Uli Hoeness

Transfers, Rafinha, Kovac und Co: Hoeneß plaudert aus dem Nähkästchen

Am Sonntagmittag hat FC Bayern München-Präsident Uli Hoeneß im Sport1-Doppelpass einen amüsanten, aber teils ungewohnt demütig und offenkundig ehrlichen Auftritt hingelegt. Der 67-Jährige sprach über den Umbruch, über die Alt-Stars (Franck Ribery, Arjen Robben), über Trainer Niko Kovac und vieles mehr. 

19. Bayern ist bereit, die Meisterschaft für die Altgedienten zu opfern

"Einen Soft Brexit (soll hier heißen: Umbruch) hinzulegen, das ist die Kunst. Wir sind bereit, in einem Jahr auch mal die Meisterschaft zu opfern, um denen (Arjen Robben und Franck Ribery) einen würdigen Abgang zu bereiten. Ich habe in meinem Leben mehr als 50 Titel gewonnen, da kommt‘s auf den einen mehr oder weniger auch nicht an. Wir standen immer oben - was ist in diesem Land los?", fragte sich der sonst so ehrgeizige Hoeneß mit demütigem Unterton. 

18. Über den Umbruch

In den letzten Monaten wurde dem FC Bayern immer wieder vorgeworfen, zu sehr auf Alte und Erfahrene zu vertrauen, und die jungen Spieler dabei zu vernachlässigen. Hoeneß kann mit der Kritik nichts anfangen: "Den Schmarrn kann ich nicht mehr hören. Wenn wir zu dem Kader noch mehr Topspieler hätten... jetzt schimpft sogar schon der Rafinha. Corentin Tolisso, ein Weltmeister, ist beispielsweise verletzt. Entweder ist unser Kader zu dünn oder unser Kader ist nicht zu dünn. Je mehr Spieler wir noch holen, desto mehr Munition habt ihr Journalisten. Die Munition wollen wir euch nicht geben", wetterte Hoeneß.

17. Über das Champions-League-Hinspiel in Liverpool (0:0)

"Ich habe mir das Match nochmal angeschaut. Das war Rasenschach auf höchstem Niveau. Am Fernseher erkennt man die Fehler besser, im Stadion ist man zu emotional", erklärte Hoeneß. Seiner Meinung nach habe der Rekordmeister gegen den FC Liverpool an der Anfield Road famos gespielt und alle Chancen auf ein Weiterkommen im Rückspiel in der Allianz Arena offengelassen. Im Verlaufe der Sendung sagte Hoeneß mit einem Lächeln: "Ein bisschen hatten wir schon die Hosen voll."

16. Über kommende Top-Transfers

Anscheinend wird der FC Bayern im Sommer 2019 kräftig investieren. "Unser Sportdirektor macht einen super Job. Wir haben entschieden, uns ein Jahr zurückzuhalten und erst nächste Saison zu klotzen. Wenn sie wüssten, was wir schon für nächstes Jahr haben", sagte Hoeneß süffisant. Moderator Helmer wollte daraufhin wissen, ob Hoeneß die ersten Namen schon vermelden könne. Der Bayern-Präsident antwortete: "Wenn wir das rausposaunen, sind Spieler im aktuellen Kader vielleicht beleidigt." Dass die Stimmung in der Kabine positiv ist, scheint Hoeneß sehr wichtig zu sein. 

15. Über die Grundgesetz-Pressekonferenz im Oktober 2018

Im Oktober 2018 hatte der FC Bayern München eine denkwürdige Pressekonferenz gegeben. Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge berief sich sogar auf die unantastbare Menschenwürde. Vier Monate später ist Hoeneß einsichtig und hält die Pressekonferenz für einen Fehler: "Die Pressekonferenz würden wir heute nicht mehr so machen. Wir haben auch Fehler gemacht. Wir haben jahrelang die Journalisten nicht mehr zum Essen eingeladen."

14. Über Trainer Niko Kovac

Angesprochen auf die Arbeit von Trainer Niko Kovac betont Hoeneß die positive Entwicklung des Kroaten. "Anfangs wollte er ein Kumpeltyp sein, das hat er längst geändert", betont Hoeneß. Kovac sei ein "hochintelligenter Trainer. Er hat sich hervorragend eingearbeitet in das schwierige Umfeld." Nach dem 3:3 der Bayern gegen Fortuna Düsseldorf habe man "zwei Tage nicht weitergewusst", sagte Hoeneß. Dennoch habe man "nicht den Trainer angepackt, sondern die Spieler. Die mussten kapieren, dass sie für den FC Bayern spielen, nicht für Kovac oder sich. Der Trainer war den Gesprächsrunden mit den Spielern dabei. Wir machen nichts hinten rum."

13. Wenn Bayern doch noch Meister wird...

"Unser Ziel ist es, die Nummer eins in Deutschland zu sein, auch in Europa. Es wurde kürzlich alles infrage gestellt. Ich hoffe, dass die Journalisten ihre Artikel aufgehoben haben. Wenn wir Meister werden, dann müssen sich einige entschuldigen", sagt Hoeneß süffisant. Sollte es am Ende jedoch nicht mehr für den Titel reichen, wäre "der Erste, der dem Watzke gratuliert, wenn Dortmund Meister wird."

12. Über Sebastian Rudy

Ende August 2018 verkauften die Bayern ihren Mittelfeldspieler Sebastian Rudy für 15 Millionen Euro an den FC Schalke. Bei den Königsblauen ist Rudy allerdings nicht durchgestartet. "Offensiv ist er toll, er ist ein fantastischer Offensivspieler. Kicken kann er. Aber er kann nicht den Martinez spielen. Das Kopfballspiel fehlt ihm. Wir wollten ihn behalten. Aber Rudy wollte einen Stammplatz. Deswegen hat er mit Schalke und Leipzig verhandelt. Wäre er geblieben, hätten wir uns gefreut", äußerte sich Hoeneß über den Abgang des Nationalspielers. 

11. Über James Rodriguez

Bei James Rodriguez sind die Bayern in einer komfortablen Situation. Im Sommer könnte Bayern eine Kaufoption über 42 Millionen Euro ziehen und den Kolumbianer somit fest verpflichten. Hoeneß klärte den aktuellen Stand der Dinge auf: "Bei ihm haben wir eine Option bis Ende Mai, die wir ziehen oder nicht. Da ist noch keine Entscheidung gefallen. Wenn wir die Option ziehen, muss er bleiben", hebte Hoeneß hervor. Allerdings sei noch alles offen. "Ich brauche keinen Spieler, den der Trainer nicht braucht. Wenn Kovac sagt, er braucht ihn, dann verpflichten wir ihn", sagte Hoeneß.

10. Über den Transferkandidaten Lucas Hernandez

Bereits im Winter kursierte der Name Lucas Hernandez als mögliches Transferobjekt der Bayern. Hoeneß gewährte Einblick: "Die Transfers werden teurer. Deswegen haben wir gespart. Wir sind vorbereitet für den Sommer. Wenn wir einen wie Lucas Hernández bekommen könnten, dann würden wir auch so viel Geld bezahlen." Allerdings bezeichnet er die Personalie nur als "lauwarmes" Gerücht. Im Raum steht eine Ablöse von 80 Millionen Euro. Bei Atletico Madrid besitzt der Außenverteidiger noch einen Vertrag bis 2024. 

9. Über Timo Werner

Timo Werner hat bei RB Leipzig bekanntlich einen Kontrakt bis 2020. Hoeneß sagte, Bayern könne auch in zwei Jahren Transfers abwickeln. Speziell ging Hoeneß aber nicht auf die Personalie ein: "Was wir im Sommer machen oder erst im übernächsten Jahr, weil Werner einen Vertrag bis 2020 hat, machen, verraten wir nicht." Zuletzt hatte Werner selbst gesagt, dass er sich mindestens ein Jahr unter Trainer Julian Nagelsmann vorstellen könnte, den es im kommenden Sommer von Hoffenheim nach Leipzig zieht. 

8. Über die 50+1-Regel

Immer wieder in der Diskussion steht die 50+1-Regel, die es Kapitalanlegern von Profiklubs nicht erlaubt, die Stimmenmehrheit bei Kapitalgesellschaften zu übernehmen, die ihre Profimannschaften ausgegliedert haben. Hoeneß weiß um die internationale Konkurrenzsituation und Klubs wie Paris St. Germain oder Manchester City, die sich dieser Regel nicht fügen müssen. 


"Wir müssen den Abstand gering halten. Ich möchte nicht, dass die 50+1-Regel kippt. Ich möchte mit unseren Möglichkeiten mithalten", stellt er klar: "Ich will, dass sich Fußballer entwickeln. Dass Fußballer von Fußballlehrern entwickelt werden. Vereine mit viel Geld kaufen Söldner. Wenn wir Spieler haben, die mit ganzem Herzen die Champions League für den FC Bayern gewinnen wollen, weiß ich nicht, ob das bei Paris auch so ist", sagte Hoeneß. Auf dem Gebiet der Identifikation mit dem Verein könnten die finanzstärksten Klubs also Nachteile haben - trotz des Geldes.  

7. Über den Nachwuchs

Seit David Alaba hat kein Spieler aus der eigenen Jugend des FC Bayern den Schritt als Leistungsträger in den Profikader geschafft. Hoeneß glaubt, dass sich das bald ändern wird. "Wir haben zwei, drei Jugendliche, die sich gut machen. Ich bin überzeugt, dass wir die nächsten Jahre Spieler aus dem Nachwuchsleistungszentrum in unserem Kader haben werden", vermutete Hoeneß. 

6. Über Oliver Kahn als mögliches Vorstandsmitglied

Es ist kein Geheimnis, dass der FC Bayern in Gesprächen mit Oliver Kahn ist. "Ich glaube, der Oliver könnte sich das vorstellen. Wir sind im Gespräch. Beim FC Bayern läuft das sauber ab. Wir werden das mit dem Aufsichtsrat besprechen und dann werden wir mit Kahn sprechen", sagt Hoeneß: "Wir haben Zeit, bisher ist es lediglich eine gute Idee. Wir verhandeln immer nur mit einer Person auf einer Position. Bei uns gibt es nur die 1A-Lösung." Borussia Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl "spiele keine Rolle", verriet Hoeneß. 

5. Über Jerome Boateng und Mats Hummels

In der Hinrunde waren die beiden Innenverteidiger Mats Hummels und Jerome Boateng in einer Formkrise. Zuletzt war gerade Hummels wieder im Aufwind, besonders im Spiel in Liverpool. Jerome Boateng ist aktuell nur noch dritte Wahl, wenn Hummels und Niklas Süle fit sind. "Das sind Spieler, die immer spielen wollen. Die sind unzufrieden, wenn sie nicht spielen. Wir werden sehen, welche Transfers wir tätigen", erklärte Hoeneß. 

4. Über die Kritik von Dietmar Hamann an Robert Lewandowski

Auch Hoeneß hat sich in den Disput zwischen Bayern München und sky-Experte Dietmar Hamann eingeschaltet. Der ehemalige Münchner-Profi Dietmar Hamann hatte sich zuletzt über Robert Lewandowski ausgelassen, und dabei Kritik von Lewandowski selbst und Sportdirektor Hasan Salihamidzic geerntet. "Hamann spielt den Besserwisser. Karl-Heinz (Rummenigge) hat mal mit ihm gesprochen. Er hat es noch nicht so eingesehen", sagt Hoeneß: "Er hat in der fünften Liga kurz einen Job gehabt. Er tut so als wäre er Guardiola und Mourinho zusammen."

3. Über Robert Lewandowski

Hoeneß sprach auch über den nicht immer leichten Charakter Robert Lewandowski und die Situation, wenn der Pole mal verletzt wäre. "Mittelfristig brauchen wir ihn schon. Mit Thomas Müller und Serge Gnabry hätten wir kurzfristige Lösungen. Mittelfristig brauchen wir aber auch Lösungen. Wir brauchen einen, um ihn zu entlasten. Er will immer spielen. Wir sind bei Lewy stur geblieben. Karl-Heinz hat mit ihm gesprochen. Wir waren uns einig, dass wir Robert nicht gehen lassen wollen", betonte Hoeneß. Im letzten Sommer hatte es Berichte gegeben, wonach Lewandowski einem Wechsel zu Real Madrid nicht abgeneigt wäre. 

2. Über Franck Ribery und Arjen Robben

Laut Hoeneß falle es vor allem dem bald 36-jährigen Ribery schwer, sich mit dem nahenden Karrierenede zu beschäftigen: "Ihm fällt das Aufhören schwer. Aber es wird das letzte Jahr sein. Wir organisieren den beiden, Robben und Ribéry, ein großes Abschiedsspiel. Franck wird das nie akzeptieren. Er würde spielen, bis er nicht mehr laufen kann. Dass er später in München leben wird, ist auch keine Frage. Wir werden eine Beschäftigung finden."

1. Über seine persönliche Zukunft

Gegen Ende der Sendung wurde Hoeneß auch zu seiner persönlichen Zukunft befragt. Der 67-Jährige sagte: "Ich entscheide zwischen dem 20. März und Ende Juni, ob ich weitermache. Wenn alles so passt, wie ich es mir vorstelle, werde ich irgendwann auf der Tribüne sitzen und mir die Spiele in Ruhe anschauen."