​Ja, der ​FC Bayern ist der Ursprung allen Übels und macht uns die ​Bundesliga kaputt - zumindest bis letzte Saison. Aber heute, da der Rekordmeister in Liverpool quasi Außenseiter ist und Dortmund das erste deutsch-englische Duell schon in den Sand gesetzt hat - warum nicht mal für die Bayern sein?


Es gibt Bundesliga-Fans, die gucken immer gleich Champions League - unbeteiligt und emotionslos. Und warum sollte man sich auch als Hannover-Fan von etwas mitreißen lassen, was mit sportlichen Höchstleistungen zu tun hat - vor der eigenen Haustür gibt es genug zu kehren. Als Unterstützer bestimmter Klubs ist das internationale Geschäft so weit entfernt, dass man es nur noch verfolgt, um nicht zu vergessen, wie Fußball aussehen kann, wenn ein Verein eine gewisse Struktur an den Tag legt - und Unmengen Geldes auf den Tisch. 


Als Supporter schlechterer Bundesliga-Teams hat man dann mehrere Möglichkeiten: Mancher sucht sich einen "Zweitklub" aus einem anderen Land, um auch in der Woche mal wieder etwas Aufregung zu erleben. Andere sind einfach für Messi oder Ronaldo oder gegen Messi oder gegen Ronaldo oder gegen die Kommerzialisierung im Fußball und überhaupt "ist das nicht mehr der Sport, der er mal war" und "früher hätte es das nicht gegeben". Für die übrigen deutschen Fußball-Narren gibt es immer noch eine letzte bewährte Devise: Bundesliga-Vereine unterstützen - abgesehen von den Bayern. 

Niko Kovac

Beim letzten Pflichtspiel des FC Bayern gegen Liverpool stand Kovac noch auf dem Platz



Nur nicht die Bayern - das ist eine Einstellung, die sich über Jahre und Jahrzehnte mehr und mehr in den Köpfen zahlreicher Fans eingebrannt hat. Wer nicht den Text von "FC Bayern, Stern des Südens" fehlerfrei aufsagen kann, der ist im Normalfall gegen die Münchner - immer. Die ewige Bundesliga-Herrschaft des FCB, die die höchste deutsche Spielklasse zeitweise zu einem Rennen um Platz zwei verkommen ließ, hat viele Verdrossene hinterlassen. Es ist diese Verachtung, mit der sich der Rekordmeister gern schmückt, die Grund dafür ist, dass Uli Hoeneß und seinem Verein (aber vor allem Uli Hoeneß) nichts mehr gegönnt wird. Da ist es egal, dass es in der Champions League gar nicht gegen den eigenen Lieblingsverein geht. 


Nur ist es in dieser Saison so, dass alles etwas anders ist. Denn die Machtverhältnisse haben sich verschoben. Der FC Bayern zeigt - fast wöchentlich - Schwächen. National bedeutet das, nun, immerhin mal nicht die Tabellenspitze, international schon im Champions-League-Achtelfinale gegen den ​FC Liverpool eine ungewohnte Außenseiterrolle für die Mannschaft von Niko Kovac. Und während Unterstützer des ​BVB es schwer haben werden, auf ihren Erzrivalen und gegen ihren geliebten Ex-Trainer zu setzen, sollte sich für andere Fans des gepflegten Bundesliga-Kicks die Frage stellen: Ist es vielleicht sogar okay mal zu den Münchnern zu halten?


Denn nüchtern betrachtet, ist internationaler Erfolg deutscher Mannschaften - auch der der Bayern - gut für die Erstligisten. Mit Blick auf die Fünf-Jahres-Wertung ist die Mannschaft, denen die Bundesliga in erster Linie seine vier CL-Plätze zu verdanken hat, der Rekordmeister. Der hat zum aktuellen Zeitpunkt noch dazu die besten Chancen, sich nicht gänzlich zu blamieren, womöglich sogar weitere Punkte für die deutschen Liga zu sammeln und sich für das Viertelfinale der Königsklasse zu qualifizieren. Sicher wartet in Anfield eine der besten Mannschaften der Welt, aber wer soll sonst für die Bundesliga werben? Dortmund? Die Borussia wird größte Mühe haben ein 0:3 aus dem Hinspiel zu drehen. Und ​Schalke, der aktuell 14. der Bundesliga? Gegen ​Manchester City?... Schwer vorstellbar.


Und so ist es womöglich an der Zeit, das gute alte "alle, nur nicht die Bayern" aus den Köpfen zu verbannen - zumindest für den Moment. Und wer weiß: Vielleicht kann der FC Bayern ja als etwas weniger arroganter Außenseiter, wenn vielleicht auch nicht das Champions-League-Achtelfinale, in den nächsten Wochen wenigstens ein paar Sympathien gewinnen.