Der portugiesische Youngster Renato Sanches kam mit vielen Vorschusslorbeeren im Sommer 2016 von Benfica nach München zum ​FC Bayern. Dort aber blieb er in seiner Anfangszeit vieles schuldig, auch wegen der hohen Erwartungshaltung. Nun sprach er über seine schwere Anfangszeit beim Rekordmeister.


Als die Bayern Renato Sanches im Sommer 2016 von Benfica für 35 Millionen Euro loseisten, erklärte Karl-Heinz Rummenigge noch vollmundig nach der Europameisterschaft, dass man Sanches nach dem Turnier wohl kaum mehr für den Preis bekommen hätte. Sanches selbst war mit 18 Jahren so bereits Europameister mit Portugal und trotz seines jungen Alters eine treibende Kraft im Kader Portugals.


Die Lobeshymnen auf den Youngster aber verstellten ein wenig den Blick für die Wirklichkeit. Und das Talent fiel danach prompt in ein Leistungsloch, was ihm viel Kritik einbrachte. Nach einem dürftigen Jahr wurde er schließlich nach Swansea in die englische ​Premier League verliehen, wo er jedoch ebenfalls die Erwartungen nicht erfüllte.


Beim amerikanischen Onlineportal The Player's Tribune äußerte sich der Mittelfeldspieler nun erstmals zu seiner schweren Anfangszeit in Deutschland. „Meine erste Saison bei Bayern war nicht ideal. Das wusste ich. Ich hörte, was die Leute über mich sagten. 'Flop', 'Reinfall', 'Scheisse', 'verkauft ihn solange ihr könnt'. Das schlimmste aber war, so sehr ich es auch versuchte, ich konnte mein Spiel nicht abrufen.“


Dann kam der Wechsel nach Wales, wo er mit viel Hoffnung auf mehr Einsatzzeiten jedoch eine erneute Enttäuschung erlebte. „Es ging alles schief. Gerade als ich mich mit meinem neuen Team arrangiert hatte, kamen diese komischen Verletzungen – alle am gleichen Bein. Ich hatte nie Verletzungsprobleme, aber plötzlich war ich über Monate verletzt, saß allein in einem Appartment in Swansea und konnte dem Regen tagein tagaus zuschauen. Für so etwas gibt es keine Vorbereitung.“


Trost bekam er letztlich von seinem Vater. „Mein Vater sagte immer zu mir: 'Du bist ein Kämpfer. Ein Kämpfer gibt niemals auf. Ein Kämpfer kämpft auch dann, wenn er denkt, er könnte verlieren.' Ich wusste, dass mich einige Leute bereits abgeschrieben hatten.“


Dann aber kam die Rückkehr nach Bayern, und die Hoffnung, dass es wieder besser werden würde. Nach der Europameisterschaft hatte er große Ziele, wie er weiter erläutert. Wie den Gewinn des Ballon d'Or. Nun aber hat er mit einer besseren Zukunftsaussicht andere Ziele vorangestellt. „Ich möchte fit sein. Ich möchte mehr Minuten spielen, ich möchte die Leute in München sagen hören: 'Das ist Renato, deshalb haben wir ihn verpflichtet'.“


Nach der bislang schwierigsten Zeit seiner noch jungen Karriere ist er nun wieder auf dem aufsteigenden Ast. Auch weil Niko Kovac ihm das Vertrauen geschenkt und ihm neues Selbstbewusstsein eingeflößt hat. So hat Sanches auch den Glauben an sich wiedergefunden. „Ich fühle, dass ich langsam wieder dort bin. Die Saison wurde wieder besser für uns, besser für mich. Ich weiß, dass wir noch mehr können, und dass ich zu noch viel mehr fähig bin. Meine Reise war nicht einfach. Aber sie ist auch noch nicht vorbei. Nicht mal annähernd.“