​​Eintracht Frankfurt scheint bereit für ​Inter Mailand, den kommenden Gegner im Achtelfinale der Europa League. Beim 3:2-Sieg gegen die TSG 1899 Hoffenheim bewiesen die Adler Nervenstärke und mentale Stärke, sie drehten die Partie erst in der Schlussphase und schauen jetzt optimistisch in die Zukunft. 


Eintracht Frankfurts Trainer Adi Hütter fährt normalerweise kaum aus der Haut oder steigert sich in Glücksgefühle, der Österreicher wählt seine Worte bewusst und besonnen. Nach dem 3:2-Sieg über die TSG 1899 Hoffenheim wusste selbst Hütter nicht mehr, was er sagen sollte und wo er war, als das Tor von Goncalo Paciencia fiel: "Ich glaube, ich stand auf dem Spielfeld, so genau weiß ich das nicht mehr", sagte der 49 Jahre alte Österreicher und schwärmte: "Mit der letzten Aktion das Tor zu machen! Was Schöneres kann man sich als Trainer und Fan nicht wünschen."


Hütter hatte Paciencia in der 80. Minute eingewechselt; länger hatte der Portugiese in diesem Jahr in der Bundesliga bisher nicht spielen dürfen. Ein Meniskussriss behinderte den 24-Jährigen von Mitte September bis Ende Dezember 2018, was es dem Neuzugang umso schwer macht, sich in die Mannschaft zu spielen. 


Zumal der bullige Paciencia mit ​Sebastien Haller und Luka Jovic starke Konkurrenz hat. Das erste Bundesligator war für Paciencia ein ganz besonderes - aber nicht nur für ihn. Der gesamte Verein - die Fans, die Spieler, die Trainer -, verfielen in einen Freudentaumel.

Lob an die Fans

Wer geglaubt hätte, der späte Ausgleichstreffer durch Haller in der 89. Minute hätte der Eintracht genügt, sah schließlich verdutzt, wie Paciencia mit seinem Schlusspunkt beim letzten Angriff des Spiels das Stadion in eine Karneval-Meile verwandelte. Wenn man die Unterstützung der Eintracht-Fans über das ganze Spiel verfolgte, könnte man annehmen, sie hätten durchgehend an den Sieg geglaubt. 


Nach der Partie richtete Sportvorstand Fredi Bobic lobende Worte an die Anhänger: "Das ist natürlich ein Hexenkessel hier, nicht nur seit dieser Saison. Aktuell fühlt sich alles noch lauter an, noch emotionaler. Man muss sagen, auch die Fans haben uns zu diesem Sieg getrieben", so Bobic. "Sie haben uns nach vorne gepusht. Die Jungs haben Gas gegeben bis sie nicht mehr konnten."


Freilich hat der Sieg auch Kräfte freigesetzt für den kommenden Donnerstag. Dann empfangen die Hessen den italienischen Spitzenklub Inter Mailand. Das Stadion wird sich wohl erneut in einen Hexenkessel verwandeln, eine herrliche Choreographie, wie die Fans sie schon so oft entworfen haben, könnte das Spektakel untermalen. 


Das Selbstvertrauen von Mittelfeldspieler Mijat Gacinovic, der die Vorlage zum 2:2 gab, scheint nochmal angewachsen zu sein: "Mailand ist Favorit. Wenn wir aber so spielen wie gegen Hoffenheim, haben wir gegen jede Mannschaft der Welt eine Chance", sagte er. Auch Sportdirektor Bruno Hübner blickt optimistisch auf den Donnerstag: "Wir haben uns den Schwung geholt, auch gegen Mailand bestehen zu können."


Stolze neun Pflichtspiele in Folge hat die Eintracht nicht verloren. Zuletzt gab es drei Siege in Serie mit zehn eigenen Treffern. Durch den Sieg gegen das Team von Julian Nagelsmann kletterte Frankfurt vorerst auf den fünften Platz. Aufregend wird es in dieser Saison allemal, gegen Inter Mailand steht die nächste magische Möglichkeit an, einen Favoriten dank Willen und Leidenschaft aus dem Konzept zu bringen.


So ein klarer Außenseiter, wie die Verantwortlichen es betonen, ist die Eintracht sicher nicht. Übrigens: Inter hat am Freitag mit 1:2 bei Cagliari Calcio verloren. Gegen einen schwächer eingeschätzten Gegner, der allerdings viel Energie an den Tag legte, deutlich mehr Laufarbeit als Inter verrichten musste, aber über schnelle Gegenangriffe trotzdem zu seinen Chancen kam und sich so drei Punkte verdiente.