Auch im neuen Jahr findet Hannover 96 nicht in die Spur. Die Niedersachsen verloren das Nord-Duell gegen Werder Bremen mit 0:1, kassierten die fünfte Pleite aus den letzten sieben Spielen und taumeln weiterhin dem Abstieg entgegen. Wenn der Verein die Kursrichtung nicht ändert, scheint der Gang in Liga zwei unausweichlich - doch wie kann man ihn vermeiden? 


Dass neues Spielermaterial nicht mehr erwartet werden darf, hat vor allem einen Grund: Der Verein kann sich dieses schlichtweg nicht leisten. Die Leihen von Nicolai Müller und Kevin Akpoguma wurden ​einzig durch Klub-Boss Martin Kind und dessen Partner Dirk Rossmann möglich gemacht, weshalb der 74-Jährige umso bedachter mit seinen finanziellen Mitteln umgehen will.


Auf dem Platz boten die Hannoveraner erneut eine schwache Vorstellung. Zehn Abschlüsse waren gegenüber 23 von Bremer Seite aus zu wenig, zudem gewann man lediglich 48 Prozent aller Zweikämpfe. Nach gut 20 Minuten wurde Werder immer besser, Hannover hingegen fand keine Mittel und musste sich erneut geschlagen geben.


Das Duo um Trainer André Breitenreiter und Sportdirektor Horst Heldt begann seine Ära mit der Verpflichtung Breitenreiters im März 2017 als erfolgsversprechendes Duo, doch davon ist nur noch wenig übrig. Die Bilanz des 45-jährigen Übungsleiters: 20 Siege, 17 Remis, 28 Niederlagen, zudem ein Torverhältnis von 84:98. Das Verhängnisvolle: Seit dem Beginn des Kalenderjahres 2018 gewannen die 96er nur sieben Partien, sind daher mit Abstand der schwächste aller Bundesligisten.

Andre Breitenreiter

     Kann mit der Mannschaft kaum noch gewinnen: André Breitenreiter



Egal, welche taktischen Mittel er wählt - Abhilfe schaffen sie selten. Zudem ist Breitenreiter mit der Kadersituation unzufrieden, fordert seit Sommer vehement neue Spieler - doch diese bleiben ihm aufgrund der fehlenden Möglichkeiten verwehrt. Bereits vor der Winterpause stand er unter Beschuss, blieb jedoch trotz der mageren Punkteausbeute Trainer.


Nach der gestrigen Niederlage blieb er optimistisch. Breitenreiter glaubt noch immer daran, der richtige Mann für Hannover zu sein: "Das glaube ich zu hundert Prozent, weil mir das so vermittelt wird", sagte er laut ​Sportbuzzer. Doch er weiß, dass er schon bald wieder vor dem Aus stehen könnte: "Wenn man der Meinung ist, dass auf dieser Position eine Veränderung der Mannschaft und dem Verein besser tut, wenn da jemand ist, der es besser kann, dann muss man handeln." Davon habe er innerhalb des Vereins jedoch noch nichts gehört, weshalb er weiterhin mit der Mannschaft arbeiten will.


Heldt-Transfers nur bedingt erfolgreich


Auch die Personalie Horst Heldt dürfte infrage gestellt werden. Der 49-Jährige investierte seit seiner Amtsübernahme viel, doch die zahlreichen Transfers seit dem Wiederaufstieg waren nur bedingt erfolgsversprechend. Stürmer Jonathas entwickelte sich zum Flop, gilt nun plötzlich jedoch wieder als Hoffnungsträger. Auch Josip Elez und Julian Korb sind aktuell keineswegs Stammspieler, ähnlich wie Matthias Ostrzolek.

Horst Heldt

       Investierte das Geld nicht immer sinnvoll: Sportdirektor Horst Heldt



Die Transfers von Ihlas Bebou, Pirmin Schwegler und Walace fruchteten hingegen. Insgesamt aber verlief der abgelaufene Sommer fatal, ​da die verlorengegangene Qualität um Abwehrchef Salif Sané keineswegs kompensiert werden konnte - wobei Heldt auch im Angriff nicht nachlieferte.


Beide Personalien müssen auf dem Prüfstand stehen, ansonsten kann Kind schon jetzt mit Liga zwei planen. Das Problem: Schon beim Abstieg 2016 brachte nahezu kein neuer Impuls den gewünschten Ertrag. Auf Michael Frontzeck folgten Thomas Schaaf und Daniel Stendel, doch keiner von ihnen konnte die Mannschaft aus dem Tabellenkeller befreien. In der Winterpause investierte der Verein mehrere Millionen Euro in zahlreiche Spieler, doch keiner von ihnen brachte den gewünschten Ertrag, lediglich Iver Fossum ist noch in Hannover.


Erfolgt die Trennung von Breitenreiter?


Dennoch erscheint ein Trainerwechsel am wahrscheinlichsten. Immer wieder betonen die Verantwortlichen, dass die vorhandenen Spieler genügend Qualität haben müssten, um noch einmal anzugreifen. Mit einem neuen Impuls von der Bank wäre dies möglich, denn aktuell sammelt man nicht nur Niederlagen, sondern vergeudet Zeit. In der Winterpause wäre eine Trennung von Breitenreiter zu einem Zeitpunkt gekommen, der es erlaubt, dass sich die Mannschaft mit der neuen Situation ein wenig zurechtfinden kann. So ging Borussia Mönchengladbach vor zwei Jahren vor, als Dieter Hecking verpflichtet wurde, und auch Bayer Leverkusen wagte nun vor Weihnachten den Schnitt und installierte Peter Bosz für Heiko Herrlich.

Letzten Endes entscheidet jedoch auch immer das Budget. Wer kommt gehaltstechnisch für Hannover in Frage? Wer würde die Mannschaft zum jetzigen Zeitpunkt übernehmen und besitzt genügend Erfahrung, um sie aus dieser Situation herauszuführen? Mit diesen Fragen wird man sich beschäftigen müssen, denn klar ist: Wenn man so weitermacht wie bisher, kann man nicht erwarten, dass die Mannschaft in der Rückrunde mehr als einen Sieg feiert.