Auf der Suche nach Chancengleichheit in der bis zur aktuellen Saison vom FC Bayern beherrschten Fußball-Bundesliga gibt es immer wieder Diskussionen über Lösungsansätze. Ein prominenter Vorschlag, eine Gehaltsgrenze - auch Salary Cap genannt - fand nun einen ebenso bekannten Unterstützer. Doch funktioniert das US-System auch in Deutschland?


Sechs mal. So oft ist es im immerhin gut 19 Jahre alten 21. Jahrhundert passiert, das ein Fußballverein die Meisterschaft gewinnen konnte und nicht gleichzeitig FC Bayern München hieß. ​Bremen​Stuttgart, Wolfsburg, dazu dreimal der ​Dortmunder BVB. Die Frage nach Chancengleichheit stellt sich demnach nicht erst seit heute - wenn sie sich überhaupt noch stellen lassen muss. Im Grunde scheint doch klar, dass mit den Möglichkeiten, die sich der deutsche Rekordmeister über Jahrzehnte erarbeitet hat, ein Scheitern der Bayern immer vor allem an ihnen selbst liegt. Es gibt offensichtlich keine Chancengleichheit, wenn ein Team - der FCB - den 15-fachen Marktwert eines anderen - Fortuna Düsseldorf - problemlos finanzieren kann. 

Juergen Klopp,Jakub Blaszczykowski

Klopp und der BVB machten dem FC Bayern 2011 und 2012 die Meisterschaft streitig



Und so finden sich immer wieder Experten, die dem Trend der übermächtigen Bayern, der längst zum Axiom avanciert ist, mittels Interventionen entgegenwirken möchten. Die Lösungssuche impliziert oft den Blick nach rechts und links, auf andere Ligen, andere Systeme - und der bleibt nicht selten im amerkanischen Profisport hängen. Dort weisen so gut wie alle Ligen der großen Mannschafts-Sportarten eine Gehaltsregelung auf. Eine Obergrenze, die es finanzkräftigen Vereinen erschwert, außerhalb eines bestimmten Rahmens Geld für Spielerpersonal auszugeben. Gerade schmaler budgetierten Bundesliga-Klubs würde ein so genannter "Salary Cap" womöglich zugute kommen. 


Dieser Meinung ist auch Sky-Experte Reiner Calmund im Interview mit der Rheinischen Post. Auf eine potenzielle Änderung des Systems angesprochen, zeigte sich der einstige ​Leverkusen-Manager offen: "Die Einführung eines Salary Cap, den es ja in vielen US-Sportarten gibt, würde ich sofort begrüßen". Doch ist Calli auch Insider genug, zu wissen, dass eine Umsetzung der womöglich wettbewerbsfördernden Maßnahme nicht ganz so einfach wäre. "Bei uns ist das nicht darstellbar. Eine Deckelung der Gehälter steht im Widerspruch zum EU-Wettbewerbsrecht und würde drastische Sanktionen nach sich ziehen", erklärte der 70-Jährige im Gespräch mit der Zeitung.


Die Gehaltsobergrenze scheint also aktuell nicht realisierbar. Ist sie aber ein Modell für die Zukunft? Auch das ist fraglich. Der Blick über den Teich liefert nämlich nicht nur positive Eindrücke. So gibt es im US-Sport zwar selten wie aktuell in der Bundesliga sechs Jahre lang denselben Meister, doch werden bestimmte Klubs in Basketball, Hockey und Football trotzdem über Jahrzehnte zu Favoriten auf Titel, während andere Mannschaften zu chronischen Verlierern verkommen. So gelang es unter anderem der American Football Franchise New England Patriots, sowohl 2002, '04 und '05 als auch '15 und '17 innerhalb weniger Jahre mehrere Titel zu erringen, im NBA-Basketball sind die Golden State Warriors nach drei Meisterschaften innerhalb der letzten vier Jahre auch in diesem Jahr wieder Favorit auf den Liga-Gewinn. 


Der Salary Cap wäre folglich eines sicher nicht: Ein Allheilmittel. Die Qualitätsunterschiede, die sich über Jahre und Jahrzehnte in der Bundesliga etabliert haben, würden nicht auf einmal verschwinden. München wäre weiterhin, wie jedes Jahr, Favorit auf den Titel - allein aufgrund der besseren Ausgangslage. Weil aber ohnehin, wie Calmund richtig feststellt, eine Gehaltsobergrenze in naher Zukunft ohnehin unmöglich ist, schauen wir doch lieber auf die Gegenwart - Und in der steht an der Tabellenspitze nicht der ​FC Bayern München