Seit vielen Jahren gehört der ​FC Barcelona zu einem der besten und erfolgreichsten Fußballvereine der Welt, doch vor einigen Jahren hob ein Mann den Klub noch einmal auf ein anderes Level. Die Rede ist von Pep Guardiola, der mit damals 37 Jahren zum Cheftrainer ernannt wurde und dabei nicht nur viele Dinge auf den Kopf stellte, sondern auch viele Erfolge feierte. Ein Rückblick auf eine Ära, die seinesgleichen sucht.


Pep Guardiola hat den Fußball geprägt wie nur wenige vor ihm. Der Katalane besaß bereits als Spieler Weltklasse-Format, wurde beim FC Barcelona ausgebildet, spielte insgesamt zehn Jahre für die erste Mannschaft und gewann 20 Titel - darunter den Europapokal der Landesmeister im Jahr 1992. 


Im Jahr 2007, kurz nach seinem endgültigen Karriereende bei Dorados de Sinaloa, einem mexikanischen Zweitligisten, heuerte er bei der zweiten Mannschaft des FC Barcelona an. Nur ein Jahr später, nach dem Aufstieg mit Barça B in die dritte spanische Liga, folgte er auf Frank Rijkaard und wurde mit 37 Jahren der drittjüngste Trainer in der Geschichte des FC Barcelona. Unter Rijkaards Ägide wurde der Verein zwei Mal spanischer Meister sowie Champions-League-Sieger, doch Guardiola sollte frischen Wind in die Mannschaft bringen.

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     Der Bart rasiert, die Haare deutlich dichter und dunkler: Am fünften Juni 2008 unterzeichnete Pep Guardiola einen Zweijahresvertrag beim FC Barcelona



Von Anfang an übernahm er das Zepter und scheute sich nicht davor, harte Entscheidungen zu treffen. Frühzeitig plante er ohne Ronaldinho, Gianluca Zambrotta oder Deco, auch Samuel Eto'o spielte in seinen Planungen kaum eine Rolle, wenngleich der Kameruner erst im Sommer 2009 zu Inter Mailand wechseln sollte.


Auch bei Bayern München und Manchester City, seinen beiden späteren Stationen, behielt Guardiola diese Eigenschaft bei. Ebenso war er bei Barça schon von Anfang an der Perfektionist, der er heute noch immer ist - und der den Fußball der vergangenen Jahre prägen sollte.


Tiki Taka, Messi und die Jagd nach Titeln


Den Begriff 'Tiki Taka' mochte er nie, doch das ballbesitzlastige Spiel des FC Barcelona war vor allem durch die Vielzahl an kurzen Pässen, die sich Xavi, Andres Iniesta, Sergio Busquets, Thierry Henry, Samuel Eto'o und Lionel Messi hin und her schoben, geprägt. Letzterer war dabei das Schlüsselelement, wurde unter Guardiola zum absoluten Weltfußballer und einer der erfolgreichsten Spieler aller Zeiten.


"Leo ist privilegiert, er ist ein Genie. Einer der größten Athleten aller Zeiten. Wissen Sie wie schwierig es ist, alle drei Tage rauszugehen und jeder erwartet von dir drei Tore und drei Vorlagen? Alle drei Tage? Das ist brutal. Kein Mensch der Welt außer ihm kann solch einen Druck jedes Spiel aushalten", schwärmte Guardiola einst bei Catalunya Radio (via 11freunde). Messis größte Stärke sei, dass er die einfachen Dinge einfach halte, nicht übermäßig verkompliziere. "Da ist keine schlechte Ballkontrolle, kein schlechter Pass. Es ist ein Privileg ihm zusehen zu können."

Barcelona´s coach Josep Guardiola (L) ce

  Dank Pep Guardiola gehört Lionel Messi seit über einem Jahrzehnt zur absoluten Weltspitze



Doch es war das Gesamtkonstrukt der Mannschaft, das so unbezwingbar war. Bei jedem einzelnen Ballverlust wurde auf die sofortige Rückgewinnung gedrängt, das Gegenpressing war für den Gegner meist erdrückend. Egal ob Messi, Xavi, Iniesta oder Henry - sie alle wollten den Ball so schnell wie möglich wieder zurückerobern. Jeder Spielzug war dabei bis ins kleinste Detail ausgearbeitet, ehe im letzten Drittel Messis Genialität zur gefährlichsten Waffe der Mannschaft wurde.


Bereits in seinem ersten Jahr erreichte Guardiola Historisches: Als erste spanische Mannschaft feierte der FC Barcelona das Triple, gewann neben der Meisterschaft und der Copa del Rey auch die Champions League im Finale gegen Manchester United. Doch damit nicht genug: Im Jahr 2009 feierte Barça insgesamt sechs Titel - erfolgreicher war noch kein Team zuvor.


Mit den Jahren wurde der Kader um Spieler wie David Villa, Javier Mascherano, Alexis Sanchez, Cesc Fabregas oder auch Zlatan Ibrahimovic, dem wohl größten Feind Guardiolas, verstärkt, die Spielweise verfeinert. Guardiola, zweifacher Weltclubtrainer (2008, 2010), wurde in drei Jahren spanischer Meister und Superpokalsieger, gewann zudem zwei Mal die Copa del Rey und die Champions League.


Das abrupte Ende - Guardiola und die fehlende Kraft


Die Saison 2011/12 sollte jedoch seine letzte in den Diensten seines Jugendvereins sein. Bereits zuvor unterschrieb er lediglich Einjahresverträge, zu gut wusste er, wie anstrengend die Arbeit trotz aller Erfolge sein kann. Nachdem Barça im Halbfinale der Champions League unglücklich am FC Chelsea scheiterte, verkündete er das Ende einer Ära: "Die Zeit nutzt alles ab. Vier Jahre bei Barça beanspruchen sehr. Für mich ist es wichtig wieder aufzutanken" (via Tagesspiegel).

Barcelona's coach Josep Guardiola gives

    Wie kräftezehrend die Zeit beim FC Barcelona war, spiegelt sich in Guardiolas äußerer Erscheinung wider - Vier Jahre nach seiner ersten Vertragsunterschrift sind die Haare deutlich grauer



Guardiola hinterließ dabei nicht nur 13 Titel in vier Jahren. Er veränderte den Fußball aufgrund seiner Spielphilosophie und dem Hang zum Perfektionismus, bildete zugleich das Grundgerüst, das den FC Barcelona auch in den Folgejahren prägen sollte. Noch immer erinnern sich viele an die wohl erfolgreichste Zeit der Vereinsgeschichte - Pep Guardiola hat sich ein Denkmal bei seinem Heimatverein geschaffen.