Spätestens seit dem Aufstieg von RB Leipzig in die Bundesliga ist Marcel Halstenberg für seine Qualitäten als Linksverteidiger bekannt. Bei den Sachsen schaltet er sich immer wieder in das Offensivspiel ein, ist zudem für die Standards zuständig und schaffte im November 2017 erstmals den Sprung in die Nationalmannschaft. Doch wie er im Interview mit der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung erzählte, spielt er gar nicht allzu lange auf dieser Position.


Denn zu Beginn seiner Laufbahn agierte Halstenberg, der von 1999 bis 2010 in der Nachwuchsabteilung von Hannover 96 spielte, noch als Innenverteidiger. Erst, als er 2011 in die zweite Mannschaft von ​Borussia Dortmund wechselte, habe David Wagner, der bis 2015 für die U23 des BVB verantwortlich war und später zu Huddersfield Town wechseln sollte, den entscheidenden Impuls für seinen Positionswechsel gegeben.


Dieser habe ihm gesagt, "dass ich mich mal ein paar Spiele als Linksverteidiger versuchen soll. Ich wollte das eigentlich überhaupt nicht", so Halstenberg, schließlich müsse man als Außenverteidiger "die Linie ja immer hoch und runter laufen. Das war damals zunächst nicht meine Idealvorstellung von Fußball."


Doch es dauerte nicht lange, ehe er sich an seine neue Rolle gewöhnte und von seiner ursprünglichen Position im Abwehrzentrum abwich: "Fünf Spiele später, als er mich dann wieder zurück in die Innenverteidigung beordern wollte, konnte ich mir gar nichts anderes mehr vorstellen als Linksverteidiger. Und ab dem Moment war ich Linksverteidiger – zunächst bei Dortmunds U23, dann beim FC St. Pauli in der Zweiten Liga."


Über St. Pauli führte der Weg nach RB Leipzig, wo er bereits 106 Pflichtspiele absolvierte. Halstenberg war auf Anhieb Stammspieler, konnte sich auch in der Bundesliga durchsetzen und ist auch nach seinem erfolgreich auskurierten Kreuzbandriss, der ihn von Januar bis September 2018 außer Gefecht setzte, regelmäßig in der Startaufstellung zu finden.

Marcel Halstenberg

   Plötzlich war Marcel Halstenberg Nationalspieler - ohne David Wagner hätte diese Entwicklung möglicherweise überhaupt nicht stattgefunden


Diese Entwicklung blieb auch Joachim Löw nicht verborgen. Der Bundestrainer musste schließlich nach Lösungen auf der linken Abwehrseite Ausschau halten, woraufhin Halstenberg im Alter von 26 Jahren bei der Nationalmannschaft debütierte. Auch während der aktuellen Länderspielreise hält er sich beim DFB-Tross auf, musste jedoch feststellen, dass er bereits zu den älteren Eisen zählt: "Ich muss gestehen, dass ich bei der Kaderbekanntgabe mal die Geburtsdaten aller Spieler verglichen habe und mich fast erschrocken habe, wie wenig Spieler tatsächlich noch älter sind als ich. Bei den Feldspielern sind das nur Marco Reus und Ilkay Gündogan."


Doch überhaupt die Chance erhalten zu haben, für die Nationalmannschaft zu spielen, überwiegt die Tatsache, dass er im September dieses Jahres bereits 28 wird: "Ich spielte ja noch vor drei Jahren in der Zweiten Liga beim FC St. Pauli. Da wäre es ziemlich vermessen gewesen, wenn ich da etwas von einer großen Nationalmannschaftskarriere gefaselt hätte. Mein großes Ziel war zu dem Zeitpunkt die Bundesliga, nicht die Nationalelf." Und ohnehin befindet er sich in einem "top Alter" für einen Profifußballer, der noch einige Jahre - und somit einige Länderspiele - vor sich hat.