Der kicker hat 214 Bundesligaspieler gebeten, die ihrer Meinung nach besten Spieler der Hinrunde zu benennen. Und die größten Flops. In dieser zweiten Kategorie sind mit Mats Hummels, Jerome Boateng und Thomas Müller drei ​Bayern-Spieler unter den "Top Four".


Jahrelang hat sich Mats Hummels vor allem über sachliche, kritische Analysen definiert, die auch häufig einer gewissen Selbstkritik nicht entbehrten. Im Zuge der Aufbereitung der katastrophalen Darbietung der "Mannschaft" bei der letztjährigen Weltmeisterschaft in Russland, vermisste man diese Schonungslosigkeit ein wenig.


Er war der erste, der sich damals nach der 0:2-Niederlage gegen Südkorea den Reportern stellte und Rede und Antwort stand. Er sprach von dem Tor, das er hätte machen müssen, "in der 86. oder 87." und wir nickten anerkennend. Ja, den konnte man wirklich schon mal machen. 


Er sprach sogar anlässlich dieses letzten Gruppenspiels, das eigentlich nochmal eine Steigerung nach unten im Vergleich zu den bereits sehr schwachen Auftritten gegen Mexiko und Schweden bedeutete, davon, dass sie es manchmal noch "echt gut verteidigt" hätten. Am Ende habe man einfach die "Torchancen nicht genutzt". Ach so, deshalb kein Tor für uns. Hummels' Rückblick auf den Herbst 2017, wo die Nationalmannschaft das "letzte überzeugende Spiel" abgeliefert habe (1:1 gegen Spanien) kommt zwar augenscheinlich als Selbstkritik daher, muss aber im Lichte der danach getätigten Aussagen anders bewertet werden. 


Sagen wir mal so: nach dem Turnier haben diejenigen Spieler, die sich bemüßigt fühlten, eine Analyse für das Debakel zu betreiben, genau das zugegeben, was sowieso keiner leugnen wollte und konnte. Also das offensichtliche, das was ganz Fußball-Deutschland vor den heimischen Fernsehern verfolgen musste. Darüber hinausgehende Kritik, vielleicht auch an sich selbst: Fehlanzeige. 


Man hatte bisweilen den Eindruck, einem anderen Turnier beigewohnt zu haben, wenn Spieler erklärten, dass es einfach am fehlenden Glück in punktuellen Momenten gelegen habe, dass man es als Titelverteidiger in einer relativ leichten Gruppe nicht geschafft hatte, unter den ersten zwei zu landen. Am Ende wurde man sogar Letzter. Von vielen wurde vor allem der außer Form befindliche Bayern-Block als Hauptgrund für das Scheitern ausgemacht (die Personalie Özil sei an dieser Stelle mal beiseite gelassen). 

Mit Boateng, Hummels und Müller fuhren mindestens drei Bayern-Spieler zum Turnier, an deren weltmeisterlicher Form einige Zweifel hatten (die Personalie Neuer sei an dieser Stelle mal beiseite gelassen). Drei nicht in Form befindliche Spieler, die aber einen Stammspieler-Status vom Trainer verpasst bekamen. Das Ende ist bekannt.


Und ähnlich unsouverän wie im Sommer 2018, reagiert Mats Hummels jetzt über seinen Twitter-Account auf eingangs erwähnte kicker-Umfrage. Ein bizarrer Post: "Gerade etwas Zeit gehabt und eine kleine persönliche Vorrundenbilanz gezogen. 15 Spiele, davon 10 Siege, 2 Unentschieden, 3 Niederlagen. 28:8 Tore währenddessen 9 Mal "zu Null". Darf jeder für sich selbst interpretieren." 

Genau. Machen wir dann auch gleich mal. Als "persönliche Vorrundenbilanz" seinen Followern hier eigentlich nur die Mannschaftsstatistiken des FC Bayern München zu präsentieren, also der in Deutschland stärksten Vereinsmannschaft, ist für einen Spieler, den man als selbstkritisch kennen und schätzen gelernt hat, doch arg wenig. "9 Mal zu Null" ! Ernsthaft, Mats? Hast du im Tor gestanden oder der Manu? 

Dem gemeinen Leser stellt sich diese "Leistungsbilanz" eher wie eine Trotzreaktion dar, ganz nach dem Motto: was ich nicht sehe, (weil ich die Augen geschlossen habe), existiert auch nicht. Diejenigen unter den 214 Bundesliga-Spielern, die ihn mit 15,4% an die Spitze der Hinrunden-Flops "gewählt" haben, hatten ihre Augen während der Winterhalbserie jedenfalls nicht geschlossen.  ​