Es war bislang nicht die Saison des Leon Bailey. In der vergangenen Spielzeit noch als Shootingsstar abgefeiert und mit internationalen Topklubs in Verbindung gebracht worden, war diese Saison bislang steinig für den Jamaikaner. Wie seine gesamte bisherige Karriere, in der er es nie leicht hatte und sich dennoch immer wieder durchbiss.


Angefangen hat alles in einer halbprofessionellen Akademie in Jamaika. In der Phoenix Academy der Phoenix All Stars fiel er das erste Mal auf. Sein Adoptivvater Craig Butler nahm ihn schließlich unter seine Fittiche und nahm ihn mit nach Österreich. Probetraining im Februar bei Eiseskälte – für einen Jungen einer Karibikinsel, die Schnee nur aus dem TV kennt, alles andere als leicht.


„Es war so schwer, das kann ich euch sagen – eine der schwersten und härtesten Phasen meines Lebens“, erklärt Bailey im britischen Onlinemagazin fourfourtwo.com. „Es hat mir viel gezeigt und mich viel gelehrt, vor allem in einem so kalten Land. Ich habe noch nie mit solch einem Wetter vorher zu tun gehabt. Wir waren überhaupt nicht vorbereitet, hatten nicht mal Kleidung, die warm genug war.“


Letztlich aber war der Wille, Fußballprofi zu werden, größer, als alle Widrigkeiten. Vier Jahre sah er seine Mutter nicht, stattdessen zogen er und seine beiden „Brüder“, wie er sagt, von Hotel zu Hotel, absolvierten Probetrainings und boten sich überall an. Zwar entschied sich Salzburg gegen ihn, doch er kam bei einem Farmteam, dem USK Anif unter. Dort soll er in 16 Spielen für die U15 75 Tore geschossen haben, so heißt es.


In der Zwischenzeit wurden auch andere Vereine auf den jungen Bailey aufmerksam, Genk und Ajax wurden hellhörig. 2012 ging es schließlich nach Belgien zum KRC Genk, wo Butler es schaffte, alle drei Jungs unterzubringen, obwohl man dort nur Leon Bailey wollte. Dann aber verschwand Butler nach Mexiko, um Papiere in Ordnung zu bringen, wie es heißt, die drei Jungs mussten sich selbst durchkämpfen.


In Mexiko aber war Butler vier Monate verschollen, er wurde gekidnappt. In Genk kümmerte man sich daher um Bailey und seine Brüder und versorgte sie mit allem inklusive einer Schulausbildung. „Es brauchte einige Zeit, bis wir verstanden, was mit ihm passiert war“, so Bailey. Dennoch schafften er und seine Brüder es, aufeinander aufzupassen und den Fokus zu halten.


Mit der Rückkehr von Butler wurde die Situation allerdings nicht besser. Der Manager war ein gebrochener Mann, zudem riefen seine Machenschaften die Regierung in Belgien auf den Plan, am Ende mussten alle nach Jamaika zurück, obwohl Bailey weiter hochbegehrt war. 2015 kehrten sie schließlich nach Europa zurück, Ajax wollte den 17-jährigen Bailey verpflichten. Aufgrund seines Alters war dies jedoch nicht möglich. Schließlich griff der slowakische Klub AS Trencin bei ihm und seinem älteren Bruder Kyle zu. Allerdings blieben sie auch dort nur wenige Monate, als Leon 18 wurde, griff Genk schließlich zu.


Dort ging es dann schnell steil nach oben. Er wurde Belgiens „Young Professional Footballer of the Year“ und schoss den Klub in der Europa League 2016/17 unter die letzten Acht, wo man schlussendlich Celta Vigo unterlag. Am Ende drangen sogar Gerüchte an sein Ohr, wonach der ​FC Chelsea schließlich interessiert gewesen sein soll. Er entschied sich aber für ​Bayer Leverkusen, die ihn ein halbes Jahr eher als geplant für 13,5 Millionen Euro aus Genk loseisten. Der Rest ist Geschichte.