Der FC Bayern München ist endgültig wieder da. Nach dem fulminanten 5:1-Auswärtssieg bei ​Borussia Mönchengladbach hat der Rekordmeister den einstigen Rückstand von neun Punkten auf ​Borussia Dortmund pulverisiert und liegt einzig aufgrund der schlechteren Tordifferenz hinter Schwarz-Gelb. Die Verantwortlichen sehen von Kampfansagen an die Konkurrenz ab, doch die Zielvorgabe dürfte klar sein: Jetzt beginnt der Kampf um die Schale erst recht.


​Nach gerade einmal zwölf Spieltagen schien es so, als könnten die Münchner Bayern in dieser Saison kaum nach der siebten Meisterschaft in Serie greifen. Borussia Dortmund erlebte einen fast perfekten Saisonstart, ließ in der Hinrunde nur wenige Punkte liegen und war mit 42 Zählern verdienter Herbstmeister. Zudem entpuppte sich Borussia Mönchengladbach zwischenzeitlich als dritte deutsche Kraft, und auch die vermeintlich kleineren Mannschaften wussten plötzlich, wie man gegen den Rekordmeister punkten kann.


Das 3:3 gegen Fortuna Düsseldorf war der bisherige Tiefpunkt. Der Stuhl von Trainer Niko Kovac wackelte, doch der 47-Jährige kämpfte sich Stück für Stück aus der Krise heraus. Seit dem Remis gegen die Fortuna feierten die Münchner elf Siege bei nur einer Niederlage. Zwar spielte die Mannschaft nicht immer sattelfest und so überzeugend wie vor einigen Jahren, doch was zählt, sind die Ergebnisse - und die sprechen klar für Kovac und den FC Bayern.


Die Patzer des BVB wurden genutzt

Der BVB kassierte ​beim FC Augsburg zwar erst die zweite Niederlage in der Bundesliga, doch die vielen Remis - davon zuletzt drei am Stück - sorgten dafür, dass Lucien Favre und die Seinen Federn ließen. Gepaart mit den Personalproblemen in der Offensive und den immer wiederkehrenden Fehlern in der Abwehr gewann Schwarz-Gelb nur eins der letzten fünf Bundesligaspiele und wird sich eingestehen müssen, ​die Bayern wieder stark gemacht zu haben

"Wir haben auf Null gestellt. Jetzt ist alles wieder offen", wird ein sichtlich zufriedener Niko Kovac auf der ​vereinseigenen Website zitiert. Die Spieler, die sich nach Führungen immer wieder in Selbstsicherheit wogen und dafür von den Gegnern konsequent bestraft wurden, spielen gegen den Ball plötzlich sicherer, lassen weniger zu und setzen ihre Nadelstiche immer präziser. Die Gier nach dem Erfolg ist plötzlich wieder da, wie Kovac konstatierte: "Die Mannschaft macht das richtig gut. Die Mannschaft will."


Die Erfahrung macht den Unterschied

Der große Vorteil des Serienmeisters ist die Erfahrung. Die Münchner stellen den ältesten Kader aller Bundesligisten, Borussia Dortmund hingegen den zweitjüngsten. So stark der BVB über weite Strecken auftrumpfte, so schwieriger dürfte es für junge Spieler wie Dan-Axel Zagadou, Achraf Hakimi oder Jadon Sancho werden, den gestiegenen Druck auszuhalten. 


Gerade Zagadou und Hakimi leisteten sich zuletzt immer wieder böse Patzer, die der Mannschaft einige Punkte kosteten. "Ich muss mich manchmal während des Spiels wirklich beherrschen, einem Spieler nicht den Kopf herunter zu reißen", sagte Torhüter Roman Bürki nach der Niederlage in Augsburg (via Bild). 

Jadon Malik Sancho

  Die jungen Wilden des BVB strauchelten zuletzt immer wieder - ist die Mannschaft noch nicht reif genug für die Meisterschaft?


Der FC Bayern hingegen hat mit Manuel Neuer, Mats Hummels, Jerome Boateng, Thomas Müller, Franck Ribéry oder Arjen Robben etliche Titelsammler in den eigenen Reihen, die nach den schwierigen Jahren von 2010 bis 2012 von Anfang an die "Dauerfete" miterlebten. Auch deshalb prophezeihte bereits Ex-Trainer Felix Magath, ​dass der Titel auch in diesem Jahr nach München geht


Eben jene Erfahrung soll dabei helfen, weiterhin fokussiert zu bleiben und den Blick einzig darauf zu richten, jedes Spiel zu gewinnen. "Wir müssen ruhig bleiben und sportlich alles geben, damit wir Meister werden", lautete dementsprechend die Ansage von Kapitän Neuer.


Aktuell wirkt der FCB unaufhaltsam

Der 28. Spieltag könnte die Entscheidung im Titelrennen bedeuten. Dann empfängt der FC Bayern Borussia Dortmund zum Top-Spiel der Saison, um sich für die 2:3-Niederlage im Hinspiel zu revanchieren und möglicherweise entscheidende Punkte einzufahren. Aufgrund der vergangenen Wochen gelten plötzlich die Münchner wieder als Favorit, doch es wird auch darauf ankommen, gegen die restlichen Mannschaften zu punkten.


Der vermeintliche Vorteil für den BVB: Nach der Niederlage gegen Tottenham Hotspur und dem Aus im DFB-Pokal kann der Fokus voll und ganz auf die Bundesliga gelegt werden. Die Bayern sind jedoch die Dreifachbelastung gewohnt, werden daher unter keinen Umständen nachlassen und sind mehr denn je gewillt, nach 34 Spieltagen ganz oben zu stehen. Die Mannschaft hat nach der Krise im Herbst Blut geleckt und weiß um das Signal, das sie mit dem Sieg in Gladbach gesendet hat. Es scheint wieder so, als seien die Bayern unaufhaltsam.