Der rasante Aufstieg von ​Eintracht Frankfurt ging an keinem Fußballfan in Deutschland spurlos vorbei - im Gegenteil. Die Hessen sammelten zuletzt massig Sympathien, allein aufgrund der aggressiven Spielweise unter Adi Hütter gewinnt der (noch) amtierende Pokalsieger immer weiter an Stellenwert. Die Eintracht erlebt einen regelrechten Hype - und das nicht zu unrecht.


Drei Jahre ist es bereits her, dass der heutige Europa-League-Viertelfinalist mit dem Rücken zur Wand stand. Eintracht Frankfurt stand vor dem erneuten Abstieg in die zweite Bundesliga, lag nach 25 Spielen unter Armin Veh auf dem Relegationsplatz und ​bereitete vielen Fans und Experten große Sorgen. 


Die Verantwortlichen zogen daraufhin die Reißleine, ernannten Niko Kovac am achten März 2016 zum neuen Trainer und wussten zu diesem Zeitpunkt vermutlich noch nicht, in welcher Erfolgsgeschichte diese Entscheidung enden würde. Kovac bewahrte den Verein in der Relegation gegen den 1. FC Nürnberg vor dem Abstieg, erreichte in der Folgesaison das DFB-Pokalfinale und gewann den 'Pott' ein Jahr später im Endspiel ausgerechnet gegen den FC Bayern München.

Adi Huetter

  Das Gesicht der neuen Eintracht: Adi Hütter



Kovac verabschiedete sich mit dem ersten Titel nach 30 Jahren zum FC Bayern, als dessen Nachfolger wurde Adi Hütter präsentiert. Der Österreicher erlebte einen schwierigen Start mit dem Aus in der ersten Pokalrunde beim SSV Ulm, doch dies ist längst vergessen. Nun, im März 2019, liegt die Mannschaft in der Bundesliga auf dem fünften Tabellenplatz, trifft im Viertelfinale der Europa League auf Benfica Lissabon und begeistert mit Fußball pur.


Im mittlerweile eingespielten 3-4-1-2 System geht jeder einzelne bis an seine Leistungsgrenze, schöpft seine gesamte Energie über 90 Minuten aus. Die Mitspieler helfen sich untereinander, schließen Lücken und suchen immer wieder den Weg nach vorne, wo mit Ante Rebic, Luka Jovic und Sebastien Haller drei Angreifer der Extraklasse auf ihre Chancen lauern. Das Trio erzielte in dieser Saison bereits 50 Pflichtspieltore, doch auch Spieler wie Filip Kostic, Danny da Costa oder Rückkehrer Sebastian Rode liefern wöchentlich überzeugende Leistungen.


Da Costa: "Wir können gar nicht anders"


Die Spieler haben das aggressive Pressing unter Hütter verinnerlicht, spielen bedeutend offensiver und attraktiver als noch unter Kovac, der zunächst einmal die Defensivarbeit in den Vordergrund stellte. "Wir sind einfach eine Mannschaft, die extrem hungrig ist", sagte Da Costa im November gegenüber dem kicker. "Wir gehen in jedes Spiel mit 100 Prozent. Der Trainer muss gar nicht viel machen, um die Motivation hochzuhalten. Es zeichnet uns momentan aus, dass wir gar nicht anders können, als diesen Vollgas-Fußball zu spielen."


Knapp vier Monate später hat die Eintracht keinesfalls nachgelassen, das stellte sie beim jüngsten ​1:0-Sieg über Inter Mailand unter Beweis. Die Nerazzurri fanden keine Mittel, während sich die Gäste aus Hessen Chance um Chance erspielten. 

FC Internazionale v Eintracht Frankfurt - UEFA Europa League Round of 16: Second Leg

  Schier unaufhaltsam schreibt die Mannschaft im Europapokal eine weitere Erfolgsgeschichte



Egal ob Fan oder nicht - für die Leistungen der vergangenen Jahre erhalten die Verantwortlichen von überall Respekt, während die Mannschaft von vielen gefeiert wird. Eintracht Frankfurt steht in diesem Jahr für Intensität, Geschwindigkeit, Spaß und Offensive pur. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren, in denen ein Großteil der Bundesligisten zu wenig Risiko einging, woraufhin viele Spiele an Unterhaltungswert verloren, weht dank den Hessen ein frischer Wind in der Beletage des deutschen Fußballs, die - auch aufgrund von Mannschaften wie Borussia Mönchengladbach, 1899 Hoffenheim, Werder Bremen oder RB Leipzig - in diesem Jahr wieder attraktiver erscheint.