​Der ​FSV Mainz 05 hat mit seinem ​Trainer Sandro Schwarz bis 2022 verlängert. Der Bundesligist spricht von einem "wichtigen Schritt für die Stabilität" - die jedoch könnte sich schnell als Stagnation entpuppen. 


Auf den ersten Blick ist es eine schöne Geschichte: Auch für die nächsten Spielzeiten spricht die Vereinsleitung des FSV Mainz 05 Sandro Schwarz, dem Mann, der sich in den vergangenen fünf Jahren in Mainz seine eigene Trainerkarriere hart erarbeitet hat, ihr Vertrauen aus. Für den 40-Jährigen, der vor den Profis schon die U19 und zweite Mannschaft der Rheinhessen trainiert hat, eine tolle Bestätigung. Doch ist die Verlängerung auch sportlich die richtige Entscheidung für einen Bundesliga-Klub, der sich seit drei Jahren im unteren Mittelfeld der Tabelle herumtreibt?

Zugegeben: Als Schwarz im Juli 2017 die Mannschaft übernahm, sah es in Mainz schlechter aus als heute. Nur dank einer besseren Tordifferenz hatte sich der FSV damals um die Relegation drücken können. Der neue Coach kam, sah und, na ja, führte Mainz immerhin auf den 14. Tabellenplatz - einen Rang höher und drei Punkte weiter von der Relegation entfernt als im Vorjahr. In dieser Saison nun steht Mainz 05 in der Liga aktuell sogar auf dem elften Platz - wieder eine Verbesserung. Es stimmt also: Es gibt eine positive Entwicklung, wenn auch nur eine geringe. Die Rheinhessen, seit jeher mit dem Ruf, nicht einfach besiegbar zu sein, sind auch in der zehnten Bundesliga-Saison in Folge eine solide Erstliga-Mannschaft. Zum Problem könnte zukünftig nur werden, dass sie auch ein gutes Stück davon entfernt sind, mehr zu sein als das. 


Denn die gerade zu Beginn der aktuellen Spielzeit häufig stabilen Defensivleistungen schaffen es nicht zu kompensieren, dass in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt auch die viertschwächste Offensive der Bundesliga aufläuft. Dazu gelingt es dem Klub bislang nicht, den Kader zu verbessern, weil eigene gute Spieler häufig schnell abgeworben werden. So verließen mit Diallo, Muto und Serdar allein im letzten Sommer drei starke, talentierte Mainzer den Verein - und warum? Weil sie beim FSV leider keine Perspektive sehen - und das impliziert leider auch die Arbeit des Trainers.

Abdou Diallo

Abdou Diallo wechselte nach nur einem Jahr in Mainz zu Borussia Dortmund



Was aber sieht der Verein in Schwarz, was den Profis offenbar verborgen bleibt? Wenn die Antwort "nichts" ist und die Rheinhessen lediglich ihren Ruf als "solide" und "unangenehm zu spielen" aufrecht erhalten möchten, ist das legitim. In diesem Fall hat Sportvorstand Rouven Schröder Recht, wenn er sagt, die Verlängerung des 40-Jährigen sorge für "Stabilität". Nur mutet Stabilität im Falle von Mainz 05 ein wenig wie Stagnation an, wie Stillstand, wie Zufriedenheit. Zufriedenheit mit der Tatsache, dass man ja immerhin mit dem Abstieg nichts zu tun hat, während in der Liga dennoch mehr Niederlagen als Siege zu Buche stehen. 


Bei aller lobenswerten Loyalität, die in der Vertragsverlängerung von Verein und Trainer ausgedrückt werden, bei aller Stabilität, die sie tatsächlich bringen mag, müssen die Rheinhessen deshalb fortan wohl auch mit dem Vorwurf eines gewissen Mangels an Ambition leben, der in Mainz nicht erst heute Einzug hält.