Mit einem Schlucken (oder wahlweise Ächzen oder Stöhnen) vernahm man hierzulande Anfang Dezember die Resultate der Auslosung für das Achtelfinale der ​Champions League. Einerseits hat das deutsch-englische Dreifachduell natürlich seinen unbestrittenen Reiz, andererseits ist die Gefahr, weitere Bundesliga-Vertreter (wenn nicht gar alle drei!) zu verlieren, größer denn je.


Zwei Wochen vor Beginn des Showdowns zwischen Premier League und Bundesliga sind mittlerweile ein paar Dinge in jeder der sechs Mannschaften passiert, positive wie negative. Einzig: an der Tendenz in den Prognosen, dass es wohl nur die Dortmunder Borussia bis ins Viertelfinale schafft, hat sich grundlegend nichts geändert. Doch der Reihe nach.


BVB vs. Tottenham


​Borussia Dortmund hat bislang einen souveränen, stabilen Eindruck in den beiden Spielen des Jahres gemacht. Ungeachtet der Kampfansagen aus München haben sie ihren Stiefel runtergespielt und die Maximalpunktzahl von sechs eingefahren. So können die Bayern spielen wie sie wollen - der Abstand nach ganz oben bleibt (vorerst) gleich. Einem unterkühlt, nüchternen Vortrag in Leipzig (bis dato zuhause ungeschlagen) folgte eine Zweidrittel-Leistung gegen die abstiegsbedrohten Hannoveraner. Dazu kamen keine neuen Verletzten. 

Serge Aurier,Raphael Guerreiro

Das sieht beim Gegner Tottenham Hotspur ganz anders aus. Nach Harry Kane verletzte sich nun auch dessen kongenialer Sturmpartner Dele Alli. Und auch dem dritten Akteur des Londoner Offensivtrios, Heung-Min Song, dürfte nach dem misslungenen, aber deswegen nicht weniger belastenden Asien-Cup die gespielten Minuten in den Arabischen Emiraten in den Knochen stecken. Wie sehr diese drei Spieler den Spurs fehlen, konnte man bei den letzten Liga- und FA-Cup-Auftritten beobachten. Tendenz: Dortmund kommt weiter.


FC Bayern vs. Liverpool


Bei dem zweiten Duell zwischen ​Bayern München und dem ​FC Liverpool ist die Ausgangslage ausgeglichener. Schienen die Reds bis tief in den Dezember scheinbar jeden Gegner der Welt schlagen zu können, hat die Niederlage bei den Citizens Anfang Januar für eine gewisse Abkühlung der Euphorie gesorgt. Zwar beeilte man sich im Anschluss zu behaupten, dass man nicht davon ausgegangen sei, die Liga ungeschlagen zu gewinnen und der Vorsprung gegenüber Guardiolas Mannen ja immer noch recht komfortabel sei, doch kam man nicht umhin, eine gewisse Anspannung bei Klopp und den Seinen zu verorten. Die Entschuldigung des Trainers nach der Liga-Pokal-Niederlage gegen FC Southampton ("Der Wind hat nicht geholfen") sorgte landesweit für Gelächter und Kopfschütteln. Bröckelt da etwa die bisher vorgezeigte Souveränität? Den Bayern könnte es nur recht sein. 


Allerdings: deren Auftritte in Hoffenheim und zuhause gegen den VfB waren zwar dem Ergebnis nach perfekt, aber vor allem die zweite Halbzeit in Sinsheim sowie die zentrale halbe Stunde der ersten gegen die Schwaben haben durchaus berechtigte Zweifel aufkommen lassen bezüglich der Champions-League-Tauglichkeit der Münchener. Tendenz: Liverpool kommt weiter.


Schalke vs. ManCity


Last but not least: das vielleicht, und schon im Vornherein, ungleichste Duell der drei - ​Manchester City gegen ​Schalke 04. Hätte der Autor vor Monatsfrist noch auf ein klares 8 oder 9 zu 1 im Gesamtergebnis getippt, hat sich daran eigentlich bis heute nicht viel geändert. Man braucht schon eine Menge königsblauen Optimismus, um mit Zuversicht in die beiden Duelle gegen die Skyblues zu gehen. Wie man es auch dreht und wendet: in allen drei Mannschaftsteilen sind die Engländer gefühlt doppelt oder dreifach besser aufgestellt als die Knappen. Hinzu kommt das zur Unzeit über die Westdeutschen hereingebrochene Verletzungspech (Schöpf, Stambouli und Skrzybski verletzten sich beim Gastspiel in Berlin und vergrößern damit das Lazarett und die Sorgen der Verantwortlichen). 


Im Gegensatz dazu haben sich Guardiolas Mannen im direkten Duell gegen ihren härtesten Rivalen zu Jahresbeginn eine positive Allgemeinstimmung erspielt und gehen beinahe ohne nennenswerten Ausfälle in die Spiele mit dem deutschen Vize-Meister. Tendenz: Manchester City kommt klar weiter.


Doch das Schöne am Fußball ist ja gerade, dass niemand weiß, wie´s ausgeht. In diesem Sinne können wir Fans uns einfach nur auf drei prickelnde Duelle mit der besten Liga der Welt freuen.