Wieder einmal muss Huub Stevens beim FC Schalke 04 aushelfen - ähnlich wie Jupp Heynckes in der vergangenen Saison beim ​FC Bayern München. Der 65-Jährige soll die Mannschaft vor dem Abstieg bewahren, will dabei auch seine persönliche Serie aufrechterhalten und am Ende wieder in den Aufsichtsrat zurückkehren. Im Interview mit Bild sprach er über die bedrohliche Situation auf Schalke und über einen Vertrag, der aktuell noch nicht existiert.


Zum dritten Mal ist Huub Stevens auf Schalke als Trainer verantwortlich, dabei beendete er 2016 aus gesundheitlichen Gründen seine Karriere, nachdem er sein Amt bei 1899 Hoffenheim aufgrund von Herzrhythmusstörungen niederlegen musste. 


​Kurz vor seiner Ernennung zum Interimstrainer habe er gemeinsam mit seiner Frau Toos eine Reise geplant, die deshalb jedoch kurzfristig ins Wasser fiel: "Vergiss unsere geplante Reise. Du kannst fahren – aber diesmal leider ohne mich. Ich muss Schalke helfen", habe er ihr gesagt.


Das Verständnis für diese Entscheidung hielt sich in einigen Teilen der Familie in Grenzen: "Meine jüngste Enkelin Bella hat mich gefragt: 'Opa, schon wieder?'", erzählt Stevens lachend, doch in Anbetracht der Situation auf Schalke gab es keine wirkliche Alternative. Acht Spieltage vor Schluss beträgt der Vorsprung auf den Relegationsplatz nur drei Punkte, bei einem Sieg über Hannover 96 am Sonntag könnte dieser verdoppelt werden.

Huub Stevens

   Kämpft noch einmal für und mit Schalke um den Klassenerhalt: Huub Stevens


"Bislang bin ich tatsächlich noch nie abgestiegen, weder als Spieler noch als Trainer. Das soll auch so bleiben", kündigte Stevens an, weiß jedoch auch: "In dieser Situation darf man nicht in Angst verfallen. Gleichzeitig darf man nicht überheblich sein." 


Nur mit den Fans im Rücken könne man den ersten Abstieg seit 31 Jahren verhindern. Er, "der alte Knurrer Stevens" allein hingegen könne das Ruder nicht herumreißen, wie er bekräftigte. Unter Domenico Tedesco zerbrach der Zusammenhalt in den vergangenen Monaten, womöglich auch aufgrund der mangelnden Erfahrung des 33-Jährigen. 


"Ich habe zwei-, dreimal mit ihm gesprochen. Auch über die aktuelle Situation und dass ich es schade finde, dass er nicht mehr Trainer ist", sagt Stevens über den Kontakt mit Tedesco, zu dem er ein enges Verhältnis pflegt. Nach dessen Entlassung habe der Niederländer "Erleichterung" bei Tedesco gespürt, wofür er vollstes Verständnis habe.


Stevens ohne offiziellen Arbeitsvertrag


Doch bevor Stevens seine Tätigkeit als Interimstrainer aufnehmen durfte, musste zunächst der Aufsichtsrat darüber entscheiden. Da er selbst Teil des Aufsichtsrates ist, darf er nur über einen bestimmten Zeitraum auf der Bank Platz nehmen. Interessant ist dabei jedoch auch, dass sich Stevens und die Vereinsführung bislang nur mündlich auf dieses Engagement geeinigt haben. "Nein, ich habe nichts unterschrieben", bestätigte er und ließ dabei offen, ob es überhaupt zu einem schriftlichen Vertrag kommt: "Vielleicht kommt da noch was, wegen der Bürokratie."