Mit dem 2:0-Sieg über den FC Schalke 04 zog Borussia Mönchengladbach wieder mit dem FC Bayern München gleich und liegt aufgrund der besseren Tordifferenz auf dem zweiten Tabellenplatz. Die 'Fohlen' spielen bislang eine phänomenale Saison, doch kann die Mannschaft von Dieter Hecking tatsächlich um den Titel mitspielen? 


Wie schon in der Vorwoche gegen den FC Augsburg musste die Borussia lange auf ihr erstes Tor warten, doch die Geduld zahlte sich aus: In der 85. Minute traf Christoph Kramer zum 1:0, kurz vor Schluss erhöhte Florian Neuhaus und machte den Deckel drauf. Nach 20 Spielen haben die Gladbacher bereits 42 Punkte auf ihrem Konto - elf mehr als noch vor einem Jahr.


Zuletzt konnte die Mannschaft in der Saison 2011/12 die 40-Punkte-Marke nach dem 20. Spieltag knacken, doch die aktuelle Punkteausbeute bedeutet einen neuen Rekord. Bei drei Remis und vier Niederlagen gelangen den 'Fohlen' 13 Siege, die letzten drei Partien wurden allesamt gewonnen.


Bemerkenswert ist besonders die Leistung gegen den Ball: Mit 18 Gegentoren stellen Gladbach und RB Leipzig die beste Defensive. Torhüter Yann Sommer absolvierte zehn Partien zu Null - Bestwert unter den Bundesliga-Torhütern. Der Vorsprung auf Platz fünf beträgt zehn Punkte, weshalb der Verein mindestens mit der Europa League planen sollte, künftig vielleicht sogar mit der Champions League, für die man sich zum ersten Mal nach drei Jahren wieder qualifizieren würde.


Gladbach wie gewandelt


Die kommenden Wochen dürfen durchaus als 'Wochen der Wahrheit' gelten: Nach dem Heimspiel gegen Hertha BSC Berlin folgt das Aufeinandertreffen mit Eintracht Frankfurt, danach trifft die Borussia auf den VfL Wolfsburg und Bayern München. In der Hinrunde gab es eine Niederlage gegen die Berliner sowie ein Unentschieden in Wolfsburg, doch derzeit scheint es auch möglich, dass alle vier Spiele ungeschlagen überstanden werden.


​Das liegt neben der Qualität in der Offensive vor allem an der neuen Mentalität: Gladbach spielt geduldig, bleibt bis zur letzten Sekunde ruhig und bemüht sich darum, den Gegner müde zu spielen. Mit einem ähnlichen Erfolgsrezept enteilt auch Borussia Dortmund an der Tabellenspitze. Souveränität, Ruhe und Geduld sind der Schlüssel, wenn man in der Bundesliga Punkte sammeln will.

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         Derzeit frohen Mutes: Trainer Dieter Hecking



Hinzu kommt die Breite des Kaders. Dieter Hecking hat wöchentlich die Qual der Wahl, kann zudem immer wieder von der Bank aus nachlegen. Die beiden Tore gegen Schalke wechselte Hecking ein - Kramer und Neuhaus begannen auf der Bank. Gegen den FC Augsburg traf Patrick Herrmann nach seiner Einwechslung, Joker-Tore sind alles andere als eine Seltenheit.


Wie stark die Mannschaft tatsächlich ist, beweist die aktuelle Serie von zwölf Heimsiegen in Folge. Der Rekord aus der Saison 1983/84 wurde bereits eingestellt, am kommenden Spieltag kann gegen die Hertha eine neue, alleinige Bestmarke aufgestellt werden. Doch ob es für den Titel reicht, ist fraglich.


Niemand beschäftigt sich ernsthaft mit der Meisterschaft


Der BVB ist sieben Punkte entfernt, lässt kaum Federn und punktet auch gegen die Konkurrenz. Zum Vergleich: Hätte Schwarz-Gelb sowohl gegen den FC Bayern als auch gegen Gladbach verloren, lägen die 'Fohlen' punktgleich mit dem Rekordmeister an der Tabellenspitze. Doch die Mannschaft von Lucien Favre leistete sich erst eine Niederlage, ist schier unaufhaltsam und lässt sich auch von einem 1:1 gegen Eintracht Frankfurt nicht unterkriegen.


Diese Konstanz fehlt den Gladbachern noch. Neben den Niederlagen gegen Dortmund und Hertha musste man sich auch gegen den SC Freiburg und RB Leipzig geschlagen geben, was im Rennen um die Meisterschaft in diesem Jahr beinahe schon als No-Go erscheint.

Christoph Kramer

   Auf dem Boden der Tatsachen: Christoph Kramer richtet den Blick lieber nach vorne, anstatt zu träumen



Ohnehin will sich niemand so wirklich mit der Tabellensituation befassen. Stattdessen richtet man den Blick von Spiel zu Spiel, ohne groß über mögliche Konsequenzen nachzudenken. "Wir sehen uns nicht als Dortmund-Jäger", sagte Kramer gegenüber dem ​kicker. "Natürlich sieht es gut aus, was das internationale Geschäft oder sogar die Champions League angeht, aber es macht keinen Sinn, nach 20 Spieltagen darüber zu sprechen. Wir müssen uns alles weiter hart erarbeiten."


Der BVB und die Münchner Bayern seien noch immer "ein Stück weit über uns", woran sich auch in naher Zukunft wenig ändern dürfte. Borussia Mönchengladbach wirkt derzeit allerdings wie die dritte Kraft in Deutschland und könnte dies auch nachhaltig werden, wenn Sportdirektor Max Eberl und Dieter Hecking weiterhin so gute Arbeit leisten und auf dem Platz eine Mannschaft steht, die so komplett ist, wie kaum zuvor in ihrer Vergangenheit.