu reden. Michael Zorc hingegen visiert eben jene gern an und gibt diese als Marschrichtung aus. Der Sportdirektor erklärte im kicker nun diese unterschiedlichen Auffassungen.


Wer Lucien Favre kennt, weiß, dass der Schweizer eher zurückhaltend ist. Das liegt wohl auch daran, dass bei einem Misserfolg Sätze wieder hervorgekramt werden, um sie der entsprechenden Person unter die Nase zu reiben. Und Favre ist nun mal ein gebranntes Kind. Daher scheut er sich, im Frühling trotz Tabellenführung von einer möglichen Meisterschaft zu reden.


Michael Zorc hingegen gibt gern große Ziele aus, an denen sich die Mannschaft messen lassen kann. Er scheut sich nicht davor, von einem möglichen Titel zu reden, ganz gleich, ob er danach bei einem möglichen Scheitern gescholten wird oder nicht. Diese unterschiedlichen Auffassungen haben zuletzt für Irritationen bei einigen Schreibern und Journalisten gesorgt, so dass sich Zorc nun genötigt sah, die Geschichte aufzuklären.


Im kicker bezog er nun Stellung zur Frage, wie es denn sein kann, dass der Übungsleiter das eine, der Sportdirektor aber das andere sagt. „Natürlich haben wir im Vorfeld mit Lucien gesprochen und waren 'd’accord', um in seiner Sprache zu bleiben. Seine Statements und meine Statements beißen sich nicht: Ich formuliere ein übergeordnetes Ziel, er denkt an die jeweils nächste Aufgabe“, so der 56-Jährige.

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Unterschiedliche Ziele gibt es zwischen Zorc (l.) und Favre nicht



„Was die Herangehensweise bei unserem gemeinsamen Ziel angeht, bin ich zu 100 Prozent beim Trainer. Wir denken von Spiel zu Spiel. Man hat doch gerade erst gesehen, welche Schwierigkeiten wir gegen Wolfsburg hatten“, entkräftet er weiter jeden Gedanken an eine mögliche Entzweiung der beiden Entscheidungsträger. „Wenn man am 27. Spieltag Erster ist, finde ich es nur sportlich, alles zu versuchen, trotz eines ambitionierten Restprogramms Meister zu werden. Und genau das machen wir!“


Mit dem anstehenden Duell gegen den ​FC Bayern München, der zwei Punkte hinter den Schwarz-Gelben in der Tabelle liegt, kommt es am kommenden Spieltag zum Showdown und zu einer möglichen Vorentscheidung im Kampf um die Meisterschaft. „Eine Riesensensation“ nennt Zorc eine mögliche Meisterschaft vor dem Rivalen. „Wir haben ja nicht umsonst im vergangenen Sommer mit einem auf zwei Sommer-Transferperioden ausgerichteten Neustart begonnen.“ Dass es bereits jetzt schon so gut funktioniert, wird ihn dabei sicher nicht stören.