Ja, es gibt sie noch: Spieler, die mit angenehmer Zurückhaltung und beinahe schon demütig erscheinender Bescheidenheit ihren Wert niedriger ansiedeln, als es ihre Werte in Form von gezahlten Ablösesummen oder Vergleichen mit den ganz großen Spielern der Fußball-Historie aussagen. Letztes Beispiel: Frenkie de Jong.


75 Millionen Euro! Diesen Betrag zahlt der ​FC Barcelona an Ajax Amsterdam, um sich für die neue Saison die Dienste des niederländischen Mittelfeldspielers zu sichern. Damit ist er nach Virgil van Dijk (28), der im Winter 2018 für stolze 85 Millionen von Southampton zum FC Liverpool wechselte, der teuerste holländische Spieler aller Zeiten. 


Klar, dass da schnell Vergleiche zum "König" unter Hollands Fußballern ​bemüht werden: ​Frenkie de Jong - der neue Johan Cruyff? Doch statt diese Vorschusslorbeeren einfach so hinzunehmen und stehen zu lassen, kommentiert der 21-Jährige diesen Vergleich fast kleinmütig: "Er (Cruyff) war so viel besser als ich. Dieses Level werde ich nie erreichen." In Zeiten, in denen sich bereits manche 18-Jährige schon als kommende Welt-Fußballer stilisieren, sind solche Aussagen von so unendlich wohltuender Bodenständigkeit.


In diese Linie reiht sich auch ein Fußballer ein, der aufgrund seiner schon erbrachten Leistungen durchaus eine dickere Lippe riskieren könnte, als er es tatsächlich tut: Sadio Mane (26) vom ​FC Liverpool. Seinerzeit zahlte der FC Southampton 23 Millionen Euro an dessen damaligen Klub RB Salzburg. Und was sagt der Spieler? Statt sich hinzustellen und in die Welt zu posaunen, dass er jeden Cent dieser Summe auch wert sei, "unterstellt" der Senegalese seinem aufnehmenden Klub sogar, eventuell zu viel für ihn bezahlt zu haben. O-Ton: "Meiner bescheidenen Meinung nach war ich nicht gut genug für so viel Geld."


Oder N´Golo Kante (27). Seines Zeichens Weltmeister, zweimaliger "Spieler des Jahres" in der besten Liga der Welt und zweifacher englischer Meister in England (2016 mit Leicester City und 2017 mit dem FC Chelsea). Der fährt einen Mini-Cooper, nachdem er anfänglich sogar darüber nachgedacht hatte, zum Training beim Sensations-Meister von vor drei Jahren zu Fuß (!) zu kommen. Andere ließen sich schon per Hubschreiber einfliegen... Mit einer solchen Vita im Rücken wurde der Mittelfeld-Abräumer einmal von einem Fan zum Essen eingeladen - und Kante kam. Aß Curry mit Leuten, die er gar nicht kannte, spielte "FIFA" auf der Konsole und guckte sich das gerade laufende Match of the Day an. Ein Mensch wie du und ich. 

Und der Franzose, der übrigens zu schüchtern war, um darum zu bitten, mit dem Weltmeister-Pokal fotografiert zu werden (obwohl er maßgeblichen Anteil am Triumph der "Bleus" im vergangenen Sommer hatte), wird nicht müde, allzeit und allerorten zu betonen: "Ich bin Fußballer, und will als solcher wahrgenommen werden. Ich kann es nicht genau erklären, aber ich halte mich nicht für den Schönsten auf dem Platz oder abseits desselben. Ich bin ich. Wenn ich gewinne, gewinne ich, und wenn ich verliere, verliere ich - aber ich versuche, in jedem Wettbewerb mein Bestes zu geben. Ich will nur ein Spieler unter anderen Spielern sein." Wow! 


Das sind mal ganz andere Töne in diesem schrillen und milliardenschweren Business, in denen lauter Ich-AG´s in einem permanenten Wettbewerb stehen um mediale Aufmerksamkeit und immer höhere Rekorde was Gehälter, Ablösesummen etc. anbelangt. Oder könnte sich auch nur ein Fußball-Fan auf der Welt vorstellen, derartige Kommentare aus den Mündern von z.B. Cristiano Ronaldo oder Zlatan Ibrahimovic zu hören? Wohl eher kaum. 


Umso beruhigender, dass es immer noch Spieler in diesem globalen Mega-Geschäft gibt, die trotz schwindelerregender Zahlen anscheinend mit beiden Beinen auf dem Teppich geblieben sind.