In England haben es junge Talente nicht leicht. Gerade Nachwuchsspieler aus den Top-Vereinen haben selten eine Chance, sich in der ersten Mannschaft durchzusetzen und werden daher regelmäßig verliehen. Der neueste Fall des ​FC Liverpool ist der des 19-jährigen Ben Woodburn, der nach einer erfolglosen Halbserie bei Sheffield United möglicherweise erneut verliehen wird, wie Trainer Jürgen Klopp auf der ​vereinseigenen Website erklärte.  


Der junge Linksaußen ist bereits neunfacher walisischer Nationalspieler, doch auf Vereinsebene lässt der Durchbruch noch immer auf sich warten. Woodburn spielt seit 2007 für die 'Reds', erhielt 2017 einen Profi-Vertrag und wurde im Sommer erstmals verliehen, um andernorts Spielpraxis zu sammeln.


Bei Zweitligist Sheffield United kommt er allerdings nur auf rund 400 Einsatzminuten in zehn Partien, nur elf Mal wurde er in der EFL Championship für den Kader nominiert. Nach einer Verletzung im November kehrte Woodburn zur Behandlung vorzeitig nach Liverpool zurück, im Januar einigten sich beide Klubs auf ein vorzeitiges Ende des Leihgeschäfts.


Wie Klopp bestätigte, seien mehrere Vereine daran interessiert, Woodburn bis Saisonende auszuleihen. Der 51-Jährige will seinen Schützling jedoch nicht um jeden Preis abgeben: "Wir müssen sehen. Es sind einige Vereine interessiert, aber um ehrlich zu sein gibt es für mich keinen Grund, ihn noch einmal zu verleihen, wenn ich von diesen Klubs keine Garantie erhalte, dass er spielen wird."

Man wolle junge Spieler mit Hilfe einer Leihe nicht "auf das Leben da draußen vorbereiten", sondern "ihnen die Chance geben, Fußball zu spielen." Doch wenn die Spieler auch bei ihren neuen Vereinen kaum eine Chance erhalten und sich stattdessen um einen Platz innerhalb der Mannschaft bemühen müssen, macht ein Transfer aus Sicht von Klopp keinen Sinn: "Du musst sie nicht verleihen, damit sie das lernen."


Fußball sei ein stellenweise "dreckiges Geschäft", in dem vor allem eins fehlt: Die Geduld. "Wenn du in zwei oder drei Spielen nicht überzeugst, denken die Leute 'Er hat es nicht mehr drauf' oder was auch immer", sagt Klopp, der gerade im Umgang mit jungen Nachwuchstalenten für die nötige Zeit plädiert: "Die Welt, die wir kreieren, setzt diese Jungs immer früher unter Druck. Solange wir geduldig bleiben und noch immer auf ihre Entwicklung warten können, ist alles in Ordnung. Sie können woanders hingehen, dort erfolgreich sein oder Pech haben, und dann kommen sie zurück, wir bewerten ihre Situation neu und versuchen, das Beste für sie zu machen."


Woodburn soll es wie Kent und Wilson machen


So erinnert er an die ebenfalls verliehenen Offensivtalente Ryan Kent und Harry Wilson. Kent läuft in dieser Saison für die Glasgow Rangers auf, erzielte in 25 Partien drei Tore und gehört unter Liverpool-Legende Steven Gerrard zu den Stammspielern. Wilson hingegen spielt ebenfalls in der zweiten englischen Liga und lieferte in wettbewerbsübergreifend 26 Einsätzen für Derby County 16 Torbeteiligungen (12 Tore, 4 Assists).


Auch Ben Woodburn soll einen ähnlichen Weg einschlagen, weshalb die Verantwortlichen ganz genau darauf achten wollen, welche Perspektiven die vermeintlichen Interessenten bieten. Denn auch für den Spieler selbst stehen regelmäßige Einsätze im Vordergrund, um die nächsten Schritte in der Entwicklung zu machen.