Der FC Schalke 04 lebt in Extremen. Nach der überaus erfolgreichen Vorsaison kommt der Vizemeister nicht in Tritt und hat auf vielen Ebenen mit Problemen zu kämpfen. In der Bundesliga besteht kaum noch Hoffnung darauf, den Anschluss an die Europapokalplätze herzustellen - und auch in der Champions League wird es kaum über das Achtelfinale hinausgehen. Der einzige Trumpf wäre der DFB-Pokal, doch auch dort ist die Konkurrenz in Anbetracht der übrigen Teilnehmer schier zu groß.


Nachdem man im Vorjahr zwar nicht durch fußballerische Klasse, dafür aber durch Mentalität und mannschaftlicher Geschlossenheit glänzte, ist der FC Schalke aktuell in der Bundesliga im fast schon bedeutungslosen Mittelmaß. Der Vorsprung auf die Abstiegszone beträgt acht Punkte, der Rückstand auf Platz sechs beträgt derweil neun Zähler. 


Schalke kommt nicht in Tritt. Die Saison war bereits mit dem schwachen Start mit fünf Niederlagen in der Liga gebrandmarkt, wobei sich die spielerischen Schwächen erstmals klar offenbarten. Es fehlte Tempo, Dynamik und die Gefahr im Abschluss. Doch verschwunden sind die Sorgen keinesfalls.

Christian Heidel

  Tat sich auf dem Transfermarkt äußerst schwer: Sport-Vorstand Christian Heidel


Stattdessen werden sie immer größer. Regelmäßig ärgert sich Domenico Tedesco über Schiedsrichterentscheidungen gegen seine Mannschaft, zudem haben die Spieler in dieser Saison mit enormen Verletzungsproblemen zu kämpfen. Schon seit einigen Monaten fehlen Breel Embolo (Fußbruch) und Guido Burgstaller (Achillessehnenreizung) im Sturm, Mark Uth war nach seiner Verletzung erst zur Rückrunde wieder bereit.


Doch aktuell fehlen auch Steven Srkzybski, Amine Harit (beide Muskelfaserriss), Alessandro Schöpf (Außenbandanriss im Knie) und Benjamin Stambouli (Jochbeinbruch). Zwar konnte der Ausfall von Stambouli mit der Verpflichtung von Jeffrey Bruma kompensiert werden, doch das Verletzungspech zieht sich auf Schalke wie ein roter Faden.


Erneute Kritik am Unparteiischen


Die jüngste 0:2-Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach wurde aus der Sicht der Verantwortlichen in einer Szene entschieden: Torhüter Alexander Nübel greift gegen Thorgan Hazard unmittelbar vor der Strafraumgrenze zu einem Foulspiel, erhält dafür die Rote Karte. Die Hauptkritik der Schalker lautete dabei, dass der Freistoß zu weit vorne ausgeführt wurde.


Tatsächlich resultierte der Freistoß aus einem Foul in der Gladbacher Hälfte am Mittelkreis - die Ausführung erfolgte allerdings gut zehn Meter weiter vorne. Der Grund hierfür: Abwehrspieler Salif Sané nahm den Ball auf seinem Weg zurück mit, wohl um Zeit zu schinden. Dies nutzten die Gladbacher aus, Schiedsrichter Marco Fritz griff nicht ein.

Domenico Tedesco

   Immer wieder ärgert sich Domenico Tedesco über vermeintliche Fehlentscheidungen


"Der Gladbacher Freistoß vor dem Platzverweis wird zehn Meter zu weit vorne ausgeführt. Daraus entsteht die unglückliche Situation, in der man sicherlich eine Rote Karte geben kann", urteilte Daniel Caligiuri, der den Freistoß verschuldete, auf der vereinseigenen Website. Ärger machte sich auch bei Tedesco breit, allerdings nicht nur wegen dieser einen Szene: "Es ist mühsam über Fehlentscheidungen der Schiedsrichter zu reden, das wäre auch respektlos gegenüber Gladbach. Wir haben nicht nur aufgrund der einen Situation verloren. Mir geht es um die Summe in dieser Saison. Das ist extrem bitter für uns."


So kam es, dass S04 in Unterzahl agieren musste und in den Schlussminuten der Partie geschlagen wurde. "Wir haben viel Aufwand betrieben, aber wenig Torchancen kreiert. Diesen Vorwurf müssen wir uns machen", so Tedesco, während man in Caligiuris Augen bewiesen habe, "dass in unseren Herzen Mentalität steckt und dass wir spielerisch im Vergleich zur Hinrunde einen Schritt nach vorne gemacht haben."


Bis zum Saisonende wird es ein ungemütlicher Spaziergang


Doch Mentalität und die aktuellen Fortschritte helfen nicht, wenn die Punkte fehlen. 22 Punkte sind zu wenig für einen ambitionierten Verein wie Schalke, der sich nach einem ruhigen und guten Jahr wieder auf dem absteigenden Ast befindet. Schon jetzt scheint es, als wäre die Saison gelaufen.


Einzig der DFB-Pokal könnte die Schattenseiten ein wenig überdecken. In der Champions League sind die Aussichten auf ein Weiterkommen gegen Manchester City und Pep Guardiola schwach, weshalb man dieses Duell als einen Bonus ansehen dürfte. In der Bundesliga fehlt die Konstanz, um den Anschluss an die internationalen Plätze herzustellen, doch im Pokal ist weiterhin alles drin.


Der nächste Gegner lautet allerdings Fortuna Düsseldorf. Der Aufsteiger kann ebenfalls 22 Zähler in der Liga vorweisen, gewann vier der letzten sechs Partien und trotzte jüngst der TSG Hoffenheim ein Unentschieden ab. Auf dem Papier ist S04 Favorit, doch die Fortuna ist schwer zu bespielen. Sollte es im Achtelfinale eine weitere Niederlage geben, würden die meisten wohl am liebsten die Saison schon beenden.