Nach dem 1:0-Erfolg gegen Hertha BSC zeigt sich Belgier Koen Casteels ambitioniert. Mit seinem wiedererstarkten VfL Wolfsburg träumt der 26-jährige Schlussmann nach schwierigen Jahren von Europa. 


Seit 2015 spielt Koen Casteels beim ​VfL Wolfsburg. Die Jahre, die die Niedersachsen seitdem hinter sich haben, waren mehr als durchwachsen. Zunächst verpassten die Wölfe nur knapp die europäischen Platzierungen, dann folgten zwei Saisons in denen nur dank der Relegation die Liga gehalten werden konnte. Nun scheint es, als hätte der Werksklub wieder in die Spur gefunden. Mit 31 Punkten und auf dem sechsten Tabellenplatz wird der VfL nach langer Zeit mal wieder den eigenen Ansprüchen gerecht. Grund dafür ist nicht zuletzt der belgische Keeper, der sich über seine Wolfsburger Jahre zu einem gestandenen Bundesliga-Torhüter und Wolfsburger Leistungsträger gemausert hat. 


Schon in den schwachen Spielzeiten der letzten zwei Jahre hatte der heute 26-Jährige sich regelmäßig ausgezeichnet, war einer der wenigen Lichtblicke in einer ansonsten häufig konzeptlos scheinenden Truppe gewesen. In dieser Saison läuft es in Wolfsburg auch in der Offensive besser - was nicht heißt, dass Casteels beschäftigungslos wäre. Gegen Hertha BSC sicherte er seiner Mannschaft mit einigen guten Paraden den 1:0-Sieg. 

Koen Casteels

In 101 Spielen hütete Koen Casteels bereits das Wolfsburger Tor



Seine sechste weiße Weste der Saison bedeutet den drittbesten Wert der Bundesliga, überboten nur von ​Leipzigs Peter Gulacsi und Yann Sommer von ​Borussia Mönchengladbach - keine schlechte Gesellschaft. Während aber sowohl der Ungar als auch der Schweizer ihre jeweiligen Nationalmannschaften auf dem Platz repräsentieren dürfen, sitzt Casteels bei der belgischen Nationalmannschaft Spiel um Spiel nur auf der Bank. Grund dafür: Thibaut Courtois. Der ​Real-Madrid-Schlussmann ist für den Wolfsburg-Keeper das, was Manuel Neuer für Marc-André Ter Steegen ist. Schlimmer noch, Courtois ist auch noch genauso alt wie Casteels. 


Und so kommt es, dass der schnellste Weg, international Spielpraxis zu sammeln, für den Stammtorhüter der Wölfe womöglich über den Verein, über die Bundesliga führt. Auf die Frage, ob eine Qualifikation für Europa ein Saisonziel sei, zeigt sich der Keeper entsprechend angriffslustig: "Ich würde lügen, wenn ich nein sage. Dann hätte ich keine Ambitionen". Die aber hat der 26-Jährige, der sich endlich auch über die Bundesliga-Grenzen hinaus einen Namen machen möchte. Dabei vergisst der Belgier jedoch nicht, was er mit dem VfL schon hinter sich hat. Er wisse, "dass wir noch einen weiten Weg vor uns haben. Und wir wissen auch, woher wir kommen". Dass Wolfsburg aber in dieser Saison aber wohl nichts mit der Relegation zu tun haben wird, das liegt auch an Koen Casteels, der in der Bundesliga zu den Besten seiner Zunft gehört.