Wer den Renato Sanches (21) vor Augen hat, der vor gut zweieinhalb Jahren erheblichen Anteil daran hatte, dass sich Portugal zum ersten Mal in seiner Geschichte zum Europameister küren konnte, wird den aktuellen Renato Sanches, der zur Zeit ein recht trostloses Dasein als Dauerreservist beim ​FC Bayern München fristet, nicht wiedererkennen. Doch es ist tatsächlich derselbe Spieler. Sein Trainer Niko Kovac versucht es jetzt mal auf die weiche Tour. Ob´s hilft?


Im Sommer 2016 noch als eines der heißesten Verprechen im Weltfußball gehandelt, ist der Wert der Aktie Renato Sanches seit seinem Transfer von Benfica Lissabon zum FC Bayern (für 35 Millionen Euro) rapide gesunken. In diesen 30 Monaten kam der Mittelfeld-Akteur auf gerade mal 44 Einsätze (sechs davon von Beginn an). 


Es gibt mittlerweile achtzehnjährige ​Bundesliga-Spieler, die schon mehr Einsätze auf dem Buckel haben. In München fragt man sich deshalb allenthalben, wie man das zweifellos hochveranlagte Talent wieder flott kriegt. Eine Leihe zum walisischen Premier-League-Klub Swansea City in der Saison 2017/18 brachte nichts, schien eher kontraproduktiv für seine Entwicklung zu sein. Nach seiner Rückkehr nach München versuchte man es mit scharfen Ansagen - ebenfalls ohne Erfolg. 


Jetzt hat Kovac das Zuckerbrot herausgeholt. Vielleicht klappt es ja mit schmeichelnden Worten. Am Donnerstag konnte man den Trainer beim Training an der Säbener Straße beobachten, wie er sein Sorgenkind in den Arm nahm, ihm gut zuredete. Kovac gegenüber der Bild: "Renato ist im Moment nicht der Glücklichste, weil er wenig spielt. Ich habe ihm aber gesagt, er soll weitermachen. Er trainiert gut, ist fleißig und freundlich." 

Renato Sanches,James Rodriguez

Kurzarbeiter: Renato Sanches kam in Liverpool kurz vor Spielende für James in die Partie


Renato Sanches wird wohl auch in den kommenden Wochen Zuspruch nötig haben. Denn nach einem kurzen Zwischenhoch im November letzten Jahres, inklusiver Gala-Vorstellung gegen seinen Ex-Klub Benfica in der ​Champions-League-Gruppenphase, läuft es momentan wieder so, wie schon seit seiner Ankunft in München: er spielt nicht genug, um in einen gewissen Flow zu kommen. Mehr als das: er spielt fast gar nicht. 13 mickrige Spielminuten (elf davon in der Liga) stehen bislang im Jahr 2019 zu Buche. Auch gegen den FC Liverpool durfte er lediglich die Schlussminuten von der Uhr nehmen. 


Umso unverständlicher eigentlich die Weigerung der Bosse, ihn im Winter ziehen zu lassen. Paris St.Germain war stark an seiner Verpflichtung interessiert, wie auch schon in der Sommer-Transferperiode ein halbes Jahr zuvor - und soll um die 30 Millionen Euro geboten haben. Doch Rummenigge und Co lehnten ab. Sollte die Leistungskurve des Portugiesen jedoch nicht bald deutlich in die Höhe schnellen, ist kaum vorstellbar, dass die Bayern ein weiteres Angebot der Konkurrenz ausschlagen werden. ​