Vielleicht kennt ihr den Satz auch noch. An fast jedem Samstag, kurz vor acht Uhr abends, wurde er anlässlich der eingeblendeten Tabelle in der "Sportschau" gerne bemüht: "Das Mittelfeld der Tabelle wird angeführt von ...." . Oder es reichte bis XY, kurz vor den Abstiegsrängen. Meistens waren es mehrere Mannschaften, die mit höher ambitionierten Zielen (Europa) ob mangelnder Klasse nichts zu tun hatten und für darunter angesiedelte Vorhaben (Vermeidung des Abstiegs) zu stark waren. Doch mittlerweile ist diese Einteilung Stück für Stück erodiert. Eine Zweiklassen-Gesellschaft hat sich konstituiert in der höchsten deutschen Spielklasse. Ein Blick auf das aktuelle Tableau der ​Bundesliga macht es deutlich.


Vom Tabellensechsten TSG Hoffenheim (der sich für die Europa-League qualifizieren würde)  bis zum Elften (Werder Bremen) sind es gegenwärtig mal gerade zwei Pünktchen. Geht man ferner davon aus, dass die auf Tabellenplatz Zwölf stehenden Schalker ihren Marsch nach oben fortsetzen, hätten wir in einigen Wochen wohl eine nahezu archetypische Zweiklassengesellschaft. Zweidrittel der Erstligisten spielen dann um europäische Weihen, der Rest gegen den Abstieg. Ein tabellarisches Mittelfeld gibt es in dieser Konstellation gar nicht mehr. 


Diese Entwicklung ist nicht ganz neu. Bereits in den vergangenen Jahren wurde diese Tendenz immer deutlicher. Gründe hierfür zu finden, ist nicht ganz leicht. Was man beobachten konnte: Hinter den ​Bayern, die in den vergangenen Jahren der nationalen Konkurrenz etwas enteilt sind, haben sich eine bis zwei Handvoll Mannschaften formiert, deren Niveaustufen sich untereinander immer mehr angeglichen haben. Borussia Dortmund mag da noch eine Sonder-Rolle als seit wenigen Jahren einziger ernsthafter "Bayern-Verfolger" einnehmen, doch dann wird die Suche nach einer "dritten Mannschaft" im Lande schon kompliziert. Es gibt sie einfach nicht. 


Stattdessen gibt es mit Bayer Leverkusen, RB Leipzig, Borussia Mönchengladbach, TSG Hoffenheim und Schalke 04 mehrere Teams, die diesen Rang in den vergangenen Jahren, wenn auch teilweise nur sehr kurzfristig, beansprucht haben. Selbst einen VfL Wolfsburg (2014/15 noch Vize-Meister) müsste man hier nennen. Diesen Rang unter den ersten Drei über mehrere Jahre zu behaupten gelang indes keinem der genannten Klubs. Somit gibt es also einige Vereine, die für den ganz großen Wurf (Meister zu werden) nicht genug sind, die aber in einer nahezu perfekten Saison sogar den Platz hinter den Bayern, also die Vize-Meisterschaft, anpeilen können. Diese, von den Medien meist als "international ambitioniert" genannten Teams spielen dann zusammen mit jenen, die es Leid sind, Jahr für Jahr immer nur die langweilige Position des "gesicherten Mittelfeldes" als Ziel auszugeben (FSV Mainz, FC Augsburg, Hertha BSC). Die Gruppe der möglichen Europa-Fahrer wurde so Jahr für Jahr immer größer. 


Für Spannung im Meisterschaftsrennen sorgt dieser Umstand zwar leider nicht. Aber eine Liga, in der es für jeden entweder darum geht, Großes (Internationales) zu erreichen oder Schlimmes zu verhindern, hat ja auch ihren Reiz. So gesehen vermisst wohl keiner das früher so oft und gern zitierte Mittelfeld der Tabelle. ​