Vor wenigen Wochen noch hegten die Verantwortlichen beim ​1. FC Köln die Hoffnung, dass der verlorene Sohn Anthony Modeste (30) nach dessen unilateraler Beendigung seines China-Abenteuers beim Super-League-Club Tianjin Quanjian (wegen ausstehender Gehaltszahlungen) bald schon wieder auf Torejagd in der Domstadt gehen würde. Doch mittlerweile droht sogar das Szenario, dass der Stürmer in dieser Saison gar kein Spiel mehr machen kann.


Das Problem ist die fehlende Spielgenehmigung. Sollte diese bis zum Monatsende nicht vorliegen, wäre der Spieler - formaljuristisch - für den Rest dieser Spielzeit nicht mehr spielberechtigt. Gegenüber der Bild bestätige Kölns Finanz-Chef Alexander Wehrle (43) diese Konstellation, bemühte sich aber gleichzeitig, etwas rheinischen Optimismus in der Causa zu verbreiten: "Ja, normal ist das so. Aber bei Tony ist das ein Sonderfall. Das ist ein laufendes Verfahren, und vielleicht können wir doch eine Sondergenehmigung bei der FIFA bekommen." 


Bislang wurde dem Klub die schriftliche Urteilsbegründung noch nicht zugestellt. Das seinerzeit von der FIFA ergangene Urteil gab dem Spieler nur teilweise recht. So wurden zwar die Zahlungsansprüche von Seiten des Spielers gegenüber seinem Verein Tianjin Quanjian anerkannt, Schadenersatzansprüche jedoch keiner Seite zugeschrieben. Es besteht also auch nach dem Urteil weiterhin keine Klarheit in der Sache.


Noch weniger Klarheit herrscht momentan über den Zustand des Klubs Tianjin Quanjian selbst. Der ist nämlich gerade dabei, zu zerfallen. Man munkelt über die komplette Auflösung des Vereins und einen Neu-Start unter anderem Namen und neuer Führung. Der bisherige Klub-Chef Yuhui Shu (51) befindet sich wegen eines Pharma-Skandals seit Montag in Haft. Shu jedoch war bislang der Ansprechpartner der Rheinländer, fällt in dieser Rolle also bis auf Weiteres weg. Dazu Wehrle: "Wir müssen jetzt erstmal klären, wer unser neuer Ansprechpartner ist." 


In diesem Chaos sieht Kölns Finanzboss jedoch auch eine Chance: "Ich sehe das eher positiv für uns. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Chinesen noch bis zum internationalen Sportgerichtshof CAS gehen wollen." Klingt etwas nach Pfeifen im Walde. Denn: der Zeitdruck bleibt derselbe. Die nächsten Tage bis zum Ende des Monats werden sowohl der Effzeh als auch Anthony Modeste gespannt verfolgen, was in China und bei der FIFA passiert.