Über Jahre hat es Franck Ribéry immer wieder hinbekommen, seine zahlreichen und schwerwiegenden Fehltritte durch fußballerische Leistung auf wundersame Weise fast vergessen zu machen. Mit seinem neuesten Eklat möchte er aber nun ein für alle Mal einen Beweis antreten: Fußballer sind keine Helden - zumindest längst nicht alle. 


Nein, er ist kein Einzelfall. Dass Fußballprofis vor, während und nach ihrer Karriere nicht selten gegen Gesetze, Vorschriften oder Etiketten verstoßen, ist bekannt. Es ist sicher keine Erfindung von Franck Henry Pierre Ribéry. Doch ist der kleine Franzose einer der prominentesten Vertreter einer zurecht verrufenen Zunft, der in der einen oder anderen Weise zahlreiche Top-Fußballer angehören. Einer Gruppe von Emporkömmlingen, die mit Erfolg, Geld und Bekanntheit nicht umgehen können. 


Das beginnt, wenn Barcas Dembélé sich nach einem erfolgreichen Spiel denkt, er müsse nicht oder nur verspätet zum Training auftauchen. Das geht über Lionel Messi, der wie viele andere denkt, er müsse mehr von seinem Reichtum für sich behalten als ihm zusteht und es endet noch nicht bei Profis, die mit minderjährigen Prostituierten Geschlechtsverkehr haben - so wie einst Ribéry. Ja, der Mann, der im Rahmen seiner neuesten Obszönität beteuert, seine Familie schützen zu wollen - was ihm niemand verdenkt -, hat über die elf Jahre, die er inzwischen beim FC Bayern München weilt, ein schauriges Portfolio erbärmlicher Tiefpunkte angesammelt. 

Franck Ribery

2014 musste sich Ribéry wegen Sex mit einer Minderjährigen vor Gericht verantworten



Dass der Franzose - wie auch viele der anderen Profis - dennoch in erster Linie für seine fußballerische Leistung bekannt ist, liegt auch daran, dass er ein hervorragender Kicker ist und ein noch besserer war. Aber nicht nur daran. Es liegt auch daran, dass man beim ​FC Bayern wie bei anderen großen Vereinen für fünf Minuten besorgt schaut, bevor schnell wieder so getan wird, als könne man sich an nichts erinnern. Zugegeben: Oft gibt es (​wie aktuell auch) eine Alibi-Sanktion à la "Nanana, mein lieber Franck! So aber nun nicht. Das wird dich einiges Kosten". Wer glaubt, dass jemanden, der vergoldetes Steak isst, eine finanzielle Sanktion sonderlich beeindruckt, der glaubt vermutlich auch noch immer, dass Ribéry ein grundsolider, netter Typ ist. 


Aber das ist er nicht. Das will er auch nicht sein. Seine Argumente wie "aber ich spende" und "ihr guckt immer nur, wenn's gerade ganz blöd ist", stechen nicht. Nach mehr als 15 Jahren Profifußball weiß der Bayern-Spieler, dass er in der Öffentlichkeit steht und die Medienlandschaft nicht dann über ihn berichten wird, wenn er solide Dinge tut. Natürlich ist das frustrierend, aber etwas weniger, wenn man nicht ständig negativ auffällt. Das jedoch passiert dem 35-Jährigen nunmehr so oft, dass es kein Zufall mehr sein kann. Es ist fast, als wolle der ehemalige Nationalspieler seinen Fans den Spiegel vorhalten, indem er regelmäßig die Grenzen austestet. Als wolle er sagen: Seht ihr? Ich kann machen, was ich will und zwei Tore später ist es vergessen. Als wolle er auch dem letzten beweisen, dass Fußballer nicht die Idole, nicht die Helden sind, die viele in ihnen sehen.