Die Bundesliga erlebt in dieser Saison nach vielen eintönigen Jahren auch in der Spitze wieder einen echten Kampf. Der Vorsprung von Tabellenführer Borussia Dortmund auf den ​FC Bayern München ist auf magere drei Zähler geschmolzen. Bei einer Niederlage der Dortmunder gegen Bayer Leverkusen und einem gleichzeitigen Erfolg gegen Hertha BSC Berlin könnten die Münchner gar mit dem BVB gleich ziehen. Felix Magath sieht seinen Ex-Verein ohnehin in der Favoritenrolle und bezeichnete den Spitzenreiter aus Dortmund im Eurosport-Format 'Mann gegen Mann' als nicht titelreif.


Speziell in der Hinrunde begeisterte der BVB, der im Sommer mit Lucien Favre einen Neuanfang wagte, auf dem Platz. Borussia Dortmund spielte attraktiven, schnellen und offensiven Fußball, erzielte zudem zahlreiche Tore und enteilte dem FC Bayern mit zwischenzeitlich neun Punkten Vorsprung. Dieser ist mittlerweile um zwei Drittel geschrumpft, nachdem die Mannschaft in den letzten drei Ligaspielen nur drei Mal Unentschieden spielte und zugleich im DFB-Pokal und in der Champions League herbe Niederlagen hinnehmen musste.


Für Felix Magath ist diese Entwicklung keine Überraschung. "Der BVB ist noch nicht reif für den Titel", lautet das harte Urteil des früheren Trainers des FC Bayern (2004 - 2007). "Lucien Favre hat wunderbare Arbeit geliefert. Man hat sich zu Saisonbeginn in eine Euphorie hineingespielt. Die Euphorie hält eine Zeit lang, mittlerweile verfliegt sie aber wieder und dann kommen andere Mechanismen zur Wirkung."

Lucien Favre

  Hatte in den vergangenen Wochen wenig Grund zur Freude: BVB-Trainer Lucien Favre



In den vergangenen Monaten blieb der BVB über 90 Minuten dominant, konnte auch in der zweiten Halbzeit immer wieder nachlegen und erzielte so besonders nach der Pause immer wieder viele, teils spielentscheidende, Tore. So drehte man gegen im direkten Duell gegen die Bayern gleich zwei Mal einen Rückstand, und auch gegen den FC Augsburg (4:3) und Bayer Leverkusen (4:2) ließ man sich keineswegs aus der Ruhe bringen.


Mittlerweile zeigt sich jedoch, dass Spiele auch in die andere Richtung verlaufen können: Im Pokal-Achtelfinale gegen Werder Bremen ging die Borussia in der Verlängerung zwei Mal in Führung, beide Male fiel der Ausgleich - wenig später folgte das Aus im Elfmeterschießen. Bei den Tottenham Hotspur hielt die Mannschaft in Durchgang eins mit, nach dem Seitenwechsel übernahmen jedoch die Nord-Londoner die Oberhand und gewannen verdient mit 3:0. Als Höhepunkt gilt jedoch das 3:3 gegen Hoffenheim, obwohl der BVB zwischenzeitlich mit 3:0 in Führung lag.


Magath: "Die Bayern machen es"


Laut Magath würden "Qualitäten im Kader" fehlen, die beispielsweise der FC Bayern besitze. Daher sieht er die Schuld keineswegs bei Trainer Lucien Favre: "Favre ist ein Top-Mann. Problematischer sind halt die Spieler." 


So sei der BVB zu stark von Kapitän Marco Reus abhängig, allerdings fehlt der 29-Jährige immer wieder verletzungsbedingt - so auch aktuell. "Als Trainer ist es schwer mit einem Spieler wie Marco Reus. Wenn du eine Mannschaft, einen Spieler hast, der absoluter Leistungsträger ist, der aber oft ausfällt, hast du als Trainer ein Problem. Er muss ja ständig wechseln, er muss ja etwas anderes machen. Leider fällt er ihm aus."


Daher schreibt Magath seinem Ex-Verein die besseren Karten im Kampf um die Schale zu: "Ich sage, die Bayern machen es." Doch der Rekordmeister wird erst einmal den Rückstand aufholen müssen, um die Tabellenführung zu erobern.